Selbstqual, Ziele und Fragen

10. Juli 2014

Bitte beachte: Ältere Artikel von mir können überholt sein. 1) Bis Februar 2017 ging ich davon aus, Liebe sei ausschließlich eine Tätigkeit. Ich glaubte, nur ich selbst könne meine Liebe machen. Heute weiß ich: Liebe ist und war zugleich immer schon da, und wird immer da sein, in mir und in der Welt. 2) Bis Juni 2017 hielt ich monogame Beziehungen für überholt und Polyamorie für das überlegene Modell. Heute weiß ich: Bevor ich mit vielen Frauen tiefe Beziehungen eingehen kann, muss ich es überhaupt erstmal mit einer Frau schaffen... 3) Bis August 2017 wollte ich alles an Menschen unterschiedslos annehmen. Heute weiß ich: Nicht alles ist Licht. Tief in uns kann es auch Muster geben, mit denen wir uns und anderen schaden und die es darum auszuschalten gilt. — Manuel

Wo endet Selbstliebe, und wo fängt Selbstqual an? Muss ich mich quälen, um mich hinterher besser lieben zu können (als Künstler, Sportler…), oder will ich mich lieber nicht quälen, weil sich das einfach nicht gut anfühlt? Darüber sprachen wir gestern Abend in Bochum als erstes, und ich fand es hochspannend. Vor allem, weil wir beinahe komplett aneinander vorbeigeredet hätten: Was für den einen bereits Selbstaufgabe ist, mag für die andere noch Hingabe sein.

Das heißt aber nicht, dass über andere urteilen darf, wer sich am meisten quält! Es sind solche tief verinnerlichten Selbstverständlichkeiten („mein Leben ist hart, also bist du schlecht, wenn deines leicht ist“), die Selbstliebe unmöglich machen. Nein: Für Selbstqual wie Selbstliebe bin ich immer selbst verantwortlich. In welchen Handlungen meine Selbstliebe liegt, muss ich immer selbst herausfinden – und das gelingt am besten, wenn ich mich bedingungslos annehme, jenseits von Leistung und (Miss-)Erfolg, jenseits von „aber ich muss mich mindestens soundso viel Prozent quälen, um ein guter Mensch zu sein“.

Wenn ich nur darf, wenn ich soll,
aber nie kann, wenn ich will,
dann mag ich auch nicht, wenn ich muss.

Wenn ich aber darf, wenn ich will,
dann mag ich auch, wenn ich soll,
und dann kann ich auch, wenn ich muss.

Denn schließlich:
Die können sollen, müssen wollen dürfen.

– Unbekannt

Damit kamen wir zum zweiten großen Thema des Abends, den Zielen. Was habe ich davon, wenn ich ein Ziel erreiche, und was passiert, wenn ich es verfehle? Was ist, wenn ich herausfinde: Ein Ziel passt nicht zu mir, oder meiner Selbstliebe? Soll es mir zum Beispiel wichtiger sein, einen sicheren Job zu haben, oder im Leben glücklich zu sein – und kann ich vielleicht auch beides haben? Als Trainer für Berufungsorientierung würde ich darauf antworten: Wozu ein Leben leben, wenn es kein glückliches ist? Und der Stratege in mir würde fragen: Cui bono – wer in der Welt könnte einen Nutzen davon haben, dass ich mich täglich quäle und selbst aufgebe…?

Es sind solche Fragen, mit denen wir uns überhaupt erst das Recht geben, uns selbst zu lieben und glücklich zu sein. Fragen, die ein völlig neues Denken ermöglichen – und nur das, was ich denken kann, kann ich mir auch vorstellen, und es daraufhin überhaupt erst wollen. Ob Selbstliebe gelingt, ist also zunächst eine Frage der richtigen Frage. Deshalb will ich bei Move Meta viele Fragen stellen, um Selbstliebe viele Wege frei zu machen.

Manuel
m@movemeta.org

Ich bin Manuel, der Gründer von Move Meta. Seit 2013 lebe ich nach einem einzigen Satz: Ich bin gut, so wie ich bin. Heute liebe ich mein Leben. Bei Move Meta erzähle ich davon.

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