Nie mehr schwarzes Loch: Wie meine SelbstLiebe stark bleibt

Free Hugs 13.06.16 BO HBf SelbstLiebe Bochum Move Meta Liebe Glück gut fühlen

20. Juni 2016

Bitte beachte: Ältere Artikel von mir können überholt sein. 1) Bis Februar 2017 ging ich davon aus, Liebe sei ausschließlich eine Tätigkeit. Ich glaubte, nur ich selbst könne meine Liebe machen. Heute weiß ich: Liebe ist und war zugleich immer schon da, und wird immer da sein, in mir und in der Welt. 2) Bis Juni 2017 hielt ich monogame Beziehungen für überholt und Polyamorie für das überlegene Modell. Heute weiß ich: Bevor ich mit vielen Frauen tiefe Beziehungen eingehen kann, muss ich es überhaupt erstmal mit einer Frau schaffen... 3) Bis August 2017 wollte ich alles an Menschen unterschiedslos annehmen. Heute weiß ich: Nicht alles ist Licht. Tief in uns kann es auch Muster geben, mit denen wir uns und anderen schaden und die es darum auszuschalten gilt. — Manuel

Letzten Montag habe ich die besten Free Hugs meines Lebens gegeben. Ich stand im Bochumer Hauptbahnhof, und habe ausnahmslos alle angestrahlt. Egal, ob gehetzter Anzugträger oder gammeliger Penner, ob schüchterner Teenie oder misstrauische Oma: Alle hatten meine Liebe verdient. Und sie bekamen sie. Viele im Vorübergehen, und wer sich traute, auch mit Umarmung.

Mehrere Leute kamen sogar wieder zurück, nachdem sie erst vorbeigelaufen waren, um mich zu fragen, warum ich sie so angelächelt hätte. Oder drehten einen Kreis und ließen sich ein zweites Mal umarmen.

Dass meine Free Hugs diesmal so vortrefflich gelungen sind, hat einen Grund. In den letzten Wochen habe ich nämlich viel Zeit in unsere aktuelle Startseite gesteckt. Und so habe ich mir fortwährend bewusst gemacht (weil ich, wie jeder vielversprechende Autor, zwanghaft an meinen Texten feile), was für ein Mensch ich sein will: Einer, der alle bedingungslos annimmt und ausnahmslos Liebe austeilt.

Ich will es unbedingt ganz doll, liebevoll = voll Liebe sein. Und solange mir das bewusst ist, klappt es auch. Wie eben am Montag. Deshalb konnte ich im Bahnhof alle anstrahlen: Weil ich das *allen* schenken wollte. Hätte ich mein Lächeln hingegen nur den Hübschesten gewidmet: Keine zehn Sekunden hätte ich meine SelbstLiebe aufrecht erhalten können. Liebe ist eben kinderleicht – solange ich radikal selbst liebe.

Ich war nie liebevoll. Bis ich entschied, es zu werden.

Früher wäre mir nie eingefallen, dass ich einfach so liebevoll sein könnte. Ich dachte immer: Herzlichkeit, Güte und Freundlichkeit sind angeboren. Entweder sind sie da, oder eben nicht. Es hätte mich auch gar nicht interessiert, ob und wie ich so werden könnte. Bis ich herausfinden wollte, woher eigentlich gute Gefühle kommen – um endlich geliebt zu werden. Da stellte ich mir zum ersten Mal die Frage:

„Wie mache ich, dass andere sich mit mir gut fühlen, und ich mich mit ihnen?“ Um das zu können, wollte ich lernen, „Gutes“ spürbar zu machen. Im Endeffekt also das, was wir Güte nennen; was mich an anderen schon immer auf den ersten Blick anzieht (ich erkenne es an den Augen); und was in meinem Empfinden nur sehr wenige Menschen ausstrahlen – vielleicht 1-2% der Bevölkerung.

Das Erstaunliche nun war, dass ich mich einfach dafür entscheiden konnte, so zu sein. Zugegeben, am Anfang war es komisch: Ich war nie liebevoll gewesen. Das war eine ganz ungewohnte Rolle für mich. Doch gerade in neuen Bekanntschaften wollte ich dieser neue Manuel sein. Und nach und nach kannten mich alle in meinem Leben nur noch so. Bis hin zu meinen Eltern, schließlich. Es dauerte Jahre, bis ich mich ihnen so zeigen konnte, aber inzwischen fühlt es sich auch mit ihnen „richtig“ an, liebevoll zu sein.

Immer, wenn ich dachte: Jetzt hab ich es aber wirklich raus…

Mich fürs Lieben zu entscheiden, hat mir also mehr Glück beschert, als ich je kannte. Dennoch gab es in den letzten fünf Jahren auch immer wieder Zeiten, wo meine SelbstLiebe verschwunden zu sein schien.

Oft wurde mir das erst nach Wochen bewusst. Dann fragte ich mich: Wenn das Lieben so einfach ist – wie kann es dann so schwer sein? Ungezählte Male war ich deshalb traurig, enttäuscht, verzweifelt. Als ich dann aber an der neuen Startseite schrieb, fiel mir auf, wie zuverlässig meine SelbstLiebe zurzeit ist. So dachte ich darüber nach, was ich aktuell anders mache. Und da erkannte ich, wie alles zusammenhängt.

Im­mer, wenn ich in den letz­ten fünf Jah­ren zu leuchten begonnen hatte, ha­be ich auch an­ge­fan­gen, mich darauf aus­zu­ru­hen. Ha­be kei­nen Grund mehr ge­se­hen, mei­ne Kraft in die Lie­be zu in­ves­tie­ren; ha­be mich zu­rück­ge­lehnt und mir ge­dacht: Jetzt hast du es end­lich ge­schafft, du bist am Ziel. Und je­des Mal ging es mit Lie­be und Le­bens­glück gleich wieder berg­ab. Bis ich mich er­in­ner­te, liebevoll zu sein. Und so wei­ter…

100% fair: Entweder SelbstLiebe, oder zurück zum Schmerz.

Fünf Jahre hat es gedauert, diese Erkenntnis dauerhaft in mein Bewusstsein zu holen: Ich kann meine Liebe nur in voller Blüte erhalten, wenn ich *jeden Tag* darin Kraft und Zeit investiere. Immer wieder auch tief schmerzvolle Phasen zu erleben, war dafür wohl schlicht notwendig. Anders hätte ich es nicht kapiert.

Im­mer­hin: Auch mit all den vie­len „Er­in­ne­rungs­pau­sen“ ist mei­ne Glücks­kur­ve lang­fris­tig an­ge­stie­gen. Ers­tens ha­be ich mit der Zeit im­mer frü­her ge­merkt, wenn mir die Lie­be ver­lo­ren ging. Zwei­tens bin ich dann im­mer schnel­ler wie­der „reingekommen“, weil ich darin, so wie im Lie­ben, zunehmend Übung habe. Und drit­tens mer­ke ich: Je­de Se­kun­de, die ich ak­tiv lie­be, wirkt in mir nach und lässt ei­nen lie­be­vol­len Kern wach­sen, der alle Zwischentiefs über­dau­ert. (Wie schnell er wächst, liegt dabei ganz an mir!)

Schmerz und Leid, so ver­ste­he ich jetzt, sol­len mir zei­gen, dass et­was fehlt: Ver­bun­den­heit, Eins-Sein, Lie­be. Ich kann das auch nicht mit Pil­len und Psy­cho­the­ra­pie weg ma­chen (was ich frü­her durch­aus auch ver­such­t ha­be): Ich kann nicht weg ma­chen, was so­wie­so schon weg ist. Aber ich kann ler­nen, (immer) wie­der hin­zu­tun, was da hin­ge­hört. Und das ist Lie­be­voll­sein, ist voll Lie­be sein, ist Lie­be sein, ist Lie­be.

Das hätte übel ausgehen können. Ich hätte es leicht haben können!

Ich bin dankbar, dass mein Weg nicht zu einfach war. Wahrscheinlich wüsste ich heute nicht zu schätzen, was ich gelernt habe. Ich hoffe, dass auch ihr alle durchhaltet, bis ihr ans Ziel kommt! Nicht jeder scheint schon die Geduld mit sich und seiner Liebe zu haben. Dann dauert es leider nur umso länger, und bringt umso tieferen Schmerz mit sich, bevor die Erkenntnis dräuet: Ohne Liebe ist halt erst recht scheiße.

Glück und Liebe sind eben absolut fair, und gnadenlos konsequent: Es ist immer genauso viel davon am Start, wie ich selber liebevoll sein will. Und wenn ich das ein-, zweihundert Mal erkannt habe, dann sitzt es irgendwann. Bei mir scheint es nun soweit zu sein. Und wenn du auch soweit bist, mach bei uns mit.

Manuel
m@movemeta.org

Ich bin Manuel, der Gründer von Move Meta. Seit 2013 lebe ich nach einem einzigen Satz: Ich bin gut, so wie ich bin. Heute liebe ich mein Leben. Bei Move Meta erzähle ich davon.

11 Kommentare
  • Patrick
    Veröffentlicht am 04. Juli 2016 um 11:20 Uhr Antworten

    Schoener Artikel . . . „Mit Liebe zubereitet!“ ;-)

    • Manuel Fritsch
      Veröffentlicht am 04. Juli 2016 um 13:42 Uhr Antworten

      Vielen lieben Dank, Patrick! Genau so ist es :)

  • Katja
    Veröffentlicht am 04. Juli 2016 um 18:15 Uhr Antworten

    Wie schööööön …. Du inspirierst mich immer wieder :-*

    • Manuel Fritsch
      Veröffentlicht am 04. Juli 2016 um 19:57 Uhr Antworten

      Herzlich gerne, meine liebe Katja! Hoffe wir sehen uns bald mal wieder!

  • Irene
    Veröffentlicht am 06. Juli 2016 um 22:09 Uhr Antworten

    Wow, danke, dass du diese wundervollen Worte gesprochen hast. Danke, dass du diese Erfahrungen gemacht hast und nun mit uns teilst. Es steht jetzt hier: liebevoll sein, voll Liebe sein, Liebe sein. Ich bin soooo sehr berührt von dir, als Retter des Liebens. Free Hug(h)s ;-) und Liebe für dich auch von mir.

    • Manuel Fritsch
      Veröffentlicht am 07. Juli 2016 um 15:34 Uhr Antworten

      Hach, Irene :) Ich danke dir sehr! Du bist auch meine Retterin des Liebens, du toller Mensch.

  • Rüdiger
    Veröffentlicht am 21. September 2016 um 22:13 Uhr Antworten

    Ich habe schon ein paar Mal darüber nachgedacht und versucht mir vorzustellen, wie das sein könnte, im Bahnhof Free Hugs anzubieten. Ich hätte Angst davor, dass mich niemand umarmen will. Dann würde ich mich schämen und leise nach Hause schleichen. Dann stelle ich mir vor, dass es wahrscheinlich viele nette Leute gibt, aber auch ein paar unangenehme, die zB schlecht riechen oder die lästig werden, weil sie irgendwelche Geschichten erzählen wollen. Ich schätze, die meisten gehen einfach vorbei. Habt ihr schon mal schlechte Erfahrungen gemacht? Oder habt ihr schon mal abgebrochen, weil ihr frustriert wart?

    • Manuel Fritsch
      Veröffentlicht am 22. September 2016 um 15:40 Uhr Antworten

      Lieber Rüdiger,

      in Free Hugs konzentriert sich für mich der Akt der SelbstLiebe auf eine Geste, die jeder Mensch versteht, groß und klein, von hier oder von dort. Deshalb machen wir das vor jedem meiner Gruppentreffen, wir schenken Güte und Annahme. Das ist vielleicht der wichtigste Punkt: Ich stehe nicht dort und warte, auf dass ich umarmt (=geliebt) werde – ich stehe dort, weil *ich* Liebe austeilen kann. Mit dieser Idee schaue ich allen in die Augen und genieße meine Zeit, ob jemand kommt oder nicht. Denn ich bin wertvoll für andere; fast niemand schenkt Liebe in dieser Welt. Und so kommt es regelmäßig zu sehr ergreifenden Momenten.

      Alle, die mich sehen, werden davon berührt. Die meisten davon allerdings so tief, dass es sie verwirrt und sie nicht darauf eingehen können/wollen. Ein paar berührt es, sie verstehen und nehmen die Umarmung an. Manche lächeln einfach nur. Und ja, manchmal sind auch Leute dabei, die einem eine längere Geschichte erzählen wollen, oder der lautstarken Ansicht ist, Jesus hätte so etwas nie gewollt, dass sich Leute einfach umarmen (WTF?!?). Da lächle ich dann und warte, bis es vorbei ist. Abgebrochen habe ich noch nie. Man sollte allerdings gut überlegen, ob man jemandem das Schild ausleiht; idealerweise, *bevor* man es aus der Hand gibt… das mache ich nur noch in Ausnahmen. Die meisten begreifen nicht, dass es ums Geben geht, nicht ums Bekommen.

      Niemand kann mich zwingen, jeden zu umarmen. Oder länger als 30sec mein Schild hochzuhalten, wenn es sich heute falsch anfühlt. Nur ich selbst kann mich dazu herausfordern, und fast immer habe ich mich binnen zehn Sekunden großartig gefühlt. Ich kann Liebe schenken… Ich kann geben, wovon alle träumen! Dieses Selbstbewusstsein gab mir einen enormen Kick, als ich es die ersten Male gemacht habe. Inzwischen ist die Euphorie bei mir einer soliden Güte gewichen, auf die ich mich immer verlassen kann.

      Alles Liebe
      Manuel

  • Rüdiger
    Veröffentlicht am 22. September 2016 um 19:25 Uhr Antworten

    Hast du es schon mal alleine gemacht oder immer in einer Gruppe?

    • Manuel Fritsch
      Veröffentlicht am 22. September 2016 um 20:38 Uhr Antworten

      Ich habe es sowohl schon alleine gemacht, was besonders intensiv und selbstliebewirksam für mich ist, als auch seit Dezember 2014 jedes Mal vor unserem Gruppentreffen. Du kannst gerne mich hier in Bochum besuchen und eines unserer Treffen miterleben, wenn du möchtest!

      • Rüdiger
        Veröffentlicht am 23. September 2016 um 10:34 Uhr Antworten

        Ich danke dir für deine Offenheit und deine Geduld!

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