Warum ich vorher wissen will, wenn du mit einer anderen schläfst.

Frau auf Bett Move Meta SelbstLiebe

17. März 2017

Ich weiß noch, wie ich zum ersten Mal bei Manuel zu Besuch war. Er schilderte mir seine Art, Beziehungen zu führen – in Liebe und Freiheit. Es darf sein, was sich gut anfühlt, egal wann und mit wem, und egal wie diese Beziehung dann heißt. So zu leben war für mich damals neu. Zugleich fand ich es faszinierend und liebevoll. Ich gönne dem Menschen, den ich liebe, alles Glück und alle Freude, egal mit wem er sie erlebt. So wollte ich auch denken und fühlen.

Doch oft, wenn Manuel mir von einer anderen Frau erzählte oder sogar, dass er mit ihr geschlafen hatte, spürte ich wenig Mitfreude. Eher war ich traurig und verletzt. Schnell kamen Gedanken wie „Diese Frau ist bestimmt viel interessanter/attraktiver/inspirierender/etc. als ich“ oder „Warum bin ich nicht so gut, dass er außer mir niemand anderen braucht? Warum kann ich ihm nicht alles geben, was er in seinem Leben braucht, um glücklich zu sein?“. Auch wenn mein Kopf mir sagte, dass niemand alles für einen anderen sein kann und ich gut bin, so wie ich bin, ließ sich mein Herz nur selten davon überzeugen.

Ich fürchtete, alles Glück und alle Liebe, die ich in ihm gefunden hatte, wieder zu verlieren. Eben noch verträumt auf Wolke sieben tanzend, kam ich dann dem Rand sehr nahe und erahnte, wie tief man von dort oben fallen kann. In diesen Situationen rief ich dann Manuel an und erzählte ihm, wie ich mich fühlte. Er hörte mir zu, gab mir den Raum, mich mit all meinen Gefühlen zu zeigen und fühlte mit. Häufig hatte ich in diesen Gesprächen neue Erkenntnisse, die mir halfen, mich wieder hoffnungsvoller und glücklicher zu fühlen. Allein, dass er mir zuhörte, schaffte neue Nähe zwischen uns und stärkte unsere Verbindung.

Vor ein paar Tagen erzählte Manuel mir dann wieder einmal von einer Frau, die ihn besucht hatte, der er näher gekommen war und mit der er schließlich auch geschlafen hatte. Als er mir davon erzählte, hatte ich den Eindruck, dass es ihm schwer fiel. Befürchtete er, mich zu verletzen? Dennoch teilte er das mit mir und beschrieb mir auch wie schön, verbunden und erotisch es war. Ein Teil von mir dachte zynisch: „War ja klar, dass Manuel an keiner Frau (=Chance) vorbeikommt, die sich ihm bietet.“ Ein kleiner Teil sah auch, dass es ein schönes Erlebnis war, was beide bereichert und erfreut haben mochte. Aber ein ziemlich großer Teil fühlte nur Schmerz und Trauer.

Mein erster Gedanke war, dass es wieder meine übliche Verlustangst war, mein altbekanntes „Ich bin nicht gut genug“. Doch das allein schien meinen Schmerz nicht zu erklären. Etwas fehlte. Mir kam der Gedanke, dass Manuel vielleicht gar nicht so frei war, wie er meinte oder gern sein wollte, sondern vielmehr seinen Impulsen ausgeliefert. War es wirklich seine Entscheidung? Plötzlich klang sein Wunsch „Ich möchte frei sein“ mehr nach „Ich kann mich nicht entscheiden und möchte mich daher auf nichts festlegen“. Meine Vermutung stimmte ihn nachdenklich. Er konnte mir nicht beantworten, ob das stimmte oder nicht. Vielleicht war ja auch alles zugleich wahr?

Manuel versicherte mir, dass es sich in der Situation richtig angefühlt habe, so zu handeln und dass es, soweit er einschätzen konnte, seine freie Entscheidung war. Irgendwie beruhigte mich das nicht. Noch immer spürte ich einen tiefen Schmerz. Ich fühlte mich so allein damit, so hilflos. Ich weinte und sagte ihm, dass ich den Eindruck habe, dass meine Existenz kaum Auswirkungen auf sein Leben habe. Obwohl er wusste, dass ich da bin, obwohl er wusste, dass es mich verletzte, verhielt er sich so. Ich fragte ihn, ob sein Wissen darum etwas ändere. Er meinte, ja, er fühle sich dadurch eingeschränkt. Beinahe hätte ich gesagt: „Na, wenn das dein einziges Gefühl dabei ist, geschieht es dir recht.“

Ich hatte es satt, immer vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden – nach dem Motto: So ist es, akzeptier es, freu dich für mich oder lass es sein. Ich fragte ihn, ob er mal nicht mit einer Frau schlafen könnte, auch wenn es gerade möglich wäre oder *vorher* mit mir darüber sprechen. Manuel empfand meine Bitte als einen Versuch, ihn in Richtung Monogamie zu drängen und wollte sich nicht darauf einlassen. Stattdessen erklärte mir zum wiederholten Male, dass er eine Beziehung nicht auf Abhängigkeit bauen wolle. Außerdem sei für ihn jede intime Begegnung wertvoll, da sie immer die Chance bietet, etwas Neues zu lernen und zu wachsen.

Er sagte, er würde mir gerne helfen, mich ebenfalls unabhängig von ihm glücklich und geliebt zu fühlen. Nicht nur er könne mir geben, was ich mir wünsche. Im Gegenteil, Liebe sei überall und ich könne sie immer erleben, wenn ich sie nur sehen will. Ich freute mich über sein Ansinnen, aber ein Teil des Schmerzes blieb. Ich sagte ihm, dass ich ihm gar nicht verbieten will, mit anderen Frauen zu schlafen. Es geht mir nicht darum, seine Freiheit einzuschränken oder ihm Erfahrungen zu verwehren. Ich will nur mehr eingebunden sein in den Prozess, mehr Anteil haben an wichtigen Erlebnissen in seinem Leben.

Schließlich meinte er: „Pass mal auf, ich merke, dass du eine ganz besondere Frau für mich bist. Du hast dich tiefer auf meine Idee eingelassen als alle anderen, und wenn ich sie an dich nicht weitergeben kann, dann kann ich es genauso gut sein lassen.“ Deshalb wolle er mir gern schenken, das nächste Mal tatsächlich meinem Wunsch zu entsprechen, mich vorher zu informieren und ggf. sogar ganz darauf zu verzichten, mit einer Frau intim zu werden. Dann könne ich besser einschätzen, was es tatsächlich mit mir macht und ob es mir hilft.

Ich war überrascht und freudig zugleich, dass er das tatsächlich von sich auf vorschlug. Wenige Minuten vorher hatte er sich noch so dagegen gewehrt. Manuel fragte nach, wie ich mir das praktisch vorstelle, besonders, wenn er die Frau nur einmal träfe und es sich spontan ergebe. Ich überlegte. Was wollte ich? Worum ging es mir? Dann sagte ich, dass ich gern sicher sein möchte, dass er diese (körperliche) Nähe gerade *wirklich* will. Dass er nicht leichtfertig diese Grenze überschreitet – nur weil es gerade möglich war, Sex zu haben.

Ich pausierte kurz. Ich wusste nicht, wie ich es anders erklären sollte. Da fragte Manuel mich plötzlich: „Sag mal, kann es sein, dass du eigentlich nur sicher gehen möchtest, dass ich mir selbst nichts antue?“ In diesem Moment reagierte etwas in mir. Tränen stiegen mir in die Augen und liefen über mein Gesicht. Ich konnte nicht antworten. Ich weinte nur. Nach einer Weile sagte ich: „Das habe ich gar nicht gewusst. Aber als du das eben gesagt hast, da hat es sich so wahr angehört.“ Danach weinten wir beide am Telefon. Ich hörte ihn schluchzten, ab und an unterbrochen von „Wow…“.

Er war sehr berührt davon, dass mein Wunsch in Wirklichkeit ein Wunsch für ihn war. „Du willst mich beschützen?“ „Ja.“ Eine Weile lauschten wir nur unserem erleichterten und erschöpften Atem. Bei dem Gedanken daran, dass er mit einer anderen Frau geschlafen hatte, spürte ich auf einmal kein negatives Gefühl mehr. Keine Spur mehr von ungewollten Vergleichen und Mangelgefühlen. Auch mein Schmerz war weg. Da meinte Manuel, dass ihn das nicht wundere. „Eine Frau, die so etwas Tolles geben kann, die so liebevoll ist, muss sich mit niemandem vergleichen.“

Das ganze Gespräch kam mir danach wie ein Wunder vor. Ich hatte eine neue Erkenntnis über mich gewonnen. Und sie war zur Abwechslung mal nicht schmerzhaft – wie das Selbsterkenntnisse oft an sich haben – sondern freudig berührend. Allein wäre ich vielleicht nie darauf gekommen. Umso mehr bin ich fasziniert, wie mächtig die Verbindung zu einem anderen Menschen sein kann. Sie kann Wahrheiten zum Vorschein bringen, die keiner von uns allein erkennen würde. Was für eine unglaubliche Dynamik. Ist es nicht allein deshalb schon wert, unsere Beziehung in Freiheit zu führen?

Caro
caro@movemeta.org

Ich bin Caro und möchte mich für eine liebevollere und schönere Welt einsetzen. Ich moderiere die Leipziger M² Gruppe und liebe echte Begegnungen, in denen ich mich verbunden fühle. Ich mag lebendige Beziehungen, in denen ich wachse - und schreibe gern darüber.

14 Kommentare
  • Iris
    Veröffentlicht am 25. März 2017 um 20:00 Uhr Antworten

    Hallo Caro,

    so ganz verstehe ich manche Aspekte nicht. Zunächst frage ich mich, ob du polyamor lebst? Du unterstützt doch diese Lebensweise bzw. gehst sie gemeinsam mit Manuel ein. Aber bis jetzt habe ich noch keinen Artikel gelesen, in dem du von anderen Beziehungen berichtet hast. Könnte es daher nicht nahe liegen, dass du Manuels Seite, sein Bedürfnis nach mehreren Partnern bzw. die Verbindung auch sexuell zu suchen, gar nicht konkret nachvollziehen kannst, weil du keine Erfahrungen diesbezüglich hast?

    Es ehrt Manuel, dass er sogar soweit gehen würde, dich vorher zu informieren, wenn sich sozusagen Bedürfnis und Gelegenheit mit einem Menschen intim zu verbinden, ergeben. Ich frage mich jedoch, ob das nicht auch seine Lust schmälert. Und wie das bei der anderen Person, die ebenso diese Vereinigung möchte, ankommt. Weil dies doch sicherlich irgendwie zu Sprache kommen wird.

    Und was war mit dem Satz gemeint, dass du Angst haben könntest, er würde sich etwas antun?

    Und steht es ihm nicht auch zu, einfach aus Spaß an der Sache sich mit jemanden intim zu verbinden? Inwiefern soll dies nicht freiwillig geschehen? Ist es verboten, sich seiner Lust hinzugeben? Ich verstehe, dass das Ziel eher eine tiefe, innigere Verbindung sein soll bzw.als Ziel angestrebt wird. Aber kann nicht auch aus Lust solch eine entstehen? Oder wird das Ganze eher als niedere Bedürfnisse angesehen?

    Und wenn du nun, nach dem Manuel dich vorab informieren würde, feststellst, dass wieder Schmerz und/ oder Traurigkeit dein Gefühlsleben bestimmen? Kämst du damit zurecht, wenn er trotzdem täte, was er vorhatte zu tun? Meinst du nicht, dass Manuel Probleme à la schlechtes Gewissen oder Schuldgefühle bekommen könnte, bzw. ihn das unter Druck setzen würde? Ist er dann wirklich frei? Alles spekulativ, ich weiß. Aber ich fürchte, so einfach wie es bei eurem Telefonat für dich klang und du dich von deinem Schmerz befreit fühltest, wird es nicht werden. Wenn du nicht die Freiheit der Polyamorie nutzt, wird doch Eifersucht, also die Angst Manuels Liebe zu dir an jemand anderes zu verlieren ein Thema sein und vielleicht siehst du das Ganze dadurch als Vertrauensbruch.

    Liebe Grüße
    Iris

  • Caro
    Veröffentlicht am 25. März 2017 um 20:56 Uhr Antworten

    Liebe Iris,

    vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Ich möchte versuchen, auf alle Punkte einzugehen.

    Ja, ich lebe auch polyamor. Ungeführ vor einem Jahr haben wir hier auch einen dreiteiligen Artikel gepostet, der die Geschichte der Öffnung meiner Ehe erzählt. Ungefähr ein Jahr lang habe ich also zwei Beziehungen parallel geführt. Letzten Sommer haben mein Mann und ich uns aber getrennt. Danach hatte ich eine andere sexuelle Begegnung mit einem Mann, von der ich hier (noch) nicht geschrieben habe.

    Bis zu welchem Grad ich Manuels Bedürfnisse nachvollziehen kann, weiß ich letztendlich nicht. Ich kann nur versuchen, es anhand seiner Erzählungen zu verstehen. Ob ich das vollständig tue, weiß ich nicht.

    Das Angebot, mich vorher zu informieren, kam von Manuel. Als ich ihn anfangs darum bat, lehnte er es ab. Aber er hat sich schließlich freiwillig dazu entschieden. Er wollte mir gern die Möglichkeit geben, zu überprüfen, ob es für mich einen Unterschied macht. Bei nächster Gelegenheit werde ich es vielleicht erfahren und kann dann davon berichten. Dass es ihn ehrt, finde ich auch.

    Mit meinem Wunsch, dass er sich nichts antut, meine ich, dass er nicht unachtsam mit sich umgehen soll. Ich habe schon die Erfahrung gemacht, dass ich mich auf manche Sachen eingelassen habe, die sich danach eher schal anfühlten. Ich hatte es einfach gemacht, weil es sich gerade anbot. Oder ich habe es gemacht, bevor ich mir sicher war, ob ich das überhaupt wollte. Ich wünsche mir für ihn, dass er immer genau in sich hineinspürt, was er gerade möchte. Wenn er es dann will, dann werde ich es ihm sicher nicht verbieten.

    Wenn Manuel mir vorher davon erzählt, dass er mit einer anderen Frau schlafen möchte, besteht natürlich die Möglichkeit, dass ich trotzdem traurig oder verletzt bin. Und das werde ich ihm auch sagen. Er ist dennoch frei, es zu tun. Und genauso bin ich frei, zu fühlen, was ich fühle. Es ist mein Wunsch, mich mit und für ihn freuen zu können, wenn er etwas Schönes erlebt. Doch wenn es mir nicht gelingt, möchte ich diese traurigen Gefühle auch annehmen. Ich kann und will mich nicht zur Freude zwingen. Ich hoffe, dass ich eines Tages nur noch Mitfreude empfinden und keine negativen Gefühle mehr haben werde. Aber es wäre unaufrichtig, so zu tun, als wäre es jetzt schon so. Ich kann natürlich nicht verhindern, wenn Manuel dann ein schlechtes Gewissen hätte. Genauso wenig wie er verhindern kann, dass ich traurig oder verletzt wäre.

    Du schreibst, dass wenn ich die Freiheit der Polyamorie nicht nutze, ich Manuels Verhalten als Vertrauensbruch empfinden könnte. Aber selbst wenn ich das tue, besteht diese Möglichkeit trotzdem. Nichts, außer meiner eigenen (spirituellen) Weiterentwicklung schützt mich vor solchen Gefühlen.

    Ich glaube auch nicht, dass dieses Thema mit einem Telefonat nun aus der Welt ist. Ich wollte in diesem Artikel hauptsächlich zeigen, dass ich (neben den „offensichtlichen“ Themen, wie Eifersucht, Verlustangst und „Ich bin nicht gut genug“-Denken) auch eine andere Motivation hatte. Eine, die sich um ihn sorgt und die ich nur dank ihm überhaupt entdeckt habe. Dafür bin ich ihm sehr dankbar.

    Alles Liebe
    Deine Caro

  • Christoph
    Veröffentlicht am 25. März 2017 um 23:26 Uhr Antworten

    Wow, danke für diese Teilgabe liebe Caro!

  • Iris
    Veröffentlicht am 26. März 2017 um 10:07 Uhr Antworten

    Liebe Caro,

    Danke für deine Antwort.

    Ich habe den Artikel schon verstanden und auch eure freien Entscheidungen nicht in Frage gestellt. Im Vordergrund stand für mich deine anfangs geschriebenen Schilderungen deiner Gefühle. Dass du tiefen Schmerz verspürt hast, dich allein und hilflos fühltest, Eure Kommunikation miteinander und euer Entgegenkommen lief doch letztendlich positiv aus.
    Dass du aus Empathie und weil du ihn liebst, nicht möchtest, dass er unangenehme Erfahrungen macht, ist eine Erkenntnis, die meines Erachtens schon da war. Ihr habt dass in euren Artikeln in meinen Augen deutlich gemacht, Ihr seid wohlwollend, ein Stück weit selbstlos und wollt das Beste für einander. Thematisiert wurde für mich: Wie gehen ich und mein Partner damit um, wenn er einer anderen Frau Zuneigung schenkt. oder schenken will.

    Es ist dein Wunsch, dich mit und für ihn zu freuen, doch wenn es dir nicht gelingt, möchtest du auch diese unangenehmen Gefühle annehmen. Du willst dich nicht zur Freude zwingen, schreibst du. Aber gleichzeitig schreibst du „Ich hoffe, dass ich eines Tages nur noch Mitfreude empfinden und keine negativen Gefühle mehr haben werde.“ Keine negativen Gefühle mehr? Absolut?

    Ich will mit keinem meiner Worte etwas unterstellen. Jedoch klingt es für mich so, als würde dein Kopf entscheiden, was du zu fühlen hast. Ich habe Bedenken, dass das Ganze nur eine Art Refraiming ist. Dass du dir doch ablehnend deiner Gefühle gegenüber bist. Meine Intention ist eben nur, dass du ehrlich dir gegenüber bist und dir treu bleibst.

    Eine polyamore Beziehung läuft nicht reibungslos und es ist schön, dass ihr eure Erfahrungen teilt. Aber nennt das Kind doch beim Namen. Denn die Artikelüberschrift und Frage „Warum ich vorher wissen will, wenn du mit einer anderen schläfst“ läuft nicht nur darauf hinaus, dass Manuel für sich selber sorgen soll. Ein anderer könnte das Ganze als Entmündigung sehen oder Kontrolle, so nach dem Motto: Du hast mich vorher gefälligst zu fragen.“
    Klar, du willst dein Inneres ergründen und die Chance erhalten, nicht vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden, Denn Wissen und Einverständnis sind Bedingung. Aber wie ich eben schrieb und meinte, nennt das Kind beim Namen.

    Liebe Grüße
    Iris

  • Caro
    Veröffentlicht am 26. März 2017 um 10:54 Uhr Antworten

    Liebe Iris,

    danke für deine Antwort.

    Du schreibst, dass dir bereits klar war, dass ich aus Liebe und Empathie Manuel wünsche, dass er keine negativen Erfahrungen macht – um seinetwillen. Aber genau das, war mir vorher nicht klar. Ich dachte von mir selbst, dass ich es nur aus Verlustängsten, etc. nicht wollen würde. Vielleicht wusstest du an dieser Stelle mehr als ich.

    Es freut mich sehr, dass du in unseren anderen Artikeln unser Verhalten als wohlwollen und sogar selbstlos wahrgenommen hast. Und es ist ja genau unser Anliegen, zu zeigen, wie wir mit den verschiedenen Herausforderungen einer (polyamoren) Beziehung umgehen.

    Wenn ich von „negativen Gefühlen“ schreibe, dann ist mir bewusst, dass es das eigentlich nicht gibt. Ich habe es nur als zusammenfassende Bezeichnung für Gefühle wie Trauer, Angst, Schmerz, etc. verwendet, die landläufig als negativ gesehen werden.

    Wenn du vermutest, dass ich meine Gefühle manchmal ablehne, hast du bestimmt Recht. Ich habe schon öfter gedacht: „Oh mist, ich würde es gern so und so empfinden, kann es aber nicht.“ Gerade deshalb ist es mir ja wichtig, zu lernen „alle“ meine Gefühle ehrlich zu kommunizieren und anzunehmen.

    In deinem letzten Punkt schreibst du, dass aus deiner Sicht, der Titel nicht zum Inhalt des Textest passt. Es stimmt, dass man mit dem Titel auch eine andere Story assozieren könnte. Ich wollte ihn gern so wählen, dass er noch nicht die Haupterkenntnis des Artikels verrät, sondern neugierig macht, ihn zu lesen. Es ist durchaus möglich, dass meine Wahl nicht optimal war. Aus meiner Sicht sagt der Titel nur: Warum ich es *wissen* will und nicht, dass ich es entscheiden können möchte.

    Liebe Grüße
    Deine Caro

  • Iris
    Veröffentlicht am 26. März 2017 um 14:21 Uhr Antworten

    Liebe Caro,

    auch hier Danke für deine Antwort.

    Mir erschließt sich nicht die Logik aus Verlustängsten heraus zu wollen, dass der andere sich nicht selber schadet. Weil das was bedeuten würde? Wo ist der Zusammenhang?

    Weil ich gelesen habe – dass du an das Gute im Menschen glaubst, weil Gutes entsteht, wenn man aus Liebe und Freude handelt. und ich gelesen habe, dass für dich einen Menschen zu lieben bedeutet ihm von Herzen alles Gute, Glück und Freude zu wünschen, auch wenn er diese Gefühle mit anderen Menschen erlebt – ist für mich wohlwollend. Und wenn man die Bedürfnisse eines anderen über seine eigenen stellt, ist das für mich ein Stück weit selbstlos. Wenn ich dazu noch die Intention von Move Meta nehme und lese, dass ihr füreinander da seid und euch zuhört, wie kann ich anderes schlussfolgern?

    Mir ist schon klar, was mit negativen Gefühlen gemeint war und das dies letztlich nur eine Bewertung darstellt, wenn man diese als negativ bezeichnet. Für mich las sich das nur als Widerspruch heraus. Ich möchte alle Gefühle annehmen, aber gleichzeitig nur Mitfreude empfinden.

    Zum Artikelnamen: ich meinte nicht unbedingt er hätte anders benannt werden sollen und ich meinte auch nicht, dass der Artikel aussagt, dass du entscheiden können möchtest. Für mich las es sich als Verklärung des Problems. Ich denke, ich bevorzuge deutliche Aspekte und das fehlte mir. Also ist es von mir nicht böse gemeint, sondern ich wollte nur verstehen und vielleicht gedanklich einen bestenfalls persönlich wertvollen Beitrag leisten.

    Liebe Grüße
    Iris

  • Caro
    Veröffentlicht am 26. März 2017 um 14:53 Uhr Antworten

    Liebe Iris,

    zunächst einmal vorneweg: Ich glaube auch nicht, dass du irgendetwas böse gemeint hättest. Ich freue mich über dein Feedback. Ich habe nur den Eindruck, dass ich weiterhin nicht verstehe, worauf genau du hinauswillst. Inwiefern hätte der Artikel für dich klarer sein können? Was wurde nicht deutlich genug? Was hättest du gern hier gelesen? Was meinst du mit „Verklärung des Problems“?

    Ich sehe auch keinen Zusammenhang, zwischen Verlustangst und Sorge um jemand anderen. Es sind einfach nur zwei verschiedene Gründe dafür, warum ich traurig oder verletzt bin, wenn Manuel mit einer anderen Frau schläft. Bis zu dem beschriebenen Gespräch dachte ich, dass ich nur weil ich Angst habe, ihn zu verlieren oder denke, ich wäre nicht gut genug, verletzt und traurig bin, wenn er mit einer anderen Frau schläft. Die neue Erkenntnis bestand darin, dass ich auch noch einen anderen (selbstloseren) Grund dafür habe, nämlich meine Fürsorge für ihn.

    Ja, ich würde mir wünschen, nur Mitfreude zu empfinden, wenn Manuel mir von Erlebnissen mit einer anderen Frau erzählt. Wenn es aber nicht so ist, möchte ich alle Gefühle annehmen, die kommen. Daher sehe ich das nicht als Widerspruch. Das eine ist das (ferne) Ziel und das andere der Ist-Zustand.

    Liebe Grüße
    Caro

  • Iris
    Veröffentlicht am 26. März 2017 um 19:18 Uhr Antworten

    Liebe Caro,

    mit Verklärung des Problems meine ich, dass die Fürsorge von dir zum Schluss in den Vordergrund gerückt wird. Das scheint positiv besetzt zu sein, lässt aber außer Acht, dass Fürsorge im eigentlichen Sinne nicht der Grund für deine tiefe Traurigkeit oder Verletztheit sein kann. Von mir natürlich nur gemutmaßt.

    Wenn man sich aus Fürsorge um jemanden Gedanken macht, dann ist das Sorge und man ist besorgt. Wenn man besorgt ist, fühlt man Angst, denn man befürchtet ja, dass etwas eintritt. Du befürchtest, dass Manuel unüberlegt handelt und eine schlechte Erfahrung macht. Das wäre nicht schön, aber inwiefern verletzt dich das? Und ist das wirklich alles, was du befürchtest?
    Tiefe Traurigkeit entsteht daraus eigentlich auch nicht, denn es wäre „nur“ eine negative Erfahrung, die doch wesentlich mehr Gewichtung hätte, würde Manuel selber ein Problem damit haben. Ich sehe den Ursprung deiner Gefühle absolut nicht darin. Auch wenn du Sorge um Manuel hast, also dich mit um sein Wohlergehen kümmern möchtest, erscheint mir das eben eher wie, ich muss dem Ganzen etwas positives abgewinnen und das wird hier für mich mehr gewichtet,

    Deutlich genug wurde für mich nicht das Kernproblem benannt. Ich las, dass du ein Problem damit hast, wenn Manuel anderen Frauen Zuneigung schenkt. Ich hätte mir gewünscht, zu lesen was dich tief traurig macht und verletzt und warum. Kurz angeführt wurde nur etwas in Klammern. Ist das nicht beachtenswerter oder gar etwas anderes, dass für solche Gefühle sorgt? In meinen Augen wäre das gewinnbringender. Vielleicht nur für mich, aber vielleicht auch für andere

    Liebe Grüße
    Iris

  • Caro
    Veröffentlicht am 26. März 2017 um 19:50 Uhr Antworten

    Liebe Iris,

    danke für deine Erklärung und die Gedankenanstöße. Ich denke, ich verstehe jetzt besser, was du meinst.

    Ich möchte nicht behaupten, dass ich nur aus Sorge um Manuels Wohlergehen traurig oder verletzt bin. Das hat bestimmt auch andere Gründe, die ich ja auch benannt habe. Hättest du dir diesen Teil noch ausführlicher gewünscht? Vielleicht schreibe ich ein anderes Mal darüber.

    Ich bemühe mich, so ehrlich wie möglich über meine Gefühle und die Gründe dafür zu schreiben. Allerdings kann ich die Gründe natürlich nur insofern schildern, wie sie mir bewusst sind. Und wenn ich eine neue Erkenntnis habe, sprich erkenne, warum ich auf eine bestimmte Weise empfinde, dann werde ich gern darüber schreiben.

    Es war nicht meine Absicht, unbedingt etwas Positives aus meiner Traurigkeit zu ziehen. Ich war ja selbst überrascht, dass es da etwas Positives, wie Fürsorge, gab. Deshalb habe ich es vielleicht stärker betont. Weil es das Neue in unserem Gespräch war. Und nachdem wir das herausgefunden hatten, spürte ich tatsächlich keine „negativen“ Gefühle mehr. Es hatte sich etwas verändert.

    Zu deiner Frage, weshalb es mich verletzen sollte, wenn Manuel eine schlechte Erfahrung macht. In einer ganz anderen Situtation habe ich einmal erlebt, wie ihm etwas gesagt wurde, was ihn verletzt hat. Es hat ihn sehr beschäftigt, aber anstatt es zu fühlen, hat er versucht es wegzuerklären oder zu rationalisieren (was auch immer der Fachbegriff dafür ist). Ich habe Angst bekommen, dass ihn dieses schmerzliche Gefühl innerlich kaputtmachen würde, wenn er es nicht zulassen und annehmen könnte. Ich habe mich in diesem Moment sehr traurig gefühlt und diesen Schmerz gespürt, obwohl er ihn noch gar nicht wahrgenommen hat. Als ich ihm von meiner Sorge erzählte, kamen ihm die Tränen. Vielleicht wäre diese Geschichte auch einen Artikel wert…
    Damit möchte ich zeigen, dass ich schon aus Fürsorge oder Mitgefühl traurig oder verletzt sein kann. Vielleicht steckt auch hier noch etwas anderes dahinter. Aber solange ich nicht weiß, ob und was das sein könnte, kann ich nicht davon erzählen. Eventuell kommt es noch. Ich bin gespannt.

    Liebe Grüße
    Deine Caro

  • Johannes
    Veröffentlicht am 28. März 2017 um 21:03 Uhr Antworten

    Liebe Iris, Liebe Caro,

    Danke für euren Gedankenaustausch und euren genauen Beobachtungen – ich glaube, es ist ein sehr wichtiger Artikel. Gerne würde ich auch Manuel dazu hören, und wissen wie ihr euch (Caro und Manuel) dazu (zu diesem Artikel und den Kommentaren) jetzt unterhaltet, sowie stellt.

    Das wäre für mich großartig. Denn ich habe das Gefühl, das Caro gerne Manuel als festen Partner haben möchte (auch wenn beide polyamor weiterleben würden). Was sagt ihr (Manuel, Caro, Iris und alle anderen) dazu?

    Alles Liebe und ich freue mich
    Johannes

    • Manuel Fritsch
      Veröffentlicht am 07. April 2017 um 15:05 Uhr Antworten

      Lieber Johannes,

      mir ist wichtig, in meinem Leben möglichst wenig vorwegzunehmen, was von meinen Gefühlen abhängt. Denn woher will ich wissen, wie ich mich morgen fühle, oder nächstes Jahr? Das gilt insbesondere für intime Beziehungen. Insofern stehe ich zu dem, was ich Caro immer gesagt habe, und immer wieder im Blog betone – die Grundlage einer jeden Beziehung ist für mich Freiheit. Auch die Freiheit, morgen anders fühlen zu dürfen als heute. Ich will jederzeit loslassen können, mich nicht zu etwas verpflichtet fühlen müssen. Nur dann ist eine Entscheidung für jemanden eine freie, jeden Tag erneut.

      Alles Liebe
      Manuel

  • Caro
    Veröffentlicht am 28. März 2017 um 21:48 Uhr Antworten

    Lieber Johannes,

    danke für deinen Kommentar. Es freut mich, dass du den Artikel wichtig findest. Ich habe dieses Erlebnis auch so empfunden.

    Du vermutest, dass ich Manuel gern als festen Partner hätte, wenn auch in einer polyamoren Beziehung. Ich weiß nicht, was deine Vorstellung von „festem Partner“ beinhaltet, aber ich wünsche mir auf jeden Fall einen deutlichen Wir-Anteil in unserer Beziehung. Manchmal habe ich Angst davor, dass ich das mehr will als Manuel und zweifele daran, ob ich diese Beziehung (auf diese Art) weiterführen möchte. Andererseits verändert sich im Moment ziemlich viel. Außerdem gibt es immer wieder so viele berührende, emotionale Momente zwischen uns, aus denen ich lerne und wachse. Daher ist mir unsere Beziehung sehr wertvoll.

    Ich kann keine Zukunftsprognosen über unsere Entwicklung abgeben. Und manchmal ist diese Unsicherheit schwer zu ertragen. Aber es ist auch die Chance für mich, zu lernen damit umzugehen. Ich kann mir (zur Zeit) keine schönere, innigere und bereichernde Beziehung vorstellen. Ich versuche einfach, mich auf diese gemeinsame Reise einzulassen ohne vorher genau wissen zu müssen, wo wir ankommen werden.

    Liebe Grüße
    Deine Caro

    • Indie
      Veröffentlicht am 30. März 2017 um 14:38 Uhr Antworten

      Liebe Caro,

      es ist schön einmal von dir zu lesen, dass du dir (eigentlich) eine feste polyamore Partnschaft wünschst, weil genau das auch mein Eindruck (und obwohl ich euch beide nicht persönlich kenne) aufgrund deiner Artikel und Kommentare ist.

      Ich finde es beeindruckend mit welcher Offen- und Ehrlichkeit du hier von solch persönlichen Empfindungen schreibst. Ich würde mich wirklich gerne einmal persönlich mit dir unterhalten.

  • Johannes
    Veröffentlicht am 31. März 2017 um 14:43 Uhr Antworten

    Danke Dir für deine Ehrlichkeit Liebe Caro.

Dein Kommentar ist willkommen.

Liebe selbst. Und werde ge­liebt.