Die liebevolle Öffnung von Caros Ehe – Teil 1

20. Februar 2016

„Kannst du dir vorstellen, alleine zu leben?“ Das war das Erste, was ich zu ihr sagte. Da hatte ich mich gerade neben sie gesetzt, auf einer großen Veranstaltung für Hochbegabte. Sie wirkte auf mich wie eine blonde Prinzessin, die nicht einen Tag ihres Lebens alleine gelebt hat. Doch genau das, nämlich alleine glücklich sein zu können, unabhängig von anderen und ihren Gefühlen, ist eine Voraussetzung für gesunde Beziehungen und erfüllte SelbstLiebe. Ich fand, sie sollte das wissen.

Mein Gespür hatte mich nicht getrogen. Ich erfuhr, dass Caro an ihrem letzten Schultag ihren „ersten richtigen Freund“ gefunden, ein Studium in seiner Stadt gewählt und im Herbst eine gemeinsame Wohnung mit ihm bezogen hatte – 500 km entfernt von ihrer beider Heimat. Derselbe Mann hatte sie dann sieben Jahre später geheiratet, nachdem er ihr in Venedig den Antrag gemacht hatte, und saß im Übrigen gerade auf der anderen Seite neben ihr, im wartenden Vortragspublikum. Für mich hieß das, sie war „von der Hand des Vaters in die Hand des Ehemannes übergeben worden“, und wie ich mich kenne, habe ich das auch so gesagt.

Von Anfang an mochte ich an Caro, dass sie mit sowas umgehen kann. Überhaupt ist sie erstaunlich offen für Neues, im Vergleich zu anderen wohlbehüteten Töchtern. Nach unserem ersten, kurzen Gespräch trafen wir uns beim abschließenden Mittagessen nochmal wieder. Diesmal erzählte ich den beiden von SelbstLiebe und Move Meta. Meine Berufung schien sie zu interessieren. Immer ein gutes Zeichen bei Leuten. Als es Zeit wurde zu gehen, addeten wir einander auf Facebook.

Nachdem Caro unseren Newsletter abonniert hatte, sah ich sie höchstens sporadisch, aus dem Augenwinkel, in der Chatleiste auf Facebook. Ein paarmal tauschten wir wohl ein paar Zeilen aus, aber das war es dann auch. Bis sie mich im Frühling fragte, ob sie mich wohl im Sommer besuchen könne, um an der Bochumer Gruppe teilzunehmen und mehr über mein Thema zu erfahren. Meine Achtung vor ihr wuchs einmal mehr – die wenigsten nehmen die Kunst des Liebens so ernst, dass sie dafür durch halb Deutschland reisen. Gute Aussichten, falls sie sie wirklich lernen wollte. Sie schlug gleich drei Tage vor; ich sagte mit Freuden zu.

Der erste Tag war ziemlich anstrengend. Caro schien Pausen im Gespräch nicht auszuhalten, und darum immer irgendetwas sagen zu müssen. Wir machten also Konversation, während in mir der Wunsch wuchs, sie entweder vorzeitig nach Hause zu schicken (was der feige Ausweg gewesen wäre, nicht mein Stil) oder ihr irgendwie begreiflich zu machen, dass man nicht notwendigerweise Schall erzeugen muss, um sich miteinander wohlzufühlen.

Ich entschied mich für Letzteres. Als wir uns am Vorabend Gutenacht gesagt hatten, hatte sie mich zum Dahinschmelzen hingebungsvoll umarmt. So fand ich Mut genug, sie zu fragen, ob sie wohl kuscheln möge. Sie bekundete, darüber noch nicht nachgedacht zu haben, und sagte nach kurzem (sichtlichem) Überlegen zu. In dieser Situation sei sie noch nie gewesen, da sie eigentlich nur weibliche Freunde habe. Ich erwiderte, dass ich das den Typ „Frauen-Frau“ nenne, im Gegensatz zur „Männer-Frau“, die sich in meinem Leben viel häufiger findet. (Mit Frauen-Frauen kann ich selten viel anfangen. Merkwürdigerweise ist das umgekehrt genauso.)

In dem Moment, wo ich meinen Arm um Caro legte, fiel alle Anspannung von uns ab. Endlich konnten wir auch Stille miteinander genießen. Der wesentliche Inhalt von Kommunikation ist sowieso einzig und allein „Du bist gut, so wie du bist“, oder eben halt nicht – „Fühl‘ dich gut“, oder „Fühl‘ dich schlecht“. Das kann man sich auch anders sagen. Das gesprochene Wort macht bekanntlich sieben Prozent einer Botschaft aus. Was mich betrifft, ist das Leben für die restlichen 93% gemacht.

Für den nächsten Tag hatte ich mir etwas überlegt. Caro hatte sich gewünscht, mehr über Selbstannahme zu erfahren, und ich wollte ihr meine größte Entdeckung zeigen: Meine morgendliche „Ich-bin-gut-so-wie-ich-bin“-Meditation. Die geht so, dass ich im Bett liege und mich in dieses Gefühl hineindenke (!) – denn aus Denken folgt Handeln, und aus Handeln folgt Fühlen. Dafür stelle ich mir zum Beispiel vor (Denken), wie ich mich selber als kleines Kind in den Arm nehme (Handeln). Irgendwann öffnet sich dann das Gefühl der SelbstLiebe wie eine Blüte, und ich kann mich darin hineinsteigern und verlieren wie eine Hummel im Rhododendron.

Wir legten uns also nebeneinander auf mein Bett und versuchten, das „Ich bin gut, so wie ich bin“ zu erspüren. Doch keinem von uns schien es so recht zu gelingen. Da entsann ich mich, dass ich das Annehmen ja auch zunächst an anderen gelernt hatte. Erst später, mit reichlich Übung, hatte ich es mir selber zu schenken gelernt. Ich schlug also vor, dass wir uns zueinander drehen, in die Augen sehen und einander annehmen – um dadurch zugleich uns selbst anzunehmen. „Wir spiegeln uns selbst in den Augen der anderen“, hatte mir mal ein Therapeut gesagt, und wir hatten das Glück, dafür gerade jeweils jemanden zur Hand zu haben.

Das klappte schon besser, jedenfalls meinerseits. Ich fühlte mich verbunden mit Caro, und spürte meine Liebe stärker werden. Wir hatten nicht geflunkert, lediglich nachgeholfen. In meiner Erfahrung würde unsere spirituelle Verbundenheit nun auch den Wunsch nach körperlicher Verbindung nach sich ziehen. Alles strebt in die Balance, und außerdem ist es ganz natürlich: Menschen sind gemacht für Eins-Sein und Verbundenheit – für Liebe. Alles, was wir tun, kreist immer nur darum.

„Bist du gerade gut, so wie du bist?“ fragte ich Caro nach einer Weile. Ich wollte ganz genau mitbekommen, was wir beide fühlten, welche Impulse wir verspürten und was passieren mochte, wenn wir ihnen folgten. Also spürte ich aufmerksam in mich hinein. Ich genoss es, einfach mit ihr zu sein. Ich liebe es, Menschen tief in die Augen zu blicken – und wenn Caro etwas besonders gut kann, dann den Blick halten. Wir schwebten durch unser privates Universum, wie Sterne umeinander.

Schließlich kam der Impuls, mich zu ihr hinüberzubeugen und ihre Lippen mit den meinen zu berühren. Zuerst ignorierte ich ihn: So, wie ich Caro einschätzte, war das exakt die Grenze, die sie ziehen würde. Und Grenzen zu achten, ist außerordentlich wichtig. Nur dann kann man sie später gemeinsam lustvoll übertreten.

Als zum zweiten Mal der Wunsch in mir erwachte, sie zu küssen, wollte ich es genau wissen. Ich beugte meinen Kopf hinüber und legte meine Lippen behutsam an ihre. Sie reagierte nicht. Ich wusste: Hier war genau der Punkt, wo ihre Moral ihr die Grenze zog. Ich hatte mich offenbart – und musste einen Schritt zurück gehen, um mit ihr Schritt zu halten. „Wie frei bist du innerlich?“, fragte ich sie. Und wusste doch genau: So frei nicht. Selbst, wenn sie dasselbe verspürt haben mochte.

Und auch darin stimmten wir überein. Caro hatte ihrem Mann die Treue versprochen, und meine Absicht war es nicht, sie zu etwas anderem zu verleiten. Wenn sie frei sein wollte, ihre Bedürfnisse aus freier Entscheidung zu befriedigen oder auch nicht (!) – dann würde das nur gelingen, wenn sie diese Freiheit zuvor selbst ergriffen hatte. Und dabei aufrichtig zu bleiben, hieß, ihren Mann bei der Entscheidung einzubeziehen. Von Anfang an. Egal, was sie aus ihrer Freiheit machen würde.

Ich stehe auf Offenheit, Integrität, Vertrauen. Und ich glaube daran, dass Liebe am Ende immer gewinnt, wenn ich ihr die Chance gebe. Schließlich fühlen wir alle uns lieber gut als schlecht. Und was sollte sich besser anfühlen als Liebe?!

Nach ihrem Besuch, der mit intensivem Kuscheln am letzten Morgen endete (und Caro kann kuscheln…), sollten wir uns erst im September wiedersehen, bei der gleichen Veranstaltung wie ein Jahr zuvor. Ihr Mann würde auch wieder mit dabei sein. Und ich verstand schon lange genug von Gefühlen und Spiritualität, um zu wissen, was er nun von mir brauchen würde…

Fortsetzung folgt in Teil 2!

Manuel
m@movemeta.org

Ich bin Manuel, der Gründer von Move Meta. Seit 2013 lebe ich nach einem einzigen Satz: Ich bin gut, so wie ich bin. Heute liebe ich mein Leben. Bei Move Meta erzähle ich davon.

4 Kommentare
  • Johannes
    Veröffentlicht am 26. Februar 2016 um 10:30 Uhr Antworten

    Ich freue mich schon auf den zweiten Teil! :-)

    Und ich glaube, das wir uns bald wiedersehen! :-)

    • Manuel Fritsch
      Veröffentlicht am 27. Februar 2016 um 22:43 Uhr Antworten

      Bald ist es soweit :) Wäre schön, wenn du mal wieder in Bochum mit dabei bist, Johannes!

  • Valentino
    Veröffentlicht am 27. Februar 2016 um 15:29 Uhr Antworten

    Ich bin gespannt auf den 2. Teil und freue mich darauf, dich in Berlin kennen zu lernen.

    • Manuel Fritsch
      Veröffentlicht am 27. Februar 2016 um 22:42 Uhr Antworten

      Hallo Valentino, wenn ich mal wieder in Berlin mit dabei bin, freue ich mich auch, dich kennenzulernen! Bis dahin freut sich unsere wundervolle Moderatorin Jenny auf dich :)

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