War­um ich es lie­be, mit Mo­ve Me­ta Liebe in die Welt zu bringen

Move Meta Moderation Moderator Moderieren SelbstLiebe Liebe Güte Raum Du bist gut so wie du bist OK Ich bin gut so wie ich bin

28. Oktober 2016

Bitte beachte: Ältere Artikel von mir können überholt sein. 1) Bis Februar 2017 ging ich davon aus, Liebe sei ausschließlich eine Tätigkeit. Ich glaubte, nur ich selbst könne meine Liebe machen. Heute weiß ich: Liebe ist und war zugleich immer schon da, und wird immer da sein, in mir und in der Welt. 2) Bis Juni 2017 hielt ich monogame Beziehungen für überholt und Polyamorie für das überlegene Modell. Heute weiß ich: Bevor ich mit vielen Frauen tiefe Beziehungen eingehen kann, muss ich es überhaupt erstmal mit einer Frau schaffen... 3) Bis August 2017 wollte ich alles an Menschen unterschiedslos annehmen. Heute weiß ich: Nicht alles ist Licht. Tief in uns kann es auch Muster geben, mit denen wir uns und anderen schaden und die es darum auszuschalten gilt. — Manuel

Zu wissen, dass ich das Leben eines Menschen für immer ändern kann. Einfach, indem ich ihm diese Erfahrung ermögliche. Das ist größer als alles, was ich jemals vorher gemacht habe.

Montagabend, 18 Uhr. Ich stehe im Hauptbahnhof, wie jeden zweiten Montag. Es ist Feierabendverkehr. Auch wenn die Autobahnen im Ruhrgebiet es nicht vermuten lassen: Manche fahren noch mit der Bahn. Sie laufen an mir vorbei, stoßweise, immer wenn ein Zug gehalten hat. Erst die Sprinter, die noch ihre Straßenbahn erwischen wollen; dann ein ganzer Schwung braver Werktätiger, oder seien es Studenten; schließlich die Nachzügler mit Rad, Rollkoffer und IKEA-Regal.

Die meisten marschieren geradewegs an mir vorbei. Das ist okay, ich stehe ihnen nicht im Weg. Wer will, soll sein Ziel ungehindert erreichen. Zeit ist Geld. Gleichwohl stehe ich auch nicht am Rand. Wer will, soll mich sehen, sich verbinden können. Dafür bin ich schließlich hier. Ich habe etwas mitgebracht, was eigentlich gar nicht hierhergehört – und darum umso mehr.

Allen, die vorbeiziehen, versuche ich ein Lächeln mitzugeben. Manchmal kommen so viele, dass ich kaum jeden einzeln ansehen kann; dann bin ich äußerst konzentriert und sende mit doppelter Power. Was ich ausstrahle, geht meist ins Leere, weil die Empfänger mich gar nicht wahrnehmen. Einige aber schauen zurück. Manche lächeln sogar. Und ein paar davon laufen auf mich zu, sobald sie mein Schild sehen.

„Gratis Umarmung“ steht auf der einen Seite, „Free Hugs“ auf der anderen. Ich halte es so, dass Leute von vorne und hinten es sehen können. Schließlich kommt nicht jeder gerade nach Hause, mancher reist ja auch ab. So stehe ich dort mit meinem Angebot, zwischen Max Maulwurf und Frozen Yoghurt. Ungefähr jeder Fünfzigste nimmt es an. Jeden Einzelnen berühre ich damit. Sofern er mich bemerkt, natürlich.

Ich trainiere meine Liebe

Seit Dezember 2014 sind Free Hugs fester Bestandteil und Ouvertüre von Move Meta Bochum. „Du bist gut, so wie du bist“: Das ist die Idee, die ich unters Volk bringen will – um sie dadurch selbst zu spüren. Das ist das Wichtigste! Damit das gelingt, muss meine Botschaft vollkommen aufrichtig sein. Nur, wenn ich es wirklich meine, spüre und strahle ich aus, was die Umarmung bloß besiegeln soll. Das Wesentliche passiert in mir selbst: Ich nehme innere Haltung ein. Eine Haltung der Güte, der bedingungslosen Liebe, und das heißt nun mal: Der Liebe zu allen. Nicht nur zu den Hübschen, sondern zu jedem Einzelnen.

Im Bahnhof gelingt mir dieses Training besonders gut. Jeder Pendler ist eine neue Chance, eine neue Projektionsfläche: ein weiteres kleines Kind hinter der Erwachsenenmaske, für das ich leichter bedingungslose Liebe empfinden kann. Indem ich Menschen so betrachte, aktiviere ich einen inneren Muskel, den ich alleine zu Hause viel schwerer in Gang bringe. Diesen inneren Muskel brauche ich dann nur noch in Aktion zu halten. So kommt mein Inneres in Schwung und ich überstrahle alles, was Menschen mir entgegensenden. Meine Liebe ist stärker als Angst, Misstrauen und Bitterkeit. Je weniger zurückkommt, umso mehr kann ich sogar oft noch geben, denn umso deutlicher ist mir: Ich werde als Vorbild gebraucht.

Ich schenke im Hauptbahnhof Liebe. Das tue ich zuallererst für mich selbst. Ich beweise mir damit, dass ich Liebe bin und geben kann. Ich trainiere mein Herz – auch wenn das kitschig klingt. Ich habe gelernt: Will ich Liebe haben, muss ich Liebe geben. Will ich also selber spüren: „Ich bin gut, so wie ich bin“, muss ich anderen schenken: „Du bist gut, so wie du bist“. Regelmäßig, mit ganzem Herzen, so stark ich kann.

Ich bringe Liebe in die Welt

Mit meinem Schild in der Hand bin ich niemals einsam. In den letzten zwei Jahren haben viele Menschen mit mir kostenlose Umarmungen gegeben, geplant und spontan, oft zum allerersten Mal. Jedes Mal war es eine Freude, dieses Erlebnis teilen und erklären zu dürfen, wie mir das Umarmen am besten gelingt. Mein Geheimnis ist, in jede Umarmung so viel hineinzulegen wie ich kann – und fortwährend Güte auszuteilen, ohne eine Sekunde darauf zu warten, dass andere *mich* umarmen. Manche haben sich damit erstmal schwer getan. Andere haben vom Start weg den halben Bahnhof umschlungen, freudig grinsend.

Free Hugs sind für mich der perfekte Start in ein Treffen von Move Meta, weil sie unsere Idee in eine einzige Geste zusammenfassen. Damit diese Geste gelingt, brauchen viele erstmal Zeit zum Aufwärmen. Das darf auch so sein. Um Liebe zu geben, muss ich diese Liebe ja erstmal in mir selbst finden; das ist Teil der Übung. Free Hugs fordern mich heraus, mein „Du bist gut, so wie du bist“ von Herzen kommen zu lassen. Das ist ungewohnt, wenn man sonst nie herzlich ist. Dennoch kann jeder liebevoll sein, der es wirklich will.

Was dafür zurückkommt, kann ich mit Worten kaum beschreiben. Immer wieder kommen Menschen auf mich zu, in deren Augen ich lese: „So lange schon bin ich alleine, und keiner sieht mich. Danke, dass ihr da seid!“ Ganz verschiedene Leute sind das, die wir so berühren. Es gibt viele, die keiner jemals wirklich sieht: denen nie jemand in die Augen schaut, oder ihnen gar ein Lächeln zeigt. Diese Menschen zeigen mir, wie wertvoll es ist, endlich wahrgenommen, angenommen zu werden. Dazuzugehören, für einen Moment.

In diesen Momenten spüre ich ganz deutlich, wie wertvoll meine Gabe ist. Was ich tue, ist mit Geld nicht zu bezahlen. Auch wenn es manche versuchen und nicht fassen können, dass ich nichts dafür haben will. Ich helfe Menschen, den Glauben an das Leben, das Glück, den Sinn, die Liebe zurückzugewinnen. Wenn ich daran denke, dass ich beinahe dem Geld mein Leben geopfert hätte, bin ich immer wieder heilfroh!

Ich öffne Liebe einen Raum

Free Hugs sind unser Aufwärmtraining für das, was danach kommt: Deep Talk. Gegen sieben, manchmal auch halb acht machen wir uns dafür auf den Weg zu mir. Als ich 2012 nach Bochum zog, ahnte ich nicht, wie gut ich meine Wohnung gewählt hatte. Die City ist nah, und doch ist es ruhig, ruhiger als in jedem Café – perfekt für unsere gemeinsame Runde. In meinem Wohnzimmer war bisher immer genug Platz für alle. Hier übernachten später dann auch Gäste von weiter weg, die meine Gruppe erleben wollen.

Erst machen wir es uns auf Sofa, Sesseln und Hängematte bequem, jeder bekommt etwas zu trinken. Dann beginnen wir mit fünf Minuten Stille. Diese kurze Meditation ist wie eine Erdung nach den vielen schnellen Kontakten im Hauptbahnhof. Auch mir hilft das, richtig anzukommen. Vor unserer Vorstellungsrunde mache ich dann noch meine Anmoderation. Darin erkläre ich, worum es bei uns geht: Wir begreifen Liebe als Tätigkeit und trainieren sie aktiv, anhand unserer Drei Prinzipien. Das heißt 1., jeden Menschen bedingungslos anzunehmen, und mich selbst auch; 2. eine innere Haltung der Güte zu üben; sowie 3. nur von mir selbst zu sprechen, in der Ich-Form, ohne „du“, „man“, Ratschläge und Urteile. (In diesem Artikel schreibe ich mehr dazu: Meine Zutaten für sanfte Moderation und wundervolle Begegnungen)

Es mag einfach klingen, sich an diese Prinzipien zu halten. Tatsächlich ist das bei weitem genug für einen Abend. Für meine Moderation brauche ich meist kein weiteres Werkzeug. Wir sind es so gewohnt, im Alltag lieblos miteinander umzugehen, dass es Kraft kostet, unsere lan­ge ein­ge­üb­ten Rol­len und Reflexe abzulegen. Es sind nun mal die wenigsten heute schon sanfte, gefühlvolle, empathische, herzenswarme Wesen. Die meisten Menschen sterben letztlich an Herzversagen. Unsere Prinzipien helfen denen, die ihr Leben aufrichtig lieben wollen, so schnell wie möglich ihren qualvollen, oft lebenslangen Kampf aufzugeben.

Meine Aufgabe als Moderator ist, der Liebe und Güte in uns allen einen starken äußeren Rahmen zu geben. Dafür mache ich unsere Prinzipien vor, lasse sie spüren und nenne sie immer wieder beim Namen. So lernen wir gemeinsam, uns an diese absoluten Grundlagen eines liebevollen Miteinanders zu halten. Ich als Moderator trage die letzte Verantwortung für unseren gemeinsamen Abend; ich bin da, wenn meine Mitmacher nicht weiter wissen. Gerade deshalb moderiert sich unsere Runde die meiste Zeit selbst.

In diesem Raum, den wir alle gemeinsam erschaffen, darf ich dann erleben, wie Menschen ihre Maske ablegen und aufblühen. Viele nehmen reichlich Inspiration mit nach Hause; manche schreiben mir später, was sie daraus gemacht haben. Gleichsam erlebe ich natürlich auch, wie Menschen Rückschritte machen. Vor allem, wenn sie meinen, sie hätten das alles schon verstanden und bräuchten keine Liebe mehr zu üben. Darin täuschen sich leider viele. Dafür bekommen alle, die es mit ihrer Liebe ernst meinen, bei uns umso mehr Raum für ihre Entwicklung.

So bleiben in meiner Gruppe auf Dauer immer die tiefgründigsten, engagiertesten Mitmacher übrig. Sie begleiten und inspirieren zu dürfen, ist mir eine große Ehre. Diese Menschen finden bei uns tiefe Freundschaften und erfüllende Beziehungen (öfter, als wir mitzählen könnten), ein eng verwobenes Netzwerk, in der Liebe Erfüllung und einen Sinn für ihr Leben sowie im schönsten Fall eine Berufung darin, weiterzugeben, was sie selbst bei uns gefunden haben – etwa mit einer eigenen Gruppe in ihrer Stadt.

Ich finde Liebe in anderen

Jeder Mensch ist Liebe. Die Kunst liegt darin, diese Liebe zu sehen und sichtbar zu machen. Erst dann kann ich persönlich sie auch spüren. Bei Move Meta machen wir das besonders einfach: Indem jeder selber liebt, erfahren wir, dass wir tatsächlich selber Liebe sind. Nirgendwo anders kenne ich solche Räume. (Schon gar nicht, wo man „Energieausgleich“ erwartet, Spenden erbettelt oder gleich Eintritt und Bezahlung verlangt, anstatt reinen Herzens zu schenken, was nur geschenkt werden kann. Solche „Liebescoaches“ verstehen von Liebe weit weniger als von Macht & Geld, und leben Trennung vor statt Eins-Sein.)

Bei Move Meta ist jeder willkommen, bedingungslos und unentgeltlich. Wir sehen ineinander – und erfahren darum auch –, was oft nicht einmal engste Freunde und die eigene Familie in uns sehen. Je weniger wir sind, umso besser klappt das sogar. Gerade zu zweit oder zu dritt erlebe ich immer wieder, wie wertvoll ungeteilte Aufmerksamkeit ist und welche Kraft mein Glaube an das Gute in anderen entfalten kann.

So hilft mir meine Gruppe dabei, meinen eigenen Ansprüchen an mich selbst gerecht zu werden. Es kann nämlich sehr schnell gehen, all das mit der Liebe zu vergessen und wieder so achtlos durchs Leben zu gehen wie früher. Ich habe das oft erlebt. Es ist wie ein Sog, als ob mein Unterbewusstes mir immer wieder beweisen wollte: Das stimmt doch alles gar nicht, in Wahrheit bist du doch ein schlechter Mensch. Mit Move Meta aber trete ich alle zwei Wochen den Beweis an: Ich bin Liebe. Ich begegne den unterschiedlichsten, außergewöhnlichsten Menschen, und das fordert mich und mein Herz immer wieder aufs Neue heraus.

Ich feiere meine Liebe

Spätestens hier sollte es wirklich allen klar sein: Move Meta, das mache ich für andere wie für mich selbst. Vor einiger Zeit ist mir bewusst geworden, dass ich heute erschaffe, was ich mir als Kind erträumt habe: Einen Ort, wo ich sein kann, wie ich bin und zu meinen Bedürfnissen stehen darf.

Heißt für mich: Ich will sagen dürfen, wenn ich jemanden mag und wissen, wenn es umgekehrt genauso ist. Ich will eine Frau ansehen und küssen können, wenn ich spüre, dass das für uns beide richtig ist. Ich habe keine Lust auf Spielchen. Es macht mich traurig, von nahezu allen Frauen meines Alters eine kalte Maske gezeigt zu bekommen, um mich als Mann (=chronisch bedürftigen, latenten Vergewaltiger) abzuschrecken. Wir enthalten einander genau die Wärme und Herzlichkeit vor, die wir so verzweifelt suchen. Männer wie Frauen ziehen sich in ihre Ecke zurück, weil die anderen „nur Beziehungen“ bzw. „nur Sex“ wollen. Dabei sehnen sich alle nach exakt demselben: Ineinandereintauchen, Verbundenheit, Eins-Sein.

Move Meta ist ultimativ mein persönliches Programm, um die faszinierendsten Frauen für mich zu finden. Die wundervolle Caro ist mein liebstes Beispiel, und das lieblichste. Früher habe ich davon geträumt, dass die Mädchen bei mir klingeln, um sich vorzustellen. Heute tun sie es wirklich. Heute schaffe ich selber den Raum, wo meine Traummenschen sich zu Hause fühlen. Und ich brauche vor niemandem zu verstecken, was mich antreibt! Bei uns steht tatsächlich drauf, was drin ist. Ehrlich währt am längsten, weiß ich heute.

Ich liebe mein Leben mit Move Meta!

Move Meta Bochum zu gründen war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. 2011 hatte ich bereits beschlossen, das mit der Liebe ein- für allemal in den Griff zu bekommen. Seit 2014 fordert die Verantwortung für meine Gruppe mich nun heraus, kontinuierlich und bedingungslos zu meiner SelbstLiebe zu stehen. Ich bin da, jeden zweiten Montag, bei jedem Wetter und egal, wer außer mir noch kommt.

Ich ziehe das durch, für mich. Außerdem ist die Sache viel zu wichtig, als dass ich das von anderen abhängig machen würde! Ich sehe, wie Menschen wachsen und sich entfalten, und wie ich über meine Mitmacher sogar deren Freunde, Familie und Bekannte anstecke. Früher war ich ohnmächtig, heute bin ich wirkmächtig – was ich tue, ändert die ganze Welt. Darum liebe ich es, Moderator bei Move Meta zu sein.

Manuel
m@movemeta.org

Ich bin Manuel, der Gründer von Move Meta. Seit 2013 lebe ich nach einem einzigen Satz: Ich bin gut, so wie ich bin. Heute liebe ich mein Leben. Bei Move Meta erzähle ich davon.

1 Kommentar
  • Connie
    Veröffentlicht am 06. November 2016 um 10:52 Uhr Antworten

    Wow! Ein kraftvoller Artikel. Danke!

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