Das Geheimnis liebevoller Verführung

12. Oktober 2015

Bitte beachte: Ältere Artikel von mir können überholt sein. 1) Bis Februar 2017 ging ich davon aus, Liebe sei ausschließlich eine Tätigkeit. Ich glaubte, nur ich selbst könne meine Liebe machen. Heute weiß ich: Liebe ist und war zugleich immer schon da, und wird immer da sein, in mir und in der Welt. 2) Bis Juni 2017 hielt ich monogame Beziehungen für überholt und Polyamorie für das überlegene Modell. Heute weiß ich: Bevor ich mit vielen Frauen tiefe Beziehungen eingehen kann, muss ich es überhaupt erstmal mit einer Frau schaffen... 3) Bis August 2017 wollte ich alles an Menschen unterschiedslos annehmen. Heute weiß ich: Nicht alles ist Licht. Tief in uns kann es auch Muster geben, mit denen wir uns und anderen schaden und die es darum auszuschalten gilt. — Manuel

Verführung, das ist für mich ein wundervolles Geschenk: Das Erlebnis, gekonnt begehrt zu werden. Nur etwas für Models, dachte ich früher. Doch die beste Verführerin, die ich jemals traf, war selber auch kein Model. Ganz im Gegenteil! Und trotzdem zog sie mich wie magnetisch an… Sie kannte das verborgene Prinzip liebevoller Verführung: Eine so tiefe innere Verbindung zu schaffen, dass das Körperliche von alleine folgen will.

Kennst du „Midnight in Paris“? Gegen Mitte des Films lässt Gil (Owen Wilson) sich über einen malerischen Antikmarkt treiben, auf der Suche nach allem und nichts. Hach, Paris, möchte man seufzen, angesichts der Souvenirs aus einer guten, alten Zeit, die es so nie gegeben hat. Und das Seufzen geht weiter, denn dem Bild entsteigt die Antiquitätenhändlerin Gabrielle (Léa Seydoux) mit einem leichten, sinnlichen Lächeln und einem Blick, der keinen Zweifel lässt: Wir sehen einen Menschen, der Offenheit ausstrahlt wie ein Leuchtturm und es nicht im Entferntesten nötig hat, sich hinter Masken und Mauern zu verschanzen. Ganz ohne Flirt, lediglich mit einer kurzen Szene aufrichtiger Begegnung, zeigt Woody Allen da Zauberei – und legt für mich den Kern von Verführung bloß.

Gabrielle tut dasselbe, wie meine Verführerin von damals: Sie versucht nicht, irgendetwas darzustellen. Sie versucht nicht, Gil für sich zu gewinnen. Sie ist einfach da, hält ihren Blick und nimmt Verbindung auf. Gerade darin liegt für mich ihr Reiz. Ihre Augen sagen: Ich sehe dich, Gil, sehe aus der Tiefe meines Seins deinen liebenswerten Kern – und bin eins mit dir. Léa Seydoux als Gabrielle ist das vielleicht hinreißendste und verführerischste Wesen, das ich je im Film gesehen habe.

Verführung ist ein Spiel für zwei…

Im echten Leben allerdings kenne ich Verführung als ein Spiel für zwei. Es lebt davon, dass ich und jemand anders, wir beide uns innerlich verbinden wollen, und es dabei körperlich gaaanz langsam angehen lassen. Je größer der Kontrast zwischen innen und außen, zwischen spiritueller Nähe und sinnlichem Abstand, desto mehr prickelt es. Und irgendwann sind dann Knutschen und Sex so natürlich, richtig und langersehnt, wie Blitz und Donner nach einem heißen Sommertag.

Und wie bekommt jemand Lust, dies Spiel mit mir zu spielen? Natürlich, indem ich selbst ein verlockender Mensch bin. Denn Glück ist, was passiert, wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft (Seneca). Gabrielle checkt eben nicht erst Gils Äußeres, sein Auto und seine Brieftasche aus, bevor sie ihm ein Lächeln widmet: Gerade das macht sie so bezaubernd, ist so rein und verlockend an ihr. Das, was völlig aus ihrem Inneren kommt, ohne dass Gil es ihr entlocken musste.

Was Gabrielle sogar mich als Zuschauer spüren lässt, ist ein aufrichtiges „Du bist gut, so wie du bist“ – bedingungslose Liebe, eben. Und die ihrige ist umso wertvoller, weil andere so wenig davon geben. So etwas Wunderbares möchte ich auch ausstrahlen, und der Welt von vornherein mit reinem, vollem Herzen begegnen. Und das gelingt mir auch, weil ich diese Freude in meinem Inneren entspringen lassen kann – weil ich gelernt habe: „Ich bin gut, so wie ich bin.“

…das in mir selbst beginnt…

All meine Unfähigkeit und Hemmungen vertreibt dieser Glaube zugunsten einer spielerischen Neugier, einer unbefangenen, wenig verschämten Männlichkeit und eines spontanen Humors, der auch mir selber Freude macht. Seit ich gut bin, wie ich bin, fühle ich mich innerlich frei, fröhlich und – einfach gut, so wie ich bin! Ich kann über mich lachen, und bringe genauso gerne andere zum Lachen, Staunen, oder dazu, sich selber spannend zu finden. Ich bin *gut*, und schenke es weiter.

Verführung beginnt also zuallererst in mir selbst. Doch sie auch tatsächlich beginnen zu lassen: Das traut sich fast keiner! Fast jeder träumt von prickelnden, aufregenden Begegnungen mit einem Geschlecht seiner Wahl. Ob man das nun Verführung nennt, oder Liiiebe *hach*, oder ganz anders. Doch wie viele legen einen ehrlichen Start hin, und werden erstmal selbst ein verführerischer Mensch? Wie viele schenken sich selbst so viel Liebe, dass sie mit anderen teilen können?

Ich glaube, wer das wagt, kann sich vor Angeboten kaum retten. Auch, weil die wenigsten jemals lernen, sich selbst wirklich zu lieben. Einer guten Freundin von mir geht es inzwischen so: Ihre SelbstLiebe macht sie unwiderstehlich, und die Männer stehen Schlange! Genau das war meine ursprüngliche Idee, lange bevor ich dafür so viele Worte hatte: Ich wollte geliebt werden. Und dafür war ich bereit, selbst das Lieben zu lernen. Bis heute kenne ich kaum einen besseren Anlass.

…und deine innere Schönheit enthüllt.

Von Casanova heißt es, er habe die Schönheit in jeder Frau entdecken wollen. So ging er als größter Liebhaber aller Zeiten in die Geschichte ein. Für mich zurecht: Denn das Innere eines Menschen erkennt nur, wer sich verbinden will – und Eins-Sein ist eben genau: Liebe. Casanova war demnach also ein wahrhaft Liebender.

Früher wusste ich nur das Äußere zu schätzen. Heute offenbart mir meine Bereitschaft zur Verbindung, zum Eins-Sein, die universelle Schönheit jedes Menschen: Die der Sinne und Gefühle. Diese innere Schönheit finde ich tausendmal attraktiver als eine perfekte Oberfläche, die keinerlei Verbindung zulässt. Deshalb halte ich äußere Schönheit auch für einen Fluch, sofern sie ihre Besitzer davon abhält, Charakter zu entwickeln – sinnliche, spirituelle Tiefe, mit der man sich verbinden mag.

Von innen kommt also, was in Leben und Liebe zählt. Wenn ich mit mir selbst eins bin: Dann kann ich auch mit anderen eins werden. Wenn ich mit mir alleine glücklich bin: Dann kann ich auch mit anderen glücklich sein. Wenn ich mir selbst Liebe gebe: Dann kann ich auch anderen Liebe geben – anstatt mit ihrer Liebe meinen Mangel aufzufüllen, wie ein Vampir. Von innen nach außen, und niemals umgekehrt: Das ist das Geheimnis zutiefst verführerischer Menschen.

Manuel
m@movemeta.org

Ich bin Manuel, der Gründer von Move Meta. Seit 2013 lebe ich nach einem einzigen Satz: Ich bin gut, so wie ich bin. Heute liebe ich mein Leben. Bei Move Meta erzähle ich davon.

4 Kommentare
  • Patrick
    Veröffentlicht am 14. Oktober 2015 um 15:42 Uhr Antworten

    Schöner Artikel – Von Innen nach Außen – Das ist der Schlüssel.

  • Britta
    Veröffentlicht am 04. November 2015 um 11:41 Uhr Antworten

    Verführung… der Traum aller Männer. Verführen und verführt zu werden, verführerisch sein….
    Was ich als Dame dazu denke? E R O B E R T uns Frauen doch mal wieder! Die Eroberung liegt noch vor der Verführung und wird gar nicht mehr beachtet,
    geschweige denn bewusst eingesetzt! Sehr bedauerlich. Wenn ich Männer darauf anspreche werde ich mit Klagen überschüttet warum mann nicht mehr erobern möchte…
    Ja… und? Wir Frauen bekommen auch immer noch Kinder, obwohl es so extrem schmerzhaft und anstrengend ist.
    Meine Meinung: du willst verführerisch sein? Dann beziehe Position, richte dich auf und wenn du eine Frau siehst, die du spannend findest, dann geh zu ihr und sag ihr das!
    Und frag sie ob du sie kennenlernen darfst!
    Was kann denn da so Furchtbares passieren? Wenn sie ja sagt, dann ist ja prima und wenn sie dich unangemessen abwimmelt, dann danke dem lieben Gott, dass er dich vor dieser niveau- und herzlosen Person bewahrt hat. Du kannst nur gewinnen :-))
    Erobert uns mal wieder… dann haben wir auch Lust euch zu verführen!

  • Peter Schönhöffer
    Veröffentlicht am 29. Dezember 2016 um 12:16 Uhr Antworten

    Schön geschrieben. Wer das tut, dem geht es sicher besser… Hast du schon dein Leben selbst entsprechend neu aufgestellt..? lg Peter

    • Manuel Fritsch
      Veröffentlicht am 29. Dezember 2016 um 23:59 Uhr Antworten

      Lieber Peter,
      vielen Dank! Ja, Move Meta handelt im Grunde von nichts anderem, als mein Leben neu aufzustellen. Wenn du dich bei uns anmeldest, wirst du mehr darüber erfahren, wie ich das gemacht habe, in unserem M² Vorspiel!
      Liebe Grüße
      Manuel

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