War all meine Liebe nur eine Lüge?

Liebe Lüge Move Meta SelbstLiebe

20. Februar 2017

Image: „Despair“ by Kirsi Karppinen on flickr is licensed under CC BY-NC-ND 2.0.

Bei „Men in Black“ gibt es diese Szene, wo ein kleiner, hässlicher Außerirdischer im Kopf eines scheinbar menschlichen Körpers sitzt, vor sich eine Reihe von Hebeln.

So fühle ich mich derzeit. Als wäre all meine SelbstLiebe, die ich in den letzten sechs Jahren erkundet und geübt habe, nur eine lächerliche Hülle. Als ich damals zu lieben begann, hoffte ich, eines Tages so gut lieben zu können, dass ich jeden Menschen (und vor allem jede Frau) für mich gewinnen kann. Bis zuletzt trieb mich diese Verheißung an. Doch in der letzten Woche habe ich begriffen, dass das überhaupt nichts wert ist. Ich kann zwar andere mit aktiver Liebe so tief beeindrucken (…manipulieren), dass ich sie für mich gewinne. Es funktioniert tatsächlich. Aber damit bekomme ich nicht, wonach mein Herz sich sehnt. Jetzt, wo ich mit Liebe (?) alles haben kann, spüre ich deutlich, dass nichts davon mir Hoffnung gibt.

Seitdem ich das erkannt habe, ist jeder Morgen ein einziger Schmerz. Aus meinem Studium kenne ich das noch sehr gut. Meine „Morgendepression“ war mir so selbstverständlich, dass ich ganz verwundert war, als ich erfuhr, dass andere sie nicht kennen. Auch in den letzten Jahren verschwand der Schmerz immer nur phasenweise, um bald darauf in anderer Gestalt wieder aufzutauchen. Meistens als „Morgenallergie“ mit Niesen und Naselaufen, wie ich sie aus dem Studium ebenfalls kenne (damals war es besonders schlimm – mein Arzt diagnostizierte eine Schimmelallergie und verschrieb mir eine teure Therapie).

Ich hatte gehofft, die Leere in mir selbst würde endlich zur Fülle, wenn ich erst tief genug in meiner Liebe bin. Doch davon scheine ich weit entfernt. Dieser Tage ist mein Schmerz so klar und deutlich wie nie zuvor. Mein Körper versteckt ihn nicht mehr hinter irgendwelchen anderen Symptomen. Mein Bauch tut einfach nur weh, und meine Seele schreit, als ginge sie durch ein Fegefeuer.

Gleichwohl will ich mich auch nicht mehr betäuben mit immer neuen Zielen und blindem Schaffen. Ich glaube, das habe ich in den letzten Jahren gemacht. Auf Frauen als ferne Verheißung habe ich mein Glück projiziert, um vor dem Loch in mir selbst davonzulaufen. Habe ich Move Meta womöglich nur gebaut, um den Schmerz in mir selbst nicht zu spüren, weil ich einem großen Ziel hinterherlaufen kann, der Vision einer liebevollen Welt? Diente meine Berufung nur dazu, mich ein bisschen gut zu fühlen für kleine Erfolge (neue Artikel, Newsletter, Gruppen…), anstatt herauszufinden, wie ich tief in mir glücklich werde? War meine Vision eine Illusion, und meine Mission ein Ablenkungsprogramm?

Sechs Jahre Liebesübung, und trotzdem fühle ich mich unfähig, mir selber nach dem Aufwachen Güte zu schenken. Ich versuche, meinen Schmerz anzunehmen, doch davon will er nicht weichen. Ich frage mich: Wann hört das endlich auf? Wann ist meine Liebe endlich stark genug? Wann bin ich endlich zutiefst glücklich, und wache morgens auch glücklich auf? Oder bin ich mit meinem Schmerz für immer alleine? Wer sagt mir, dass ich mir nicht bloß eine neue Hülle bastele, wenn ich wieder zu lieben anfange? Ist meine Liebe echt, auch wenn sie aus der Not geboren ist, oder wird sie dadurch immer eine Lüge bleiben? …

Manuel
m@movemeta.org

Ich bin Manuel, der Gründer von Move Meta. Seit 2013 lebe ich nach einem einzigen Satz: Ich bin gut, so wie ich bin. Heute liebe ich mein Leben. Bei Move Meta erzähle ich davon.

13 Kommentare
  • Elisabeth
    Veröffentlicht am 23. Februar 2017 um 15:42 Uhr Antworten

    Lieber Manuel,
    das ist sehr offen und mutig geschrieben.
    Ich beschäftige mich seit gut 20 Jahren mit Selbstliebe, mit der Arbeit an mir, versuche alte Muster wegzubringen, Wunden aus der Kindheit zu heilen und doch holen sie mich manchmal noch immer ein – die Zweifel, die Ängste, die Unsicherheiten, die Schuldgefühle.
    Aber ich bin ein großes Stück gewachsen, gelassener und mit meinem Leben zufrieden und dankbar dafür. Ich sehe nicht mehr das, was ich nicht habe, sondern bin dankbar für all das was ich habe. Ist es ein Spaziergang in der Natur, ein gemütlicher Kaffee im Kaffeehaus, einem Menschen ein Lächeln schenken, es gibt so vieles was nichts kostet, aber kostbar ist.
    Mein Thema ist zur Zeit auch die Liebe, nicht nur zu mir selbst, sondern auch ECHTE Partnerschaftsliebe.
    Es ist eine große Herausforderung, aber es lohnt sich. Ach ja und das WICHTIGSTE für mich ist VERTRAUEN.
    Vertrauen in das Leben, dass es doch aller Lernaufgaben für mich sorgt, dass ich geschützt und geborgen bin.
    Und so versuche ich am Abend vor dem Einschlafen noch mal kurz den Tag zu überdenken, danke zu sagen, dass ich ihn gemeistert habe, auch wenn er mal weniger gut war. Wenn ich es schaffe wirklich zu vertrauen, dann komme ich wieder in die Leichtigkeit, in die Lebensfreude und Kraft. Es ist für mich soooo wichtig!!
    Seit einigen Wochen arbeite ich am Vertrauen und es geht mir mit jedem Tag besser. Weil ich es spüren kann und das ist auch so wichtig, dieses Gefühl – ich bin immer beschützt und geführt, ich muss es spüren können, dann wirkt es. Und nichts mehr verdrängen, wenn ALTES noch hochkommt, akzeptieren und dann sage ich Danke, du darfst jetzt gehen. Ich schaue es nochmals an und lasse es los. Ich bin einfach dankbar für mein Leben, das doch aller Schwierigkeiten ein wundervolles Abenteuer ist.
    Ganz liebe Grüße,
    Elisa

    • Manuel Fritsch
      Veröffentlicht am 24. Februar 2017 um 13:08 Uhr Antworten

      Liebe Elisa,
      danke für das Kompliment, deine Geschichte, und deinen Hinweis auf das Vertrauen. Etwas ganz Ähnliches scheint mir bereits ein wenig zu helfen. Mal klappt es, mal nicht. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.
      Alles Liebe
      Manuel

  • Johannes
    Veröffentlicht am 23. Februar 2017 um 23:01 Uhr Antworten

    Lieber Manuel,
    ich habe auch deinen vorherigen Artikel gelesen und kann Dir nur anbieten 1 Woche im Jugendseminar zu hospitieren, vom Alter bist Du zwar ein bisschen alt (vorausgesetzt Du bist über 30), aber so genau nehmen die das mit dem Alter auch nicht. Wäre das was vielleicht für Dich?

    Lieben Gruß, Johannes van der Vegt

    • Manuel Fritsch
      Veröffentlicht am 24. Februar 2017 um 13:10 Uhr Antworten

      Lieber Johannes,
      das ist nett von dir. Inwiefern glaubst du, dass das etwas für mich wäre? (Und ja, ich bin schon 31.)
      Alles Liebe
      Manuel

  • Johannes
    Veröffentlicht am 24. Februar 2017 um 13:36 Uhr Antworten

    Ich glaube Kunst könnte Dir gut gefallen und die Menschen hier auch.

    Lieben Gruß, Johannes

  • Stefan
    Veröffentlicht am 26. Februar 2017 um 07:12 Uhr Antworten

    Ich entdecke gerade, dass ich viele Jahre damit verbracht habe, mir das Umfeld aufzubauen, die liebevolle Umgebung, die ich brauche. Das war auch ein Kampf. Aber jetzt bin ich da. Ich muss nicht mehr kämpfen. Im Gegenteil, Kampf würde zerstören was ich aufgebaut habe.

    Meine Frau sagt, du solltest mal in die Dankbarkeit switchen. Vielleicht hilft das.

    Ich selber finde es das schwierigste und schönste, zu erlauben, dass es leicht sein darf.

    Und ganz allgemein: mit der Liebe spielt man nicht.

  • Angela
    Veröffentlicht am 26. Februar 2017 um 08:00 Uhr Antworten

    Lieber Manuel,
    immerwährendes Glück gibt es nicht und dürfen wir wohl auch nicht erwarten. Das wäre dann ja der Erleuchtungszustand. Ich bin dankbar über kleine Glücksmomente. Bei Dir hört es sich für mich nach einem burnout an, was ja letztlich eine Depression ist. Du hast in den vergangenen Jahren Deine ganze Kraft in die Idee gesteckt, über Selbstliebe Liebe in die Welt zu tragen. Das ist ein frommer Wunsch, von großem Idealismus geleitet, aber vielleicht auch ein wenig Hybris? Du kommst nur in kleinen Schritten voran. In München waren zur Gratisumarmung gerade mal 3 Leute außer mir.
    Hast Du manchmal Zweifel, ob es richtig war, Deine berufliche Karriere zugunsten von Move Meta zurückzustellen? Ich würde Dir raten, mal ein paar Wochen in eine gute psychosomatische Klinik zu gehen. Soviel ich weiß, ist die Klinik in Heiligenfeld u.a. auf spirituelle Sucher eingestellt.
    Aber Ratschläge sind auch Schläge, vielleicht kommt mein Vorschlag Dir absurd vor, Mir hat so ein Aufenthalt in einer Krisensituation vor über 25 Jahren sehr geholfen. Ich bekam neue Impulse und Unterstützung für einen Richtungswechsel in meinem Leben. Aus einem Melancholiker wird aber wohl kein rundum heiterer und glücklicher Mensch. Das Leben ist eine ewige Sinnsuche, wenn man sich als sensibler Mensch auf den Weg macht. Mir ging und geht es im Leben auch immer um die Liebe, aber dabei bin ich nicht nur auf Gleichgesinnte gestoßen. In verzweifelten Momenten habe ich auch Hilfe bei der charismatischen Bewegung gefunden. Aber für jeden ist es anders. Jutta Winkelmann, die letzten Donnerstag verstarb, hat erst durch ihre Krankheit erkannt, dass sie ihr Leben teilweise vermasselt hat, dass es letztlich um die Liebe geht. Sie ist diesen Weg konsequent und bewusst trotz großen Leids ehrlich mit sich und ihrem Umfeld bis zu Ende gegangen, ohne sich zu betäuben. Ihre Botschaft: ist auch die Deine. Einige lernen das nie, das muss man auch aushalten.
    Halt die Ohren steif! Mich hast Du mit Deiner Initiative sehr berührt, Ich fühle mich an die Künstlerin Marina Abramovic erinnert, die vor Jahren in New York im MoMA eine Performance hatte („the artist is present“), wo sie tagelang im Museum an einem Tisch saß und Besucher Schlange standen, um sich ihr gegenüber zu setzen, um sich gegenseitig stumm in die Augen zu schauen, bis manchmal die Tränen flossen.
    Ich wünsch Dir alles Gute.
    Liebe Grüße Angela

  • Irmi
    Veröffentlicht am 26. Februar 2017 um 08:31 Uhr Antworten

    Lieber Manuel, danke für Deine Offenheit. Das, was Du durchlebst, kennt jeder liebende Mensch. Wir liebenden Menschen möchten, dass es ALLEN gut geht. Da das aber nicht so ist und wir unsere Machtlosigkeit über die Ungerechtigkeit um uns herum erkennen, lässt unsere Solidarität uns so fühlen, so traurig, so leer, so mutlos. Jedoch in Wellen bewegen wir uns wieder in die Liebe hinein, denn: steckenbleiben in traurig, leer und mutlos macht uns auch nicht glücklich.
    So wünsche ich Dir, dass der Wellenschlag nicht ganz so stark ist und Du surfen lernst durch die Wellentäler unseres Hier-Seins.
    Ich umarme Dich, Du liebendes Seelenwesen. Herzlich Irmi

  • Jeronimo
    Veröffentlicht am 26. Februar 2017 um 13:10 Uhr Antworten

    Hallo Manuel,
    Ich habe Move Meta mal beeindruckend gefunden, als es einfach um Selbstliebe ging. Das machte reich und unabhängig, fähig zu geben…
    Irgendwann hast Du dann offensiv das Ding mit den Frauen ausgerufen und während ich das mutig und offen fand, habe ich mir gleich gedacht, dass die Nummer mit dem „Wunschbaum“ nicht funktionieren kann.
    Wir werden nicht glücklich durch die Erfüllung unserer Sehnsüchte. Sie sind endlos.
    Ich hatte einige kurze Begegnungen mit Frauen und doch habe ich gespürt, dass sie mich leer zurücklassen und den Hunger nach mehr nur weiter anfachen.
    So kann man sich eine Weile darüber hinwegtäuschen, dass diese Welt nur Phänomene für uns bereit hält, die in ihrer Mitte leer sind, wirbelnd wie Stürme, scheinbar klar erkennbar und doch bald zerstoben, wie Rauch und Schall.
    Für mich ist das grundlegende Problem die Illusion, wir hätten ein Selbst, dem wir Liebe schenken oder eben besorgen müssten. Dem ist nicht so…
    Aus Sicht unseres illusorischen Egos bleibt das Leben eine verlorene Schlacht. Wir verlieren ständig, was wir haben wollen und am Ende wartet der Tod.
    Move Meta ist die noch unvollständige Antwort auf DAS zentrale Problem des Menschseins!!!
    Erst wenn die Wünsche ein natürliches Ende finden, ein Gestilltsein sich einstellt, können wir wahrhaftig andere lieben, weil sie nicht länger unsere Erfüllungsgehilfinnen sein müssen.

    • Andreas
      Veröffentlicht am 27. Februar 2017 um 14:03 Uhr Antworten

      „Verlorene Schlacht“ finde ich etwas krass :-) Bezüglich den „Erfüllungsgehilfen“ stimme ich zu. Liebe kann auch im besten Sinne nicht manipulativ sein. Wenn die Ziele nicht erreicht werden fühlt man sich ohnmächtig, was zu den genannten Symptomen führt.

  • Andreas
    Veröffentlicht am 26. Februar 2017 um 16:20 Uhr Antworten

    Ich denke dies ist das typische Problem, wenn Liebe unbewusst zum Zwang, zur Bemühung, zum Kampf und zur Bekehrungsabsicht wird. Wenn diese Identifikationen und emotionalen Unreinheiten innerlich nicht freigegeben sind (der eigentliche und innere Sinn der Ver-Gebung oder des Loslassens), dann kann die Liebe nicht fließen als Selbst(ständige)Liebe.

  • Laura
    Veröffentlicht am 27. Februar 2017 um 16:05 Uhr Antworten

    Lieber Manuel,

    du schreibst dass du dich fragst, ob deine Liebe echt oder eine Lüge ist. Die Frage können dir nur du und Gott beantworten.

    Vielleicht hilft dir diese Beschreibung von Liebe:
    „Liebe ist geduldig. Liebe ist freundlich. Sie kennt keinen Neid, sie spielt sich nicht auf, sie ist nicht eingebildet. Sie verhält sich nicht taktlos, sie sucht nicht den eigenen Vorteil, sie verliert nicht die Beherrschung, sie trägt keinem etwas nach. Sie freut sich nicht, wenn Unrecht geschieht, aber wo die Wahrheit siegt, da freut sie sich mit. Alles erträgt sie, in jeder Lage glaubt sie, allem hält sie stand.“

    Ich glaube, dass Liebe kein Weg ist um immer glücklich zu sein, so schön das auch wäre. Ein Beispiel: Eine Mutter macht sich Sorgen um ihr Kind, das später nach Hause kommt als verabredet. Warum macht diese Mutter sich Sorgen? Aus Liebe zu ihrem Kind. Ist sie in diesem Moment glücklich? Ich denke nicht.
    Ich bin auch nicht immer glücklich in der Beziehung zu meinem Freund und würde manchmal am liebsten alles hinschmeißen. Trotzdem liebe ich ihn.
    Jesus ist aus Liebe am Kreuz elendig verreckt. War er glücklich während dessen? Ich bezweifel es.

    Du wirst von Meinungen, Tipps und Ratschlägen überschüttet. Ich wünsche dir, dass du die Sachen für dich heraus filtern kannst, die dir wirklich helfen können. Vielleicht landet auch mein Kommentar im „Papierkorb“. Das ist völlig in Ordnung, dann war es nichts, was dich gerade anspricht.

    Ich wünsche dir Heilung für dein geschundenes Herz und ein Licht in der Dunkelheit!

    Lieben Gruß,
    Laura

  • Julie
    Veröffentlicht am 10. Mai 2017 um 07:58 Uhr Antworten

    Hallo Manuel,

    danke für diesen ehrlichen Artikel. Tatsächlich spricht er das aus, was ich nach der Lektüre einiger der anderen Artikel dachte. Auch an dieser Stelle nur eine kurze Buchempfehlung anstatt viel Text: Das 6-Minuten-Tagebuch von Dominik Spenst könnte was für dich sein.

    Viel Erfolg.

    Mit Herz und Gruß

    J.

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