Steckst du in alten Rollen fest?

12. Dezember 2014

Bitte beachte: Ältere Artikel von mir können überholt sein. 1) Bis Februar 2017 ging ich davon aus, Liebe sei ausschließlich eine Tätigkeit. Ich glaubte, nur ich selbst könne meine Liebe machen. Heute weiß ich: Liebe ist und war zugleich immer schon da, und wird immer da sein, in mir und in der Welt. 2) Bis Juni 2017 hielt ich monogame Beziehungen für überholt und Polyamorie für das überlegene Modell. Heute weiß ich: Bevor ich mit vielen Frauen tiefe Beziehungen eingehen kann, muss ich es überhaupt erstmal mit einer Frau schaffen... 3) Bis August 2017 wollte ich alles an Menschen unterschiedslos annehmen. Heute weiß ich: Nicht alles ist Licht. Tief in uns kann es auch Muster geben, mit denen wir uns und anderen schaden und die es darum auszuschalten gilt. — Manuel

Bist du ein liebevoller, warmer, herzensguter Mensch? Nein? Könntest du aber sein. Wir alle kommen als liebesfähige, lebensfrohe Wesen auf die Welt. Hast du das einmal verlernt, braucht es jedoch mehr als bloße Einsicht, um (wieder) so ein Mensch zu werden. Denn die Rollen, die du lebst, bestimmen, wer du bist.

Von Geburt an werden wir von anderen wahrgenommen. Aus dem, wie Menschen auf uns reagieren, formen wir ein Bild von uns selbst (gut, schlecht, Rabauke, stilles Wasser…). Schon bald wird daraus ein Selbstläufer: Wir sind eben keine Inseln, sondern soziale Wesen. Unser Denken, Handeln und Fühlen stimmen wir darauf ab, was man in uns sieht. Man sieht mich oft zärtlich an – ich bin liebenswert. Man sieht mich oft streng an – mit mir stimmt etwas nicht. So lerne ich, wer und wie ich bin, und verhalte mich entsprechend. Es entstehen, je nach Kontext (als Kind/Freund/Enkel/…), feste Rollen: Das ist mal wieder typisch XY!

Die alten Rollen zu verlassen, um ein liebevoller Mensch zu werden: Das ist eine der großen Herausforderungen auf dem Weg zur reifen Liebe, zum Selbst-Lieben. Ich zum Beispiel wurde in Schule und Familie meistens als sozialer Versager wahrgenommen, der sich schwer einfügen kann. Zu diesem Glauben über mich gehörte auch ein Glaube in mir drin: „Ich gehöre nicht dazu“. An beides hatte ich mich so gewöhnt, dass es sich anfangs „falsch“ anfühlte, anders – also z. B. herzlich zu sein.

Kein Wunder: Ich hatte Herzlichkeit einfach nie geübt, und darum auch nie als Teil von mir erlebt. Bis ich mich dazu entschied! Und als mir das immer besser gelang, verstand ich auch endlich: Das fixe, unveränderliche „Ich“ ist eine Illusion. „It’s not who you are underneath, it’s what you do that defines you“, heißt es bei Batman. Ich bin die Rollen, die ich jeden Tag spiele – ob ich mich nun bewusst dafür entscheide, oder unbewusst immer dieselben wähle.

Meiner Erfahrung nach gelingt es dabei leichter, mich erst einmal in neuen Beziehungen neu zu (er)finden. Bin ich mit meinem neuen Ich vertraut, kann ich auch meine alten Rollen leichter ändern. Meine Eltern waren darum die letzten, die mein neues Ich zu Gesicht bekamen. Erst aus der Gewissheit heraus: „So bin ich jetzt“, konnte ich mich ihnen zeigen. Viele vermeintliche „Freunde“ hingegen, denen ich mich schon vorher zeigte, wollten mich nicht länger begleiten – und auch das ist okay. Die mir geblieben sind, und die ich neu gewonnen habe, sehen endlich das Schönste in mir.

Ich allein entscheide, wer ich sein will. Darum kann ich meine Rollen auch ändern – selbst wenn sich das erstmal komisch anfühlt. Ob es mir am Ende dann gelingt, hängt davon ab, wie sehr ich es will; was ich mir davon erhoffe; und vor allem: ob ich mir die richtige Umgebung suche. Denn, ja: Es kostet Zeit und Kraft, mein schönstes Selbst zu werden. Nicht nur ich muss meine Wirklichkeit ändern; auch die anderen müssen lernen, mich als neuen Menschen zu sehen.

Nur wenn ich sein darf, wie ich sein will, kann ich mein schönstes Selbst werden: Die Liebe ist ein Kind der Freiheit. Leider ist diese Freiheit extrem selten, auch bei uns. Ich habe sie mir genommen, doch die wenigsten gehen diesen Weg alleine. Unsere Bewegung wurde gegründet, weil es gemeinsam viel, viel leichter wird. Deshalb öffnen wir Räume, wo wir einander bedingunglos annehmen – der Rest kommt wie von selbst! Unsere Termine findest du hier.

Manuel
m@movemeta.org

Ich bin Manuel, der Gründer von Move Meta. Seit 2014 verbindet unsere Bewegung Menschen, die SelbstLiebe lernen wollen – eine aufregende, alles erschütternde Reise zu uns selbst. Über meinen eigenen Weg dorthin schreibe ich hier im Blog.

3 Kommentare
  • Holger
    Veröffentlicht am 09:25h, 14 Dezember Antworten

    „Denn, ja: Es kostet Zeit und Kraft, mein schönstes Selbst zu werden.“

    Heute morgen beim Aufwachen habe ich wieder gedacht, das Ziel ist so weit entfernt – du weißt nichtmals wie weit der Weg dahin ist :-(
    Und dann habe ich an die Blumen am Wegesrand gedacht, mich auf meinen Atem, meine Hände konzentriert und versucht das Schöne im jetzt zu sehen.

    Sich in neuen Beziehungen neu zu erfinden heißt aber auch, ich muß neue Beziehungen eingehen. Auch das habe ich lange nicht gemacht. Und jetzt date ich wieder :-) freue mich auf neue Menschen und versuche dabei meine Scheu und Sensibilität hinter mir zu lassen..

    Deine Artikel Manuel sind gut. Sie erinnern mich daran auf dem Weg zu bleiben und nicht stehen zu bleiben.

  • Manuel Fritsch
    Veröffentlicht am 21:54h, 14 Dezember Antworten

    Ich danke dir, Holger! Der Weg ist das Ziel, absolut. Jeder einzelne Artikel soll helfen, diesen Weg der Selbstliebe deutlicher zu sehen. Ein wenig schreibe ich sie auch für mich selbst, für den Manuel, der ich zum Glück schon längst nicht mehr bin. Was mir heute so einleuchtend erscheint, war mir früher völlig verborgen!

    Freut mich auch zu hören, dass du wieder datest :) Bin gespannt, was du erzählen wirst, wenn wir uns das nächste Mal sehen!

  • Rosita
    Veröffentlicht am 13:06h, 15 Dezember Antworten

    Nur wenn ich sein darf, wie ich sein will, kann ich mein schönstes Selbst werden

    Dazu möchte ich dir lieber Manuel antworten: Nur wenn ich mich selber autorisiere, selbstbestimme ( am besten 28 Tage in Folge) belebe ich mich in Liebender Freude,
    wie ich Kind Rosita heute lebe ! Vor allen Dingen autorisiere ich mich wie eine Sonnenblume zu stahlen. Denn es gibt millionen Dinge zu SEIN.
    „I should like to be a sunflower most of all”
     
    „Well, if you want to sing out, sing out
    And if you want to be free, be free
    ‚Cause there’s a million things to be
    You know that there are
     
    And if you want to live high, live high
    And if you want to live low, live low
    ‚Cause there’s a million ways to go
    You know that there are.” (1)
    You can do what you want
    The opportunity’s on
    And if you can find a new way
    You can do it today
    You can make it all true
    And you can make it undo
    you see ah ah ah
    ist easy ah ah ah
    You only need to know
     
    Well if you want to say yes, say yes
    And if you want to say no, say no
    ‚Cause there’s a million ways to go
    You know that there are.” (1)
    „And if you want to be me, be me
    And if you want to be you, be you
    ‚Cause there’s a million things to do
    You know that there are
     
    Well, if you want to sing out, sing out
    And if you want to be free, be free
    ‚Cause there’s a million things to be
    You know that there are
    You know that there are
    You know that there are
    You know that there are
    You know that there are.”

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