Warum viele ihr Leben niemals lieben lernen (obwohl sie gerne würden)

10. Januar 2015

Bitte beachte: Ältere Artikel von mir können überholt sein. 1) Bis Februar 2017 ging ich davon aus, Liebe sei ausschließlich eine Tätigkeit. Ich glaubte, nur ich selbst könne meine Liebe machen. Heute weiß ich: Liebe ist und war zugleich immer schon da, und wird immer da sein, in mir und in der Welt. 2) Bis Juni 2017 hielt ich monogame Beziehungen für überholt und Polyamorie für das überlegene Modell. Heute weiß ich: Bevor ich mit vielen Frauen tiefe Beziehungen eingehen kann, muss ich es überhaupt erstmal mit einer Frau schaffen... 3) Bis August 2017 wollte ich alles an Menschen unterschiedslos annehmen. Heute weiß ich: Nicht alles ist Licht. Tief in uns kann es auch Muster geben, mit denen wir uns und anderen schaden und die es darum auszuschalten gilt. — Manuel

Liebe ist eine Kunst – Selbstliebe ist eine Kunst. Jeder kann sie lernen, denn wir alle können lieben. Und doch – den meisten fällt das unendlich schwer. Denn eine Entscheidung, die alles entscheidet, treffen nur ganz wenige: Liebe zum wichtigsten Anliegen ihres Lebens zu machen.

Warum ist das so bedeutsam? Solange Liebe nicht das Wichtigste in meinem Leben ist, ist eben etwas anderes wichtiger. Seien es Studium und Karriere; perfektes Aussehen; einen Partner zu haben (!) … was auch immer es sei: Solange Liebe nicht das Wichtigste in meinem Leben ist, ist eben etwas anderes wichtiger.

Solange das aber so ist, hat meine (Selbst)Liebe niemals eine Chance. Wenn es darauf ankommt, werde ich jedes Mal wieder gegen Liebe handeln, im Einklang mit meinen wahren Werten: Für …einen Beruf, der mir zwar Unglück, aber Geld bringt; …äußere Schönheit, statt Anmut ohne Maske; …einen Partner zum Geliebtwerden und gegen Einsamkeit; und so weiter, und so fort. Mein Scheitern an der Liebe ist von vornherein programmiert – im Quellcode meines Denkens.

Mache ich Liebe(n) aber zum Wichtigsten in meinem Leben, dann *werde* ich Liebe. Dann stellt sich nicht mehr die Frage, ob ich meinen miesen Job immer noch einen Tag länger machen will, bis zur Rente; ob ich in meinem Innersten vielleicht doch hässlich bin; ob ich vielleicht wirklich nur zu zweit glücklich würde. Aus der einen Entscheidung zur Liebe kann ich dann alles Denken und Handeln ableiten. Nicht einmal Mut brauche ich noch dafür, sondern lediglich Konsequenz.

Genauso erlebe ich es selbst: Mit Liebe als Ideal weiß ich immer, was „richtig“ und was „falsch“ ist; kann ich alleine und mit anderen glücklich sein; bin ich zutiefst schön; hat mein Leben Sinn und Richtung. Als Kompass und Maßstab ist Liebe universell; und je öfter ich sie übe, umso mehr wächst, und umso leichter gelingt sie.

Wie außergewöhnlich das ist, weiß ich erst, seit ich mich für Selbstliebe einsetze. Nur ganz wenige entscheiden sich wirklich für Liebe, und bleiben auch dabei. Diese Menschen schreiben oft schon nach kürzester Zeit E-Mails, dass mir vor Freude die Tränen kommen – weil sie es sich selbst bewiesen haben: Ich bin Liebe. Das macht es ihnen auch so leicht, auf ihrem Weg weiterzugehen und immer schneller zu wachsen, denn von nun an ist das Ziel immer in Sicht: Der Weg ist das Ziel.

Das ist eine tiefe, spirituelle Einsicht, und ein unvergleichliches Gefühl: Erleuchtung. Der Weg dorthin ist die Kunst des Liebens, verstanden als Tätigkeit, zu der wir uns jede Sekunde neu entscheiden können. So gewinnen wir immer wieder das Gefühl der (Selbst)Liebe, des Eins-Seins mit uns selbst und der ganzen Welt: Das größte Gefühl überhaupt. Diese Entscheidung schließlich immer wieder von vorne, immer wieder neu zu treffen, ist das Einfache und das Schwere an dieser Kunst.

Manuel
m@movemeta.org

Ich bin Manuel, der Gründer von Move Meta. Seit 2014 verbindet unsere Bewegung Menschen, die SelbstLiebe lernen wollen – eine aufregende, alles erschütternde Reise zu uns selbst. Über meinen eigenen Weg dorthin schreibe ich hier im Blog.

12 Kommentare
  • Holger
    Veröffentlicht am 03:20h, 11 Januar Antworten

    Dass Liebe eine Entscheidung ist habe ich vor Jahren erkannt – und habe entschieden meine jetzige Partnerin zu lieben. Diese Enscheidung steht immer noch – und jeden Tag versuche ich danach zu leben.
    Aber die Entscheidung MICH zu lieben – ich weiß nicht wann ich die getroffen habe – anscheind habe ich sie noch nicht wirklich getroffen.

    Danke Manuel – dann werde ich mal die wichtigste Entscheidung meines Lebens nachholen!

    Liebe Grüße an alle Entscheider
    Holger

    • Manuel Fritsch
      Veröffentlicht am 13:19h, 11 Januar Antworten

      Lieber Holger,
      das finde ich klasse! Dann hast du ja bereits jahrelange Übung. Ich erzähle in Bochum ja immer, dass Lieben wie ein innerer Muskel ist – so hast du es sicher nicht schwer, deine Liebe auch dir selbst zu schenken. Halte mich auf dem Laufenden!
      Herzliche Grüße
      Manuel

      • Holger
        Veröffentlicht am 14:08h, 16 Januar Antworten

        Hallo Manuel, hallo ihr lieben alle,
        gestern hatte ich eine Erkenntnis warum mir die Entscheidung micht zu lieben schwerer fällt als die Entscheidung meine Partnerin zu lieben.
        Bevor ich meine jetzige Partnerin kennenlernte hatte ich eine genau Vorstellung davon wie sie sein sollte. Dann lernte ich sie kennen und sagte mir, das ist sie, sie ist so wie ich mir das wünsche und entschied mich sie zu lieben. Interessant ist, bei allen Änderungen, und meine Partnerin und ich haben viele Änderungen erlebt, habe ich nie aufgehört sie zu lieben.

        Und wie ist es jetzt bei mir?
        Ich hatte und habe eine Vorstellung wie ich sein sollte oder sein möchte. Diese Vorstellung habe ich natürlich nie erreicht – denn ich bin ja mein größter Kritiker. Also konnte ich mich auch nie so ganz lieben.
        Zur Zeit lese ich Dain Heer „Sei du selbst und verändere die Welt“. Dain ersetzt Liebe durch Dankbarkeit, Anteilnahme und Wertfreiheit. Und das ist es: meine Partnerin konnte ich annehmen, denn sie entsprach ja meinen Wünschen. Bei mir selber, bei meine Selbstliebe, ist es aber so, ich werde niemals meinen Wünschen entsprechen, also muß ich „meine Wünsche und Vorstellungen beiseitelegen“ und anfangen mich einfach von ganzem Herzen bedingungslos anzunehmen, mir zu danken für mich, Anteilnahme mir selbst gegenüber zeigen und mich nie mehr zu bewerten. Dann liebe ich mich selbst!

        Hat jetzt lange gedauert bis der Groschen bei mir gefallen ist obwohl die erste Regel im MoveMeta einmal war „Ich nehme jeden Menschen bedingungslos an, auch mich selbst.“!

        Liebe Grüße an alle (Selbst-)Kritiker
        Holger

        • Manuel Fritsch
          Veröffentlicht am 15:52h, 16 Januar

          Lieber Holger,

          mit dem Wort „Selbstliebe“ tun sich viele schwer, weil es vermeintlich einen hohen Anspruch impliziert. Dabei ist es umgekehrt: Liebe ist der Verzicht auf alle Ansprüche, Wünsche, Bedingungen etc., bevor ich mich oder irgendjemanden annehme und Freude spüren darf. Das Schwere daran ist nur das Loslassen, nach oft lebenslangem Krampf („ich… muss… anders… sein… arrrrghhh“). Solange ich das nicht angehe, bleibt Selbstliebe immer unendlich schwer.

          Was früher Erste Regel hieß und heute unser Erstes Prinzip heißt, ist darum genau dieses Loslassen: der Anfang aller Selbstliebe. Es ist nach wie vor das wichtigste unserer Drei Prinzipien, und fasst in einen Satz zusammen, wofür du 200+ Seiten gelesen hast. Es ist damit also viel leichter merkbar! Der Preis dieser Kürze ist: Die eigene Erkenntnis ist unbedingt erforderlich – entweder per Buch (wie bei dir und mir auch, ich las Erich Fromm) oder durch persönliches Erleben, wie es unsere Gruppen ermöglichen.

          Der Vorteil des Wortes „Selbstliebe“ ist derselbe, auf die Spitze getrieben: Anstatt mir für meine Erkenntnis/se (wie du sie erlangt hast) eine Vielzahl von Worten und Konzepten zu merken (Dankbarkeit, Anteilnahme, Wertfreiheit usw.), umfasst „Selbstliebe“ alles zugleich. Was ich mir dafür merken muss, ist genau ein Wort – ein Ideal, das ich leben will.

          Alles Liebe,
          Manuel

        • jana
          Veröffentlicht am 12:13h, 20 Januar

          hej manuel, wenn du vermitteln willst was liebe ist und wie man dorthin kommt, brauchst du glaub ich noch zeit und eine beobachtung deines inneren und deiner beziehungen. mir fällt auf, dass du emotional sehr engagiert bist, aber die formulierungen, die rationale betrachtung darunter leidet… ein wichtiger punkt zb ist, dass liebe kein verzicht ist. und dass loslassen sowenig ein aktives geschehen ist wie auszuatmen. aber es gibt auch schmerzhaftes loslassen und die liebe als verzicht, aber warum willst du das lehren? lernen willst du das glaub ich, aber warum auf diesem weg?obwohl, das ist halt so nicht wahr? jeder geht seinen eigenen weg und so ein projekt ist eine sehr komplexe erfahrung….

        • Manuel Fritsch
          Veröffentlicht am 13:54h, 20 Januar

          Liebe Jana,

          mit das Beste an Move Meta ist, dass ich mich endlich entspannen kann: Auch ich muss kein perfekter Lehrer, Coach, Trainer oder Guru sein. Was bei Move Meta passiert, findet vor allem in den Gruppen und Rendezvous statt, denn „der beste Weg, die Liebe zu lernen, ist die einfache Anwesenheit eines liebenden Menschen“, wie Erich Fromm in „Die Kunst des Liebens“ geschrieben hat. Darum soll es bei Move Meta gehen.

          Hier, auf movemeta.org, kann ich allenfalls hoffen, Menschen überhaupt für Selbstliebe zu begeistern. Meine Texte sind ein reines Mittel zum Zweck. Wie ich das in persönliche Worte fasse, was wir eigentlich sowieso alle im Innersten wissen, ist meine große Herausforderung, bei der ihr mich geduldigerweise begleitet :) Und das ist kein leichtes Unterfangen, da unsere materiell geprägte Sprache (Faustkeil, Eisenbahn, Zahlungsverkehrsverordnung) für spirituelle Angelegenheiten nicht viel taugt.

          Nur ein Beispiel: Materiell sind „Loslassen“ und „Annehmen“ Gegenteile; spirituell bedeuten beide Worte ein- und dasselbe: Das Annehmen dessen, was ist und das Loslassen dessen, wie ich es gerne hätte. So ist auch Liebe zugleich Verzicht und Alles-Bekommen, je nach Situation vom totalen Verzicht (etwa, jemals den „roten Knopf“ zu drücken) bis zum totalen Annehmen (etwa eines geliebten Menschen). Es gibt kein Entweder-Oder, kein richtig-falsch in der Liebe, nur Perspektiven auf ein- und dasselbe: bedingungsloses Eins-Sein (auf allen Ebenen und Meta-Ebenen, egal wie abstrakt ich das Leben/das Sein denken möchte).

          Ich hoffe also, du bleibst Move Meta gewogen! Mein Anspruch an meine Texte ist ziemlich hoch, aber gerade darum muss ihn erst Recht auch manchmal loslassen… Mit dem Willkommenspaket lade ich übrigens alle ein, sich ebenfalls als Autoren einzubringen. Ich habe die Hoffnung, dass auch dies irgendwann mal von vielen angenommen wird.

          Alles Liebe,
          Manuel

  • Victor
    Veröffentlicht am 19:08h, 11 Januar Antworten

    Die Liebe zu mir selbst war ein langer, langsamer Prozess.
    Der Puls und Richtungsgeber auf dem Weg meines Lebens war wahrhaftig einzig und allen mein Impulsgeber, mein Herz !!!

    Dadurch wurden mir erst möglich weitere Erkenntnisse über Körper, Geist und Seele wahrhaftig zu erkennen,
    um in den Zustand der Selbstliebe zu gelangen.

    Herzliche Grüße Victor.

    • Manuel Fritsch
      Veröffentlicht am 22:03h, 11 Januar Antworten

      Lieber Victor,
      und wie harmonisch wäre es erst, wenn wir Menschen alle unserem Herzen folgen würden, anstatt dem Geld, dem Ruhm oder irgendwelchen Zielen, die weder uns noch die Welt weiterbringen… danke für deinen Kommentar!
      Alles Liebe,
      Manuel

  • Sabrina
    Veröffentlicht am 17:25h, 15 Januar Antworten

    Ein treffender und wunderbarer Text, lieber Manuel!

    Schön ist es auch, im „Rahmen“ der Selbstliebe wieder und wieder zu erfahren, wie man daran wächst, sich neu kennen lernt – und sich aus diesem Weg auch plötzlich immer wieder neue Wege hin zu einem noch farbenfroheren, facettenreicheren Leben ergeben.
    Es führt bei mir zu einem wunderbaren Zustand des reinen Seins.

    Alleine das macht mich schon glücklich.

    Herzliche Grüße an alle Weggefährten und an all diejenigen, die es vielleicht noch werden!

    • Manuel Fritsch
      Veröffentlicht am 18:11h, 15 Januar Antworten

      Liebe Sabrina,
      vielen Dank für das Kompliment! Du beschreibst ganz wundervoll, wie sich unsere Treffen für mich anfühlen, und für all das brauchen wir nichts außer uns selbst! Kein Kino, kein Popcorn, keinen Entertainer… ich freue mich auf alle, die das für sich entdecken!

  • Iris
    Veröffentlicht am 09:34h, 24 März Antworten

    Liebe Teilnehmer!
    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viel Liebe geben mich aushöhlt. Liegt es an der fehlenden Balance – sich selbst Liebe geben, anderen liebevoll begegnen? Oder nehme ich den Reichtum nicht wahr?
    JEDEN Menschen bedingungslos zu lieben ist mir momentan nicht möglich. Ich versuche, da, wo ich einen Funken spüre, dass Feuer zu schüren, ohne mich selbst dabei aus dem Herzen zu verlieren (Balance). Vielleicht war meine Gewichtung bis jetzt (nach Außen Liebe geben) zu einseitig? Oder es ist gar keine bodenständige Liebe, die Du nach Außen gibst wenn du nicht in der Selbstliebe verankert bist. Und deshalb höhlt sie dich aus?
    Hättet Ihr eine Idee ?

    • Manuel Fritsch
      Veröffentlicht am 11:35h, 25 März Antworten

      Liebe Iris,
      auch ich bin mittlerweile zu der Einsicht gelangt, dass ich meine Liebe letztlich nicht allein aus mir selbst erschaffen kann. Das ist gerade ganz aktuell und noch frisch. Es ist mir zwar gelungen, diese Einsicht mit viel Energie einige Jahre hinauszuzögern – weshalb Move Meta überhaupt entstehen konnte -, doch nun lerne ich, die Liebe zu finden. Dafür meditiere ich dieser Tage sehr viel und gebe mir selbst die Chance, mit Achtsamkeit zu finden, was es eben zu finden gibt. Ich werde wohl eine Weile brauchen, bis das „Erzeugenwollen“ abnimmt, doch so ist es eben.

      Ich würde also sagen: Um Liebe nach außen hin geben zu können, muss ich selbst mich als geliebt und von Liebe umgeben und durchdrungen erfahren. Der Weg dorthin ist der Weg in mein Inneres, in die Ruhe, ins Eins-Sein. Wenn das heißt, dass ich täglich mehrere Stunden meditieren muss, um diesen Zustand auf Dauer zu halten, dann ist das eben so – bisher hatte ich mich davor immer gedrückt…

      Alles Liebe
      Manuel

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