Melanie (47): Kinder. Karriere. Aber morgens glücklich aufwachen?

06. Oktober 2015

Ich bin eine Suchende. Auf Move Meta bin ich zufällig gestoßen, bei meiner verzweifelten Suche im Internet nach einem gangbaren Weg, meine Berufung zu finden. Dabei haben sich in den letzten Wochen viele Mosaiksteinchen für mich zusammengefügt. Ich beschäftige mich schon lange mit diesem Thema; habe gelesen und gehört, wie wichtig es ist, die wahre innere Berufung zu finden. Bisher jedoch waren das nur Worte, deren Sinn sich mir nicht erschloss.

Aber zunächst vielleicht einmal dazu, warum ich so verzweifelt danach suche. Ich war vor mehr als 10 Jahren schon einmal auf einem guten Weg zu Selbstliebe. Dann trennte sich mein Mann von mir. Um meine Kinder und mich zu ernähren, nahm ich eine Stelle an. Ich hätte gerne noch weiter gesucht, aber der Druck war einfach zu groß. Die Wohnung musste bezahlt werden, und ich wollte nicht jeden Monat vor dem wirtschaftlichen Untergang stehen.

Innerhalb des Unternehmens begannen bald Umstrukturierungen, nachdem ich dort angefangen hatte. Die ganzen Jahre versuchte ich nicht nur mitzuschwimmen, sondern fand auch Gefallen daran, mit gestalten zu können. Ich machte eine Fortbildung, ging danach jedoch weit über meine Grenzen. Ich merkte nicht, was mit mir geschah. Meine Familie beschwerte sich, dass ich ja immer nur die Mitarbeiter und die Firma im Kopf hätte – zumal mir die Führungsarbeit nicht eben leicht fiel.

Vor ein paar Monaten habe ich dann endlich verstanden, dass ich dort nicht nur eine falsche Rolle gespielt, sondern mich zum Sklaven dieses Unternehmens gemacht hatte. Ich hatte fast komplett aufgehört, auf mich zu achten. Ich war äußerst mies gelaunt, hatte Bandscheibenvorfälle, und Stresssymptome wie Schlafstörungen. Bis heute arbeite ich dort, allerdings nicht mehr in derselben Position. Ich trete nun langsamer. Das ist schonmal die halbe Miete.

Manchmal überlege ich, ob ich nicht einfach kündigen soll, um in Ruhe etwas Neues zu finden, bei dem mein Herz aufgeht. Ich möchte meine Berufung finden, und jeden Morgen mit einem Lächeln aufwachen. Aber das ist nicht leicht, wenn man immer noch für eine Familie verantwortlich ist und alles bezahlt werden muss.

Zuerst einmal möchte ich einfach nur meine Selbstliebe finden. Sie ist das, was mir fehlt. Danach werde ich mein nächstes Ziel kennen. Und ich bin sowas von fest entschlossen, diesen „Muskel“ zu trainieren. Ich bin zu der tiefen Überzeugung gekommen, dass das der Schlüssel ist. Und nicht nur weil Du, Manuel, auch zu dieser Überzeugung gekommen bist und sehr schön davon erzählst, sondern weil es seit den römischen Gelehrten Menschen gibt, die nicht nur daran geglaubt haben, sondern die es tief in ihrem Innersten wussten und wissen…

Ich habe mich auf den Weg gemacht, mit dem Ziel vor Augen, mich und mein tiefstes Inneres nicht nur anzunehmen, so wie ich bin, sondern eine vertrauensvolle, innige, liebevolle Beziehung zur mir selbst aufzubauen. Dass sich danach alles andere von selbst entwickelt, kann ich nicht wirklich wissen, aber ich bin mir sicher.

Danach sehne ich mich: Einfach zu wissen, was richtig und was falsch ist. Anderen Menschen nicht mit Argwohn oder Angst begegnen, sondern ihnen frei und empathisch entgegentreten und das Gute in ihnen sehen. Kein Sarkasmus mehr, sondern mich an schönen Dingen freuen oder einfach Schwächeren helfen. Ich weiß, dass in mir einige Gaben schlummern, und ich möchte im Schaffen aufgehen.

Ich finde die Vorstellung absolut genial, diesen einfachen Gedanken der Liebe in sein Umfeld zu bringen und anderen zu zeigen, dass es funktioniert. Diese Bewegung ist ein Weg… Ich habe auch schon gemerkt, dass man in seinem kleinen Umfeld viele Samenkörner legen kann, indem man einfach von seinen Entdeckungen und Überzeugungen spricht. Und du, Manuel, hast ganze Felder von Samenkörnern gesät. Vielen herzlichen Dank dafür!

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geschichten@movemeta.org

Was bedeutet dieser Satz für dich: "Ich bin gut, so wie ich bin?" Erzähle uns davon.

4 Kommentare
  • Manuel Fritsch
    Veröffentlicht am 11:07h, 08 Oktober Antworten

    Liebe Melanie,

    vielen herzlichen Dank fürs Teilen! Ich bin mittlerweile schon vielen Menschen begegnet, die in ihrem Leben und ihren Pflichten gefangen sind, und gar nicht mehr daran glauben, dass sie mehr als Sklaven sind (auch wenn sie diese Erkenntnis nicht denken dürfen, sonst ist der Schmerz zu groß). Ich bin froh, dass du nicht aufgibst, sondern dich auf den Weg machst. Das ist so stark!

    Ich glaube, dass du alles verbinden kannst: Dein Leben zu lieben, deine Berufung zu finden und Liebe in die Welt zu bringen. Damit dir das möglichst bald gelingt, wäre für mich die spannende Frage: Bist du bereit, erst einmal die Liebe der Solidargemeinschaft anzunehmen – wärst du bereit, Geld vom Staat zu nehmen, um dadurch umso schneller, umso reicher zurückgeben zu können? Oder glaubst du, dass dir nichts zusteht und du dir deinen Unterhalt, dein Leben erst verdienen musst – sodass der Kampf ums Geld dich und deine Liebe auch weiterhin unterdrückt und klein hält?

    Ich würde dir wünschen, dass du dir erlaubst, als Vorbild allen zu zeigen: „Ich bin gut, so wie ich bin, und verdiene es, zu leben, egal was ich daraus mache“ – und Schluss machst mit „Ich bin nicht gut, so wie ich bin, und muss mir das Leben erst verdienen“. Nur der erste Weg ändert für mich etwas an der Welt, der andere perpetuiert bloß die Sklaverei, und hätte mich persönlich niemals zur SelbstLiebe geleitet. Es gibt kein richtiges Leben im falschen; ich hätte es ohne Hartz IV nie geschafft, meine Berufung zu finden, und sie euch allen zu schenken.

    Auch du hast diese Macht, mit deinem Vorbild einer besseren Welt den Weg zu weisen. Einer, wo wir nicht mehr wie Tiere ums Überleben kämpfen, sondern wir alle genug bekommen, um in Freiheit und Würde unser Potential zu entfalten. Deutschland ist das einzige Land der Erde, wo das so einfach geht; das uns ermöglicht, diese unerhörte Geschichte zu erzählen – von Menschen, die bekommen, und daraufhin zu geben beginnen. Von Würde, Freiheit, Liebe und SelbstLiebe. Ich würde dir, mir und unserer Bewegung so wünschen, dass du diese Chance nutzt. Frag mich gerne, wenn du mehr erfahren willst.

    Alles Liebe
    Manuel

    • Melanie
      Veröffentlicht am 07:36h, 12 Oktober Antworten

      Lieber Manuel,
      vielen Dank für die Gedanken, die Du Dir über meine Geschichte gemacht hast. Wie ich bereits geschrieben habe, ist es für mich ein mehr als denkbarer Schritt, in die Arbeitslosigkeit zu gehen um mich auf mich, meine Stärken und auf das was ich liebe zu konzentrieren. Ich würde das sogar liebend gerne tun. Jedoch ist dieser Schritt nicht einfach nur eine Entscheidung für mich. Du hattest es damals wesentlich einfacher. Hattest noch kein geregeltes Einkommen und keine Verpflichtungen. Dass Du diesen Schritt gegangen bist war mit Sicherheit, der beste, den Du für Dich wählen konntest. Ich werde diesen Schritt auch irgendwann und irgendwie gehen. Vielleicht schleichend. Vielleicht früher als ich jetzt im Moment denke. Dein Gedanke, dass alle Menschen mit einem Grundgehalt leben können und jeder das in die Gesellschaft einfließen lässt, was er gut kann, ist ja nicht neu. Und er fasziniert mich seit dem ich davon gehört habe. Jeder leitet Veränderungen auf seine Art und in seinem Tempo ein. Wenn er es will. Wenn er nicht will, kann ihn niemand dazu zwingen.

  • Michael
    Veröffentlicht am 12:25h, 13 Oktober Antworten

    Liebe Melanie,

    ich kann sehr gut nachvollziehen, wie du dich fühlst. Auch ich bin auf der Suche nach meiner Berufung und es geht für mich viel zu langsam voran. Ich bin leider ein ungeduldiger Mensch und will JETZT wissen, was meine wahre Berufung ist. Aber so funktioniert es nun mal nicht. Und wie meinte ein schlauer Mensch mal so schön. Die wahre Berufung findet man nicht, man kreiert sie.
    Ich habe auf meiner Reise gelernt, dass der Weg das Ziel ist. Bei all der Suche nach unsere Berufung sollten wir nicht vergessen zu leben :-)

    Liebe Grüße
    Michael

  • Jenny aus Berlin
    Veröffentlicht am 05:37h, 14 Oktober Antworten

    Liebe Melanie,

    ich danke dir, dass du deine Geschichte mit ums teilst! Ich freu mich, dass du so ehrlich beschreibst, wo du gerade sehst. Ich finde mich in deinen Gedanken sehr gut wieder. Es ist auch meine Überzeugung geworden, dass meine Berufung zu finden ein längerer, ständiger Prozess ist, der wohl das ganze Leben andauert. Und ich denke, das ist es wert, dass wir uns auf den Weg machen!

    Ich arbeite in eine Behörde und suche auch den Weg in ein Leben, wie ich es mir für eine neue Art des menschlichen Zusammenlebens wünsche. Ich versuche an jedem Arbeitstag, mich zu spüren und von meinem Innersten aus zu agieren. Aber ich erfahre, wie schwer es ist, nicht einfach bloß zu *re*agieren.

    Ich bin mir nicht sicher, ob ich den Weg über die Arbeitslosigkeit gehen werde. Ich weiß, dass ich Wert stiften möchte, der anderen Menschen so viel bedeutet wie Fingernägel auffüllen lassen, McDonalds oder 5-Sterne Urlaub. Ich möchte, dass sie sich bewusst entscheiden, dafür zu geben.

    Ich würde gerne zeigen, wie man im Geben und Nehmen mit anderen leben kann, ohne dass es Sklaven geben muss und ohne dass unsere Mitwelt geschädigt wird. Das werde ich in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren versuchen zu experimentieren, wärend ich zumindest für eine Übergangszeit noch durch meinen jetzigen Beruf für viele Menschen Wert stifte – auch wenn die zeitlichen Rahmenbedingungen mich körperlich in Anspruch nehmen.

    Auch für mich ist der allererste Schritt: Selbstliebe. Und ehe ich das wirklich tief verinnerlicht haben werde, wird es wohl doch eine Weile dauern.

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