Ratschläge sind auch Schläge

17. März 2015

Bitte beachte: Ältere Artikel von mir können überholt sein. 1) Bis Februar 2017 ging ich davon aus, Liebe sei ausschließlich eine Tätigkeit. Ich glaubte, nur ich selbst könne meine Liebe machen. Heute weiß ich: Liebe ist und war zugleich immer schon da, und wird immer da sein, in mir und in der Welt. 2) Bis Juni 2017 hielt ich monogame Beziehungen für überholt und Polyamorie für das überlegene Modell. Heute weiß ich: Bevor ich mit vielen Frauen tiefe Beziehungen eingehen kann, muss ich es überhaupt erstmal mit einer Frau schaffen... 3) Bis August 2017 wollte ich alles an Menschen unterschiedslos annehmen. Heute weiß ich: Nicht alles ist Licht. Tief in uns kann es auch Muster geben, mit denen wir uns und anderen schaden und die es darum auszuschalten gilt. — Manuel

Ratschläge will ich bei Move Meta vermeiden. In ihnen verbirgt sich nämlich immer die Botschaft: „Du bist schlecht. Sei doch mal besser.“ Genau das spüren wir, und merken uns im Innersten: „Ich bin schlecht. Ich muss besser werden, als ich bin.“ Das ist Selbstverachtung, oder Selbsthass – das Gegenteil von SelbstLiebe. Besonders perfide: Je mehr (Lebens-)Ratschläge mir erteilt werden, desto mehr dieser selben negativen Botschaft konsumiere ich.

Wenn ich als Berater etwas gelernt habe, dann ist es, was Ratschläge bewirken. Manchmal frage ich mich, warum ich so lange gebraucht habe, das zu begreifen. Wahrscheinlich musste ich erst ganz genau herausfinden, wie es *nicht* geht, um es danach hoffentlich besser zu machen. Ich brauchte ein Jahr, um zu begreifen, wie Menschen Liebe lernen – und wie ich ihnen dabei vielleicht ein wenig helfen kann.

Heute weiß ich: Wir Menschen spüren hinter allem die tiefere Botschaft, und merken sie uns. Nehme ich mir heraus, Leuten einen Rat zu geben, so mache ich sie erstmal schlecht; es geht gar nicht anders. Und gerade wo es um SelbstLiebe geht, reiße ich damit nieder, was ich eigentlich aufbauen wollte. Ein dreifacher Beweis, dass ich anderen ihre Liebe nicht „machen“ (=einbläuen) kann: Ich kann sie ihnen nicht nur nicht machen; der Versuch allein zerstört bereits, was sie schon haben. Und je mehr ich es versuche, desto schlimmer wird es, denn ich sende immer wieder dieselbe unterschwellige Botschaft.

Darum lege ich so viel Wert darauf, dass wir bei Move Meta alle von uns selbst erzählen. Jeder bleibt bei sich, damit wir voneinander lernen können – fertig. Wir werden nicht anfangen, einen munteren Ratgeberton anzuschlagen, wie er Kinder-, Frauen- und Männerzeitschriften, unzählige Bücher und Websites bis zum Rand füllt. Wenn ich sowas konsumiere (bei mir dann eher „How to Win More Subscribers for Your Mailing List“ usw.), wundere ich mich schon lange nicht mehr, wenn ich mich hinterher scheiße fühle. Inzwischen verzichte ich meistens lieber – ich lerne auch so, spielerisch.

Und nein, ich rate dir jetzt nicht, keine Ratgeber mehr zu konsumieren. Mach doch einfach, was sich für dich gut anfühlt! Denn du bist gut, so wie du bist. Wenn du das einfach nicht glauben kannst, würde ich dir gerne erzählen, wie es mir gelungen ist. Ohne Ratschläge. Vielleicht hilft es dir?

Manuel
m@movemeta.org

Ich bin Manuel, der Gründer von Move Meta. Seit 2014 verbindet unsere Bewegung Menschen, die SelbstLiebe lernen wollen – eine aufregende, alles erschütternde Reise zu uns selbst. Über meinen eigenen Weg dorthin schreibe ich hier im Blog.

6 Kommentare
  • Melek Mirzakhani
    Veröffentlicht am 09:27h, 29 März Antworten

    Vielen herzlichen Dank für diese absolut wahre Sichtweise.
    Das Gefühl eines jeden Menschen verrät einem was gut für einen ist und was nicht.
    Wenn man mal tief hinhorcht, wird man erkennen, dass die ständigen Ratschläge, die man überall liest, ein unangenehmes Gefühl in einem selbst auslösen.
    Geschichten und Gedichte empfinde ich daher aussagekräftiger, weil sie nicht mit dem Zeigefinger belehren, sondern zum Nachdenken anregen, ein schönes Gefühl in einem auslösen und den „Weg selbst gehen“ lassen. Dies ist wahrscheinlich auch der Grund warum gerade Kinder Geschichten lieben.
    <3 <3 <3 <3 <3

    • Manuel Fritsch
      Veröffentlicht am 10:25h, 29 März Antworten

      Liebe Melek,
      vielen lieben Dank für deinen Kommentar! Ganz genau so habe ich das auch herausgefunden: Ich habe darauf geachtet, wie es sich anfühlt, und außerdem darüber nachgedacht (eines meiner Hobbies), warum es nichts zu bewirken scheint. Früher dachte ich noch, Ratschläge seien der Königsweg, weil so viele Ratgeber verkauft werden – unsere öffentliche Bibliothek in Bochum hat viele Regalmeter zum Thema Liebe. Daher wollte ich am Anfang auch Berater sein. Aber nun sehe ich, dass die Ratgeberei die Sache nur schlimmer macht… sie hält die Kunden unmündig und lässt sie zugleich emotional abstumpfen („hör nicht auf dein Gefühl, höre auf meinen Rat“).

  • Meine Zutaten für sanfte Moderation und wundervolle Begegnungen » Move Meta Blog
    Veröffentlicht am 16:10h, 19 Oktober Antworten

    […] 3) Ich-Botschaften – In allem, was ich erzähle, spreche ich über mich und offenbare mein Inneres. Nur so kann ich und können die anderen mich annehmen, wie ich bin: Selbstoffenbarung → Selbstannahme → Selbstliebe. Zugleich spreche ich durch Ich-Botschaften nur über das, was mich wirklich bewegt – worin ich also gerade am meisten wachsen kann. Das macht viel mehr Freude, als über unpersönliche (Sach-)Themen zu sprechen oder einander Ratschläge zu erteilen. […]

  • Wie du mit Selbstliebe unwiderstehlich anziehend wirst » Move Meta Blog
    Veröffentlicht am 13:09h, 09 November Antworten

    […] [Nachtrag 09.11.15: Bei Move Meta spricht jeder für sich selbst. Dieser Artikel sollte ein letztes Experiment sein – wie anders wirken Du-Botschaften auf die Empfänger? In einem halben Jahr wurde er 0 mal gelikt und einmal geteilt, und zwar von mir. Für mich ist das Feedback überdeutlich: Finger weg von Du-Botschaften und Ratschlägen.] […]

  • Chris
    Veröffentlicht am 21:56h, 01 Februar Antworten

    Ist MM / Selbstliebe nicht auch ein Ratschlag?

    • Manuel Fritsch
      Veröffentlicht am 20:54h, 03 Februar Antworten

      Lieber Chris,

      tolle Frage, und meine Antwort lautet: Nein. Wie du weißt, ist M² für mich wie ein Fitnessstudio. Wenn ich hier in Bochum dreimal die Woche meine Kurse besuche, steht die Trainerin auch nicht vor einer Leinwand und erklärt mit mahnender Stimme, wie wichtig Sport und überhaupt gesunde Ernährung für meinen Körper sei, welche Übungen ich theoretisch irgendwann machen könnte, und wo ich ihre Bücher, Hörbücher, Workshops und Coachings bestellen könnte. Nein: Sie dreht die Musik auf und fängt an. Und wir machen mit.

      Genauso ist es bei Move Meta. Wir geben keine Ratschläge, wir fangen einfach an und erzählen einander davon. So zeigen wir anderen, wie für uns SelbstLiebe gelingt; entspannt, verbunden und ganz ohne Ratschläge.

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