Wie ich nur eine lieben wollte, und zu Recht gar nichts bekam

Wollen ist nicht Bekommen - Sex Liebe SelbstLiebe Move Meta

13. Juni 2016

Bitte beachte: Ältere Artikel von mir können überholt sein. 1) Bis Februar 2017 ging ich davon aus, Liebe sei ausschließlich eine Tätigkeit. Ich glaubte, nur ich selbst könne meine Liebe machen. Heute weiß ich: Liebe ist und war zugleich immer schon da, und wird immer da sein, in mir und in der Welt. 2) Bis Juni 2017 hielt ich monogame Beziehungen für überholt und Polyamorie für das überlegene Modell. Heute weiß ich: Bevor ich mit vielen Frauen tiefe Beziehungen eingehen kann, muss ich es überhaupt erstmal mit einer Frau schaffen... 3) Bis August 2017 wollte ich alles an Menschen unterschiedslos annehmen. Heute weiß ich: Nicht alles ist Licht. Tief in uns kann es auch Muster geben, mit denen wir uns und anderen schaden und die es darum auszuschalten gilt. — Manuel

Image: Untitled by ashleyrosex is licensed under CC BY-ND 2.0.

Es gibt Menschen, die sind besonders wertvoll für mich. Weil sie mir sagen, wie sie sich mit mir fühlen – ohne Deutung, bloß die Gefühle. Jenny, unsere großartige Berliner Gründerin, ist so jemand. Andere lassen mich raten oder verabschieden sich einfach aus meinem Leben, wenn ihnen was nicht passt. An Jenny hingegen kann ich wachsen. So auch mal wieder, als ich am Wochenende bei ihr war.

Jenny und ich kennen uns nun bald drei Jahre, von einer Trainerausbildung für Berufungsfindung. Von Anfang an faszinierte mich, wie sehr sie sich begeistern kann – und das auch noch für dieselben Themen wie ich: Freiheit und Weltverbesserung mit Köpfchen. Darum wollte ich sie auch seit unserer Gründung für Move Meta gewinnen. Ich blieb an ihr dran, und irgendwann kam der Tag, an dem sie mir mein Herzensthema in eigenen, leuchtenden Worten erklärte. So wurde Jenny zu unserer dritten Gruppengründerin.

Gleichzeitig wollte ich ihr von Anfang an auch gerne nahe sein. Ich hätte mich wohl kaum immer wieder bei ihr gemeldet, wenn ich mir nicht auch gewünscht hätte, mit ihr zu schlafen. Ich kenne mich einfach zu gut, um etwas anderes zu behaupten. Gemeinsame Werte, Ziele und Anliegen sind unverzichtbar für eine tiefe Beziehung – aber die Ausdauer, darin zu investieren, gibt mir für gewöhnlich die (wenn auch bloß entfernte…) Aussicht auf Sex. Es ist wie mit zwei Cupcakes: Gibt es einen mit Dekostreuseln, und einen ohne, dann will ich natürlich den bunt dekorierten. Same thing, really.

Nun weiß ich allerdings inzwischen auch, was passiert, wenn ich zu viel will: „We run from that which chases us“. Wenn ich mehr will als sie selbst, wird eine Frau das spüren – und es wird sie abstoßen. Darum hatte ich mir vorgenommen, mit ganz viel SelbstLiebe (von der ich jüngst besonders viel gespürt habe) nach Berlin zu fahren. Meine Idee war, so doll zu lieben, dass wir es dann schon beide wollen würden.

Doch Gefühle kann man nicht einpacken und mitnehmen wie eine Tüte Blumen. Als ich schließlich bei ihr war, und wir gemeinsam Bootchen auf der Spree fuhren, wollte ich Jenny ganz viel Liebe und Verbundenheit und Nähe geben – ohne sie zu betatschen, einfach nur durch Blicke und innere Haltung. Sie allerdings fühlte sich damit nicht etwa gut, sondern unter Druck gesetzt. Und, dafür bin ich ihr besonders dankbar: Sie sagte mir offen und ehrlich, wie (unwohl) sie sich gerade mit mir fühlte.

Da begriff ich, dass ich wieder einmal zu schnell gewesen war. Ich hatte ihr die Arbeit abnehmen wollen, auch ihrerseits einen liebevollen Raum zu öffnen, und einfach doppelt so viel Energie hineingepowert. Kein Wunder, dass sie sich davon überfordert fühlte! Als ob ich anderen ihre Liebe machen könnte. Außerdem hatte ich versucht, genau ihr und nur ihr meine Liebe zu schenken. Weil ich es ja schließlich genau auf sie abgesehen hatte. Zieldenken – ein klassischer Fehler, wo es um Gefühle geht. Ich wollte Jenny haben, also gab ich so viel Liebe drauf, bis es funktioniert. Dabei entsteht Liebe komplett umgekehrt!

Liebe ist ein Kind der Freiheit: Ich liebe zuerst bedingungslos – und das heißt, ich kultiviere Güte für alle und Verbundenheit mit allem, mit mir selbst und der ganzen Welt. Ich strahle von innen heraus, in alle Richtungen, und nicht bloß per Richtstrahl ins Innere eines einzigen Menschen. Und wenn ich so liebe, wenn ich nämlich selbst & bedingungslos liebe: Dann kann ich hoffen (und mehr auch nicht), dass jemand anders das zu schätzen weiß, und wir unsere SelbstLiebe miteinander vereinen. So funktioniert „Liebe“ (zu zweit): nicht als Ziel, sondern immer nur als Ergebnis. Ich muss selbst lieben, um geliebt zu werden.

Nachdem Jenny mir gezeigt hatte, wie sie sich mit mir fühlte, fuhr ich meine Energie sofort herunter. Das fühlte sich gleich besser für sie an, sagte sie mir. Und auch ich fühlte mich harmonischer, freier. So richtig loslassen von meinem Wollen konnte ich allerdings erst, als sie mir jeder Hoffnung auf Sex eine Absage erteilte. Erst da gelang es mir, meine Liebe frei zu lassen, und sie immer mehr der ganzen Welt zu widmen. Und so fühlten wir uns schließlich sehr wohl miteinander, konnten uns minutenlang in die Augen sehen und waren mühelos mit allem verbunden.

Dass andere sich mit mir wohl fühlen, und ich mich mit ihnen: Das ist ja eigentlich auch mein Ziel, seit ich das mit der Liebe angefangen habe. Bloß kann sich dieses zarte Ziel schwer behaupten, wenn ich etwas *von* jemandem will. „Liebe will niemals von, immer nur für“, steht sogar irgendwo als Zitat in unserem Blog. Und das heißt, dass ich das Wollen erstmal wirklich loslassen muss. Um vielleicht, irgendwann von irgendwem zu bekommen, was ich will. Dann, nur dann – und auch nur vielleicht.

Ja, es fällt mir immer noch schwer, das Wollen loszulassen. Aber das brauche ich auch nicht – wenn ich von vornherein an mich den Anspruch stelle, ein zutiefst liebevoller, für alle strahlender Mensch zu sein. Denn ich weiß: Dafür werden dann schon genug Frauen mit mir schlafen. Als trübes Lichtlein hingegen müsste ich weiter zwanghaft an meinem Wollen festhalten (wie früher) – und ginge ganz leer aus (dito).

Die Kunst ist al­so, gar nicht erst ins (Ha­ben-)Wol­len zu kom­men. Son­dern in der SelbstLie­be zu blei­ben – im Ge­ben. Und das ge­lingt mir auch immer besser. Weil es mir nun wich­tig ist. Und weil ich es trai­nie­re. Mit Mo­ve Me­ta.

Geht es dir wie mir? Und willst du auch ler­nen, be­din­gungs­los selbst zu lie­ben? Dann mach bei uns mit!

Manuel
m@movemeta.org

Ich bin Manuel, der Gründer von Move Meta. Seit 2013 lebe ich nach einem einzigen Satz: Ich bin gut, so wie ich bin. Heute liebe ich mein Leben. Bei Move Meta erzähle ich davon.

4 Kommentare
  • Anna
    Veröffentlicht am 20. Juni 2016 um 15:00 Uhr Antworten

    Sehr interessante und ehrliche Worte! Nachdem ich deine Texte gelesen habe, schwirren mir immer eine Menge Gedanken im Kopf herum…
    In den letzten Wochen war es um meine eigene Selbstliebe nicht so gut bestellt und dieses „Haben wollen“ auch viel zu oft in meinem Kopf.

    Während des Lesens musste ich (frag nicht wie ich darauf komme) an den Spruch „Wir alle Menschen sind Würmer, aber ich möchte wenigstens ein Glühwürmchen sein.“ denken. Vielleicht geht es wirklich nur darum: Einfach zu leuchten. Positive Energie auszustrahlen, zu lieben, glücklich zu sein – einfach weil man es kann, ohne Ziel, nur weil man ein Glühwürmchen ist.

  • Manuel Fritsch
    Veröffentlicht am 20. Juni 2016 um 15:55 Uhr Antworten

    Liebe Anna, danke für die Komplimente! Du weißt ja, wie ich mich freuen würde, wenn du dich bei uns genauso ausziehen würdest. Das hat Gründe. Dein Bild mit den Glühwürmchen, und dahinter einfach nur noch den Punkt zu setzen – da muss man schon blind und taub sein, um das Talent zu verkennen. Du könntest verdammt viel SelbstLiebe aus dem Schreiben ziehen. So wie ich. Weil ich toll bin. So wie du!

  • Lucya
    Veröffentlicht am 25. Juni 2016 um 04:14 Uhr Antworten

    Ohhhhhoooo wie gut ich das kenne und wie schwer es ist, dies offen und ehrlich und vorwurfsfrei mitzuteilen – und wie schwer es für den Mann ist, dies offenen Herzens zu empfangen und sich nicht in seinem Egodrama zu verlieren. Danke für diesen Artikel – ich werde ihn an Menschen senden wo ich das Gefühl habe sie verstehen nicht was ich ihnen mitteilen möchte :-)

    • Manuel Fritsch
      Veröffentlicht am 25. Juni 2016 um 10:14 Uhr Antworten

      Auch dir vielen lieben Dank, Lucya! Ich freue mich sehr, wenn du den Artikel weitergibst!

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