Wie viel Sex darf eine Frau haben?

"Prüfe dein Gefühl" - Fragen, die tief blicken lassen: Auf unser Denken, Handeln und Fühlen, und wer wir dadurch sind.

08. November 2014

Bitte beachte: Ältere Artikel von mir können überholt sein. 1) Bis Februar 2017 ging ich davon aus, Liebe sei ausschließlich eine Tätigkeit. Ich glaubte, nur ich selbst könne meine Liebe machen. Heute weiß ich: Liebe ist und war zugleich immer schon da, und wird immer da sein, in mir und in der Welt. 2) Bis Juni 2017 hielt ich monogame Beziehungen für überholt und Polyamorie für das überlegene Modell. Heute weiß ich: Bevor ich mit vielen Frauen tiefe Beziehungen eingehen kann, muss ich es überhaupt erstmal mit einer Frau schaffen... 3) Bis August 2017 wollte ich alles an Menschen unterschiedslos annehmen. Heute weiß ich: Nicht alles ist Licht. Tief in uns kann es auch Muster geben, mit denen wir uns und anderen schaden und die es darum auszuschalten gilt. — Manuel

Ich bin ein Mann. Welche Frage mich im Leben am meisten beschäftigt hat, kann sich deshalb bereits jeder denken: Wie habe ich mehr Sex? Für mich als Mann ist das ja ganz „normal“. Deshalb darf ich auch so viel Sex und so viele Frauen haben, wie ich will. Noch besser: Je mehr Frauen und je mehr Sex ich habe, umso mehr unterstreicht das meine Männlichkeit. Das Leben als Mann – müsste man nicht ständig mit irgendwem kämpfen, es wäre das Paradies. [Achtung, Sarkasmus.]

Und das Leben als Frau? Stellen wir uns eine Frau vor, die von sich sagte: Ich will mit richtig vielen Männern schlafen. Was macht das mit uns, dieser Gedanke? Welche Assoziationen poppen auf, und welche Gefühle? Wird da vielleicht eine innere Gegenwehr spürbar; eine unbestimmte Unzufriedenheit, oder gar offener Hass? Wäre diese Frau nicht eine Schl….,  eine H…, wenigstens ein bisschen? Müsste man da nicht mindestens die Frage stellen: Wie viel Sex darf eine Frau haben?

Wie viel allein in der Frage schon steckte! Die Annahme, eine Frau „dürfe“ zunächst einmal nicht, was sie wolle. Die Annahme, „wir“ anderen hätten vielmehr zu entscheiden, was gut und richtig für sie sei. Die Annahme, Sex sei etwas Schlechtes, wenn eine Frau ihn macht. Die Annahme, es sei in Ordnung, diese Frage überhaupt zu stellen (und zu beantworten). Unser Verhältnis zu anderen, zum Sex, sowie eine gesamte „normale“ Geschlechterrolle auf eine einzige Frage kondensiert.

All das macht diese Frage so interessant. Noch viel interessanter aber ist der Kopf, durch den diese Frage geht – nämlich deiner (siehe Untertitel). Vor allem, wenn du selbst eine Frau bist! Sei ehrlich zu dir selbst: Wie fühlst du dich damit? Findest du diese Frage berechtigt? Und wie fühlst du dich mit der Vorstellung einer Frau, die so viel Sex haben will, wie sie möchte? Die das alleine entscheidet, ohne dich oder irgendjemanden um Erlaubnis zu bitten? Selbst wenn sie deine Schwester, Mutter, Tochter, Freundin oder Partnerin ist? Ist dir das angenehm oder unangenehm? Also: Kannst du lieben – jede Frau, so wie sie ist?

Das ist die Frage, um die es hier eigentlich geht. (Überraschung!) Was immer du fühlst, ist Ausdruck deiner persönlichen Kultur: deines Charakters – eines über viele Jahre eingefahrenen Denkens und Handelns. Es ist eine Aussage über dich selbst, getroffen von einer unbestechlichen Instanz: Deinem eigenen Gefühl. Gefällt dir, was du in dir siehst? Und wenn nicht – was machst du daraus?

Lerne dein eigenes Denken kennen, und bringe dein schönstes Selbst hervor.
Manuel
m@movemeta.org

Ich bin Manuel, der Gründer von Move Meta. Seit 2014 verbindet unsere Bewegung Menschen, die SelbstLiebe lernen wollen – eine aufregende, alles erschütternde Reise zu uns selbst. Über meinen eigenen Weg dorthin schreibe ich hier im Blog.

2 Kommentare
  • Holger
    Veröffentlicht am 10:34h, 09 November Antworten

    Zur Zeit lese ich Gerald Hüther „Was wir sind und was wir sein könnten: Ein neurobiologischer Mutmacher“. Gerald Hüter ist Hirnforscher und es ist interessant wenn er schreibt das quasie alles was wir denken, als Wahrheit ansehen, oder sonstwie als festgefügt in unserem Denken ansehen nur durch Prägung entstanden ist.

    Und deshalb kann ich Manuels Aussage „Was immer du fühlst, ist Aus­druck dei­ner per­sön­li­chen Kul­tur: dei­nes Cha­rak­ters – eines über viele Jahre ein­ge­fah­re­nen Den­kens und Han­delns.“ voll unterstützen.

    Mir hilft diese Feststellung dahingehend, daß ich daraus erkenne, daß ich mein Denken und Fühlen und Handeln ändern kann. Denn wenn es einfach nur ein Prozess war der mich zu dem gemacht hat was ich din, dann kann ich den Prozess wieder aufnehmen und mich neu bestimmen und hoffentlich nie aufhören in den Prozess zu bleiben.

    Einfach ist es nicht. Prof. Hüther schreibt wir müssen es in allen drei Ebenen ändern damit es fest wird – also im Denken, Fühlen und Handeln – also machen :-)

  • Manuel Fritsch
    Veröffentlicht am 23:10h, 11 November Antworten

    Lieber Holger,

    danke für deinen Kommentar! Ja, wir wissen heute mehr über Charakter und Persönlichkeit als früher. Die starre Einteilung, wie wir sie von den Griechen übernommen haben (Phlegmatiker, Choleriker etc.), mag als Momentaufnahme taugen, sagt aber nichts über die langfristige Entwicklung aus. Der Artikel in der ZEIT, über dessen ersten Kommentar uns Ende Oktober viele gefunden haben, handelte genau davon. http://www.zeit.de/zeit-wissen/2014/06/resozialisierung-veraenderung-gewalt-verbrechen

    Alles Liebe und bis bald in Bochum,
    Manuel

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