Wiebke aus Kempen: Erwachsen werden

09. Juni 2015

Vor zwei Jahren war ich noch ein schüchternes, verletzliches Mädchen. Was ich heute einfach akzeptiere und hinnehme, habe ich damals gehasst, insbesondere mich selbst. Ich habe so einige Fehler gemacht, damals. Ich war sehr nachtragend und undankbar. Eventuell nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass ich fast mein ganzes Leben Probleme hatte, Freunde zu finden und zu behalten. Vielleicht, weil ich zu aufdringlich war, vielleicht, weil ich nicht genug da war. Ich weiß es nicht.

Zum Ende der sechsten Klasse hin hatte ich aber ein paar gute Freundinnen gefunden, mit denen ich auch relativ viel machte. Als frischgebackene motivierte Mittelstufenschülerin war ich der festen Überzeugung, dass ab jetzt alles besser werden würde. Diese Einstellung hielt sich aber nicht einmal 3 Monate. Ich fing an, Zweifel gegen meine Freundinnen zu hegen und unbegründete Anschuldigungen zu machen. Sie mochten mich und zeigten mir das auch. Und ich warf das, was ich mir ja eigentlich schon immer gewünscht hatte, einfach weg.

Ich weiß nicht mehr, was damals in mir vorging. Schlussendlich artete das Ganze in einem Streit mit den Mädels aus. Wir vertrugen uns schnell wieder, doch richtig befreundet waren wir danach nicht mehr. Wahrscheinlich, weil ich inzwischen neue Leute aus der Stufe unter meiner kennengelernt hatte, die ich jede Pause traf. Da blieb dann natürlich keine Zeit mehr für die anderen. Ich entfernte mich unwillkürlich von ihnen, ohne dass ich es wirklich merkte.

Gegen Mitte der achten Klasse habe ich angefangen, mich drastisch zu verändern. Wahrscheinlich, als einer der Mädels zu mir sagte, ich solle mich öfter loben. Mir ging es zu dem Zeitpunkt ziemlich mies. Ich war noch immer von ständigen Selbstzweifeln geplagt, zu Hause gab es öfters Stress wegen meiner Schwester und ich machte mir zu oft selbst Vorwürfe. Zudem war ich enttäuscht von meinem neuen Freundeskreis, in dem es üblich war, sich gegenseitig niederzumachen. Ich wusste nicht, wie ich die anderen darauf ansprechen sollte und ob ich das überhaupt tun sollte, da ich Streit grundsätzlich vermeiden wollte. Ich fraß also alles in mich hinein und vertraute mich niemandem an. Als diese Freundin mir diesen beiläufigen Tipp gab, mich selbst zu loben, dachte ich mir, ich könne es ja mal probieren, schaden könne es ja nicht. Also tat ich genau das.

Heute, gut 2 Jahre später, habe ich eine ziemlich scharfe Zunge, womit ich fast alles abwehre. Ich beleidige zwar oft andere Leute, aber das sind meistens meine Freunde, und wie erwähnt ist das bei ihnen üblich. Mit einer Freundin, die mich am meisten verletzte, sprach ich mich aus, und seitdem verstehe ich mich auch mit ihr recht gut. Ich habe ihren etwas krummen Humor lieben gelernt und mache jetzt mindestens so schlimme Witze wie sie damals. Auch bin ich nicht mehr so schüchtern, habe weniger Probleme damit, Leute anzusprechen und lasse ich mich nicht mehr so sehr herumschubsen. Ärgerliche Dinge und traurige Momente lasse ich einfach über mich ergehen, da ich der festen Überzeugung bin, dass nach jedem Regenschauer die warme Sonne wieder durchkommt. Und aus dem richtigen Winkel betrachtet, ist auch so ein Regenschauer ganz hübsch.

Ich glaube aber, dass ich noch lange nicht zur richtigen SelbstLiebe gekommen bin. Begründen kann ich das nicht, es fühlt sich einfach so an. Aber ich bin auf dem richtigen Weg. Schon vor Move Meta habe ich irgendwie von mir aus mit SelbstAnnahme begonnen, und es wurde alles viel leichter, viel unbeschwerter. Vermutlich, weil ich aufgehört habe, mich ständig selbst zu kritisieren, und begonnen habe, aus jedem noch so niederschmetterndem Ereignis etwas Positives herauszuziehen. Ich möchte mich auf gute Gefühle konzentrieren, anstatt wie früher so oft weinen zu müssen. Und ich denke, Move Meta kann eine wundervolle Stütze für mich werden. Ich freue mich bereits auf die kommende Zeit! :3

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