Was will ich eigentlich?

Was will ich eigentlich Wendeltreppe Move Meta SelbstLiebe

16. Februar 2017

Image: „I Used to Be Among the Crowd You’re In With“ by Thomas Hawk on flickr is licensed under CC BY-NC 2.0.

Es ist schon sonderbar. Da rückt die Erfüllung meiner größten Sehnsucht in greifbare Nähe, da freue ich mich wochenlang vor und schreibe einen ausführlichen Artikel darüber – und als ich gerade anfangen will, da hat sich alles ein Stückchen weitergedreht wie in einem Kaleidoskop, und plötzlich weiß ich gar nicht mehr, was ich eigentlich will.

Gerade, weil ich mit Liebe im Grunde alles haben kann – gerade deshalb ist es umso schwerer zu wissen, was es denn nun sein soll. Sind es Frauen? Ist es Sex? Ist es das Glück, jemanden beim Wachstum zu begleiten und seine Liebe zu spüren, wie sie immer stärker wird? Oder ist das alles vollkommen egal, weil sowieso alles eins ist, ich und die Materie und die Energie, und jegliches Ziel damit bloße Illusion?

In den letzten beiden Tagen weiß ich überhaupt nicht mehr, wozu ich noch aufstehen soll. Zugleich fällt es mir schwer, meine SelbstLiebe zu spüren. Wenn ich es konzentriert versuche, erhasche ich einen Zipfel dieses Glücks, doch sobald meine Gedanken abschweifen, falle ich zurück in eine eintönige Leere.

Vielleicht ist das alles nur eine momentane Verwirrung, die ich diesem genialen PDF zu verdanken habe. Es wurde mir von Caro zugespielt, die sich gerade ausführlich mit Ken Wilbers Integralem Modell beschäftigt. Zu wissen, dass es eine Stufe meiner Bewusstseinsentwicklung gibt, auf der ich mich nicht mehr (über-)identifiziere mit eitlen, weltlichen Zielen wie etwa Intimität mit Frauen oder einer liebevollen Weltrevolution – und auf der ich auch nicht mehr leiden muss, weil ich noch immer nicht sämtliche Ziele erreicht habe: Das ist natürlich eine Herausforderung, diese Stufe jetzt schon erreicht haben zu wollen.

Wobei eben dieses Vergleichen mit einem Ideal, dieses Streben nach Höherem vermutlich darauf hindeutet, dass ich noch nicht so weit bin. Während diese Einsicht darüber anzeigen könnte, dass es womöglich doch bald so sein könnte. Und mein Versuch, das alles gegeneinander abzuwägen und die Sache mit dem Verstand zu erledigen, wiederum seinerseits eher auf das Gegenteil hinweist. Und so weiter.

Vielleicht ist meine Ernüchterung aber auch meine gerechte Strafe dafür, dass ich versucht habe, meine Leser bei ihrer vermeintlichen Sehnsucht nach Geliebtwerden zu packen. „Einen Erleuchteten erkennt man daran, dass er andere wie Erleuchtete behandelt“: Diesen weisen Satz verdanke ich unserem ehemaligen Dortmunder Gründer. Womöglich hat er sich deshalb zurückgezogen, weil ich meine Leser bisher wie egozentrische Kleinkinder behandelt habe, um ihnen mit weltlichen Verheißungen (Träume, Wünsche, Sehnsüchte) eine Brücke zur Spiritualität zu bauen. Bin ich auf meine eigenen Tricks hereingefallen?

Es war nun einmal so: Nur der Frauen wegen habe ich damals mit dem Lieben angefangen. Wenn meine größte Sehnsucht mich dazu bringen konnte, kann sie andere doch auch dazu bringen, dachte ich mir. Doch an meinem „Ziel“ angekommen stellt sich heraus, dass der Himmel womöglich doch nicht darin besteht, so viele Frauen lieben zu können (und von ihnen geliebt zu werden), wie ich nur will. Zumal das alles recht anstrengend ist, wenn man es aufrichtig angeht, und das möchte ich ja auch. Anders, als mir manche(r) unterstellt, geht und ging es mir nie bloß um Sex, sondern um innere *und* äußere Verbundenheit. Diese Art von Beziehung, eine echte Liebesbeziehung kostet Kraft und Zeit, und auch ich habe nur 24 Stunden am Tag. Obendrein brauche ich viel Zeit für mich alleine, mehr als die meisten anderen.

Was also will ich? Frauen, oder Eins-Sein, oder beides, oder nichts, oder werde ich den Rest meines Lebens darüber meditieren müssen? Alleine auf einem Berg zu hocken, fände ich schon ziemlich langweilig. Und was ist aus meinem Wunsch geworden, das Glück meiner SelbstLiebe weiterzugeben? Der ist im Moment auch kaum noch zu spüren. Macht spirituelle Erkenntnis am Ende fatalistisch, indem mir das Schicksal der Welt gleich ist, da – wie erwähnt – sowieso alles eins ist, und damit alles egal? Äußerst rätselhaft.

Zumindest hat es mir heute sehr geholfen, an Caro zu denken und ihr daraufhin spontan einen Liebesbrief zu schreiben. Beim ersten Gedanken an ihre Liebe war ich von der meinen erfüllt. Bedeutet das nun a), dass es mit meiner SelbstLiebe nicht allzu weit her ist, weil ich sie nicht vollkommen aus mir selbst heraus erwecken konnte, ohne die Empfindung und Erinnerung des Geliebtwerdens? Oder bedeutet es b), dass ich als Mensch schlicht immer ein Gegenüber brauche, dem ich meine Liebe hingeben und an dessen Liebe sich die meine wieder neu entzünden kann? Weil ich kein Gott bin, der Liebe aus sich selbst heraus erzeugen könnte, und der sich in Liebe selbst genug wäre? Wobei wir ja bekanntlich alle Teil des Göttlichen sind, des All-Seienden. Zwischen mir und Gott zu unterscheiden, wäre also auch wieder falsch. (Wobei es nach paradoxer Logik zugleich auch richtig sein kann.)

Ach ja. Wer mir jetzt riete, endlich einen anständigen Beruf zu suchen, den könnte ich gut verstehen.

Manuel
m@movemeta.org

Ich bin Manuel, der Gründer von Move Meta. Seit 2013 lebe ich nach einem einzigen Satz: Ich bin gut, so wie ich bin. Heute liebe ich mein Leben. Bei Move Meta erzähle ich davon.

11 Kommentare
  • Felix
    Veröffentlicht am 20. Februar 2017 um 18:39 Uhr Antworten

    Lieber Manuel!

    Ich rate dir nichts (auch nicht: einen anständigen Beruf zu suchen :) ). Ich kann dir gar nichts raten. Alles ist gut so, wie es ist. Du bist gut, so wie du bist.

    Ich bin glücklich, dass es dich gibt, denn du öffnest mir Räume. Du eröffnest mir den Raum, mich zu erleben als unbedingt Liebenden, durch Move Meta. Den Raum, in dem ich anderen erstmals in dieser Schwingung begegne, mich öffne. Das ist dein Beitrag, der das Leben für mich wunderbarer macht.

    Ich finde deinen Artikel übrigens hochspannend :)

    • Manuel Fritsch
      Veröffentlicht am 21. Februar 2017 um 14:03 Uhr Antworten

      Lieber Felix,

      vielen lieben Dank für deine Worte und deine Freude über meine Arbeit! Es bedeutet mir viel, dass dir Move Meta so viel bedeutet. Als du mir diesen Kommentar geschrieben hast, war ich gerade im Bochumer Hauptbahnhof und habe Free Hugs gegeben. Da habe ich das auch gespürt und vor allem auf unserem Treffen danach bei mir und heute Morgen, als auch mein Gast aus Osnabrück mir das gesagt hat.

      Ihr alle macht mein Leben reicher mit eurer Begeisterung für unsere gemeinsame Idee. Danke!

  • Caro
    Veröffentlicht am 20. Februar 2017 um 22:00 Uhr Antworten

    Lieber Manuel,

    ich bin dankbar für deine aufrichtigen Worte. Danke, dass du uns teilhaben lässt an deinen Gefühlen und Gedanken. Ich weiß, dass du (früher) befürchtet hast, du könntest Menschen mit Selbstzweifeln und Unsicherheit nicht inspirieren. Daher freue ich mich besonders über deinen Mut, auch diesen Teil von dir zu zeigen. Ich kenne es selbst aus letzter Zeit sehr gut, nicht zu wissen, was ich eigentlich will – was ich bewirken will in der Welt, was meine Werte sind und was ich bereit bin zu tun, um mich für diese einzusetzen. Und ich habe oft Angst zuzugeben, dass ich nicht weiß, was ich will, weil ich denke, ich sollte es wissen. Außerdem befürchte ich, Menschen damit einzuladen, mir zu sagen, was ich tun soll. Und das will ich ja gar nicht. Ich möchte es selbst herausfinden.

    Daher wünsche ich dir viel Stärke, Energie und Geduld dabei, zu finden, was dich erfüllt und glücklich macht. Und wenn du Gesellschaft brauchst beim Meditieren auf dem Berg, komme ich gern vorbei. ;-)

    Alles Liebe
    Deine Caro

    • Manuel Fritsch
      Veröffentlicht am 21. Februar 2017 um 14:12 Uhr Antworten

      Meine geliebte Caro,

      ich bin so dankbar, dass ich mit dir all das erleben und herausfinden darf. Sogar, dass ich so lange auf Frauen wie dich projiziert habe, was ich doch nur in mir selbst finden kann. Und dass du dann immer für mich da bist und dich mit mir freust, wenn ich wieder gewachsen bin.

      Ich spüre meine Liebe zu dir.
      Dein Manuel

  • ruhrreisen
    Veröffentlicht am 25. Februar 2017 um 17:11 Uhr Antworten

    Deine Ansätze, so wie ich das hier querlese, sind ja nicht neu. In den 70ern hieß es: „make love, not war“ und es war ein kurzer rausch, der seine generation – die heutigen „babyboomer“ – immer noch sehnsuchtvoll seufzen lässt. viele von ihnen haben sich das reisen durch die welt erhalten als kleine fluchten; diejenigen, die partnerschaften pflegen, träumen immer noch davon, mit vielen gemeinsam alt zu werden. die wenigsten realisieren es, weil es zu bequem ist, solange der partner an der seite mit ihnen lebt. und: die menschen sind nicht fürs allein sein gemacht. sie müssen sich im anderen spiegeln, um sich real zu spüren. das kann ich dir sagen. ich lebe schon sehr lange allein, bevor ich sehr lange seriell monogam lebte. es hört nicht auf – es wird eher anstrengender, weil die „guten“ seltener sind als die „bösen“ und so das offen bleiben und finden mühseliger wird. das private ist immer politisch. max uthoff sagt, die gesellschaft hat es geschafft, dass die langzeitarbeitlosen heute glauben, sie seien selbst schuld an dem elend. das ist so gewollt und gesteuert. von daher ist es gut, wenn du damit so positiv umgehst und erlebbar machst: es ist alles eine frage des blickwinkels. da solltest du dran bleiben.

    • Manuel Fritsch
      Veröffentlicht am 25. Februar 2017 um 17:41 Uhr Antworten

      Liebe/r Kommentator/in,
      danke für deine Perspektive. Du hast geschrieben, es werde mit der Zeit immer anstrengender, jemanden für die Zweisamkeit zu finden, weil die „Guten“ seltener sind als die „Bösen“. Mich würde interessieren, ob du das als Nullsummenspiel begreifst (die Zahl der „Guten“ ist fix; du suchst lediglich aus; was einer gewinnt, verliert der andere) oder ob du, über eine Suche hinaus, selbst aktiv Gutes in anderen sehen willst, also das Gute in der Welt mehrst? Ich habe gelernt, dass ich selbst nur als einer von den Guten wahrgenommen werde, wenn ich das Gute in anderen sehen und mich daran erfreuen kann. Idealerweise, ohne etwas dafür zu erwarten.
      Alles Liebe
      Manuel

  • Judith
    Veröffentlicht am 26. Februar 2017 um 08:51 Uhr Antworten

    Lieber Manuel

    wir kennen uns noch nicht.

    Ich möchte Dir sagen, Du bist nicht allein und Dir eine Umarmung schicken.

    Danke für Deine Offenheit. Es braucht Größe, sich verletzlich zu zeigen und Vertrauen in die anderen, dass sie diese nicht ausnutzen.

    Ich kenne diese dunklen Momente selbst sehr gut und habe für mich festgestellt, dass ich ein Gegenüber brauche. Nicht immer präsent, nicht als Lebenssinn, aber um mich zu spiegeln und mir zu helfen – ebenso, wie ich den anderen spiegeln und ihm helfen kann.

    Ich wünsche Dir viel Energie, Leichtigkeit und Freude …

    Von Herzen
    Judith

    • Manuel Fritsch
      Veröffentlicht am 27. Februar 2017 um 19:50 Uhr Antworten

      Liebe Judith,

      meinen herzlichen Dank für deine Umarmung und deine Begleitung! Ja, ohne ein Gegenüber, ohne zumindest die Chance, sich über diese Momente zu verbinden und vielleicht sogar eine Lösung zu finden, wäre ich immer noch ganz tief in der Krise. So aber bin ich bereits auf dem Weg heraus. Das ist der wahre Wert von Move Meta, unserer Gemeinschaft von Reisenden auf dem Weg zu sich selbst, der ich schon zahlreiche Inspirationen verdanke!

      Alles Liebe dir
      Manuel

  • ruhrreisen
    Veröffentlicht am 26. Februar 2017 um 16:14 Uhr Antworten

    nein. damit hat das gar nichts zu tun. meine erfahrung als frau ist, dass es – leider :) mehrzählig die frauen sind, die sich ab der mitte des lebens immer noch weiter entwickeln, inspirierend, spannend und beweglich bleiben. davon lerne ich immer wieder neue kennen und bin fasziniert, die wenigsten allerdings leben nicht in einer partnerschaft und haben so ein ganz anderes leben. es ist für mich also aus der erkenntnis geboren, lieber zeit mit ihnen oder mit mir allein zu verbringen. manchmal finde ich das schade und ab und an macht es einsam. eine möglichkeit wäre, sich auch mehr mit jüngeren menschen zusammenzutun ;), damit die ideen gegenseitig nicht ausgehen. was wirklich gut tut und befreiend ist: zu wissen, dass es sinnlos ist, sich mit jemandem zusammenzutun, nur um nicht allein zu sein. es also nicht wirklich um den einen oder die andere geht. nähe entsteht nur noch ausschließlich über kopf, herz und ausstrahlung, bevor sie erotisch werden kann. das ist sehr befreiend – alles andere ist ja schon ausprobiert… dennoch bleiben viele paare bis ins hohe alter nur deshalb zusammen, weil sie angst vor der leere haben. ich nicht. das heisst nicht, dass es leicht ist.

  • Mariposa
    Veröffentlicht am 26. Februar 2017 um 21:11 Uhr Antworten

    Im Hier & Jetzt ist Alles & Alles ist Liebe Alles.
    Wahre Liebe übt man nicht…Wahre Liebe IST einfach…sie IST…
    Die LIEBE, der energetische Fluss – entsprungen aus der Quelle allen Seins…durchdringt alles…jede Pore, jedes kleinste Atom, alles SEIN…
    Raus aus dem Kopf & zurück ins Herz…Öffne Dich & sei einfach sei…sei in jedem Augenblick die Wahrhaftigkeit dessen was Du bist…
    Die kosmische goldene Welle der Liebe…sie hat unseren Planeten erreicht…
    Alles wird nun ins Licht getunkt…die Gnade der Läuterung…
    Das kann manchmal schmerzhaft sein…doch sei Dir gewiss…ja wisse, das geht vorbei…
    & erstrahlen wirst Du vor einem neuen Horizont in einem neuen lichten Kleid… Dann wirst Du sie wahrhaftig erfahren…die Wahre Liebe…so stark & so warm…EINS wirst Du dich fühlen mit Allem was IST…& wachsen werden sie Dir wieder…die ENGELsflügel…denn das ist es, was WIR sind, was Du bist…
    Freue Dich, freue Dich, freue Dich…der Himmel…er hat Dich (wach) geküsst…
    In Liebe & Licht…

    • Manuel Fritsch
      Veröffentlicht am 27. Februar 2017 um 19:44 Uhr Antworten

      Liebe Mariposa,
      ich verstehe dich und begreife nunmehr, dass du vollkommen Recht hast. Ich konnte das früher nicht annehmen und habe es als Unsinn abgetan, was du schreibst (viele andere haben ähnliche Worte dafür gefunden). Mein altes Denken findet es auch immer noch absurd, aber das ist mir egal :) Mein neues Denken ist bereit für die Wahrheit. Liebe ist überall… und darum muss ich sie nicht erst erzeugen. Das tut so gut!
      Alles Liebe
      Manuel

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