Unsere Eltern gaben so viel sie konnten

18. Februar 2015

Bitte beachte: Ältere Artikel von mir können überholt sein. 1) Bis Februar 2017 ging ich davon aus, Liebe sei ausschließlich eine Tätigkeit. Ich glaubte, nur ich selbst könne meine Liebe machen. Heute weiß ich: Liebe ist und war zugleich immer schon da, und wird immer da sein, in mir und in der Welt. 2) Bis Juni 2017 hielt ich monogame Beziehungen für überholt und Polyamorie für das überlegene Modell. Heute weiß ich: Bevor ich mit vielen Frauen tiefe Beziehungen eingehen kann, muss ich es überhaupt erstmal mit einer Frau schaffen... 3) Bis August 2017 wollte ich alles an Menschen unterschiedslos annehmen. Heute weiß ich: Nicht alles ist Licht. Tief in uns kann es auch Muster geben, mit denen wir uns und anderen schaden und die es darum auszuschalten gilt. — Manuel

Ich bin immer noch ganz berührt vom heutigen Abend. Nach unseren Free Hugs sind wir ins Bochumer Café Eden gegangen, und haben getan, was Move Meta so besonders macht: Wirklich über uns selbst gesprochen. Einer der ergreifendsten Momente war, als eine Teilnehmerin von ihren Eltern erzählte.

Viele von uns ganz normalen Menschen warten noch nach Jahrzehnten darauf, endlich von ihren Eltern geliebt zu werden. Eine der größten Hürden auf dem Weg zur Selbstliebe ist, eben diese Erwartung zu erkennen und sich bewusst zu werden: Solange ich darauf warte, von anderen geliebt zu werden – und seien es meine eigenen Eltern -, solange werde ich eben keine Verantwortung für meine eigene Liebe übernehmen. Solange bleibe ich ein Kind, das nicht mehr wachsen will.

Es mag sehr weh tun, aber wisst ihr: Es hilft nichts. Unsere Eltern haben durchweg eine viel schlimmere Kindheit erlebt als wir – und sie haben uns dennoch so viel gegeben, wie sie konnten. Es mag oft nichts, oder weniger als nichts gewesen sein. Trotzdem bringt es uns nicht weiter, ihnen ihre alten „Fehler“ vorzuwerfen. Jeder Mensch handelt immer so gut, wie er eben gerade kann, und nie weniger. Durch ein „aber damals habt ihr…“ halten wir lediglich an unserem alten Schmerz fest.

Unsere Teilnehmerin beschrieb, wie sie das verstanden und inzwischen begonnen hat, selbst zu geben. Es sei ein langsamer Prozess, aber nun begännen auch ihre Eltern, sich zu verändern. Ich konnte das sofort nachvollziehen: Wäre ich Vater, und hätte ich die Ahnung, meiner eigenen Tochter ihr gesamtes Leben lang nicht gerecht geworden zu sein – wir schwer fiele es mir, mich zu ändern! Wie dankbar wäre ich da erst, wenn meine Tochter sogar noch den ersten Schritt machte!

Unsere Generation hat die Chance, sich wohl zum ersten Mal überhaupt in der Geschichte bewusst zu machen: Wir können es besser machen als unsere Eltern. Wir können aufhören, jahrtausendealte Verletzungen weiterzugeben, und uns endlich für unsere Gefühle verantwortlich machen. Wir können die Rollen tauschen: Uns selbst und unseren Eltern geben, was sie uns nicht zu geben vermochten. „Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit“, heißt ein Buch dazu. Und wenn es Jahre dauert: Ist das zu viel, wenn wir für den Rest des Lebens glücklich werden? Warum klein und unglücklich bleiben, wenn man in Babyschritten wachsen kann?

Ich bin sehr dankbar, heute Abend dabei gewesen zu sein. Auch in meiner Rolle fühle ich mich sehr bestätigt: Ich öffne nur den Raum, indem ich bin wie ich bin (vgl. meinen letzten Artikel). Den Rest machen unsere Teilnehmer ganz alleine, weil alles schon in uns ist. Wir brauchen nur die Freiheit, uns zu entfalten, um uns damit selbst die Geschichte zu erzählen: Ich kann ja schon lieben, alles ist da! – und dadurch den Glauben an unsere eigene Liebe zu gewinnen.

Als Leser dieses Blogs will ich euch daran teilhaben lassen. Allerdings weiß ich auch: Es wird euch nie so sehr berühren, als wärt ihr heute dabei gewesen. Denn kein Blog, kein Newsletter, kein Buch = keine fremde Erkenntnis ersetzt Selbsterkenntnis. Darum lade ich euch herzlich ein, euch solch ein Erlebnis selbst zu schenken!

Manuel
m@movemeta.org

Ich bin Manuel, der Gründer von Move Meta. Seit 2014 verbindet unsere Bewegung Menschen, die SelbstLiebe lernen wollen – eine aufregende, alles erschütternde Reise zu uns selbst. Über meinen eigenen Weg dorthin schreibe ich hier im Blog.

2 Kommentare
  • Maureen
    Veröffentlicht am 17:14h, 21 Februar Antworten

    Hallo Manuel,

    ich finde den Artikel toll. Seit ich ihn gelesen habe, denke ich darüber nach, wie ich meinen Eltern auf andere Art begegnen kann. Danke, für den Stein den du ins Rollen gebracht hast.

    • Manuel Fritsch
      Veröffentlicht am 00:57h, 12 März Antworten

      Liebe Maureen,
      vielen Dank für das Lob! Ich freue mich, dass ich dich inspirieren konnte!
      Alles Liebe
      Manuel

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