Wie Luisa mir schenkte, was viele vergeblich von ihr wollten

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16. Juli 2016

Image: „Red Explosion“ by Ben Raynal on flickr is licensed under CC BY-NC 2.0.

Als ich Luisa zum ersten Mal begegnete, tanzte sie mir auf der Treppe entgegen. Ich war auf einer WG-Party eingeladen, und Luisa kam aus dem vierten Stock herunter, weil der Türöffner kaputt war. Ich aber war schon im Treppenhaus, und wusste nicht, dass sie zur WG gehörte. So gingen wir zuerst aneinander vorbei. Ich stieg hinauf, sie schlängelte sich verträumt am Geländer herab.

Ich war sofort fasziniert. Luisa war vollkommen bei sich, präsent und zugleich in ihrer eigenen Welt; ihr Gesicht entspannt, ihre Haare in wirrer Mähne um den Kopf. Ihre sinnlich-liebevolle Ausstrahlung war überwältigend. So jemandem war ich noch nie begegnet!

Auf der Party fand ich mich später im Flur wieder. Und da war Luisa auf einmal auch. Irgendjemandem erzählte ich gerade etwas besonders Schlaues von Terry Pratchett, und zitierte auf Englisch. Da kam sie herüber und sagte zu mir, dass ihr mein Dialekt gefalle. Sie fragte, woher ich ihn hätte. Ich erzählte ihr, dass ich abends immer Hörbücher von Terry Pratchett höre. Daraufhin bat sie mich, den Titel meines Lieblingsbuches von ihm auf ein Stück Tapete zu schreiben. Es sollte sie wohl an die Party erinnern. Als ich aber den Stift in der Hand hatte, konnte ich mich nicht daran erinnern. Da drehte ich mich zu ihr und sagte: „Ich kann mich nicht konzentrieren, du lenkst mich ab. Ich finde dich so faszinierend.“

Luisa, Luisa. Vielleicht hätte ich das nicht sagen sollen. Andererseits, vielleicht hätte sie mir dann nicht ihre Nummer und E-Mail-Adresse gegeben, um in Kontakt zu bleiben. Sie schrieb beides auf einen ausgerissenen Zettel. Ich hätte mich am liebsten noch weiter mit ihr unterhalten. Leider wurde sie da zu neuen Gästen gerufen. Später schien sie keine Zeit mehr für mich zu haben. Ich erinnere mich noch, dass sie sich kurz an ihren Mitbewohner ankuschelte, als ich mich gerade mit ihm unterhielt. Dann war sie weg.

Am nächsten Tag tauschten wir zwei SMS aus. Da ihre Antwort eher förmlich ausfiel, dachte ich mir, das wäre es wohl gewesen. Zwei Wochen später schrieb sie mir aus heiterem Himmel, sie habe an mich gedacht, und schickte mir „herzens-gute, knusper-keksige, sonnen-wärmende“ (im November!) Sonntagsgrüße. Ich schrieb zurück, dass ich gerne mehr von ihren Gedanken erführe. Sie lud mich zu einer Theatervorstellung ein, in der sie auftreten würde. Woraufhin ich schrieb, dass ich gerne käme, aber wegen ihr.

Oh, was war das für ein komischer Abend! Die ganze Zeit nach der Vorstellung wartete ich darauf, dass sie endlich Zeit für mich fände. Ich kannte sonst niemanden dort, und fühlte mich auch nicht nach Socialising. Ihr hingegen schien so gar nicht nach mir zu sein. Ich kam mir irgendwann reichlich deplaziert vor, weil nur noch das Ensemble zugegen war. Also suchte ich nach ihr, und verabschiedete mich sogleich – mutmaßend, dass ich *und* Dernierenfeier wohl doch ein wenig zu viel seien. Später sollte sie mir erzählen, dass sie sich unwohl gefühlt hatte, weil ich die ganze Zeit von weitem nach ihr geschaut hätte. Das stimmte auch, allerdings war ich ja nun ausdrücklich wegen ihr gekommen…

Drei Wochen später fragte ich dann nochmal, ob wir uns sehen wollten. Ihre Antworten waren das Widersprüchlichste, was ich je über mich gelesen habe. Einerseits sei ich unglaublich faszinierend, wertvoll und sehr sonderbar, wunderbar sonderbar; andererseits schloss sie romantische Gefühle aus und fühle sich nicht wohl bei dem Gedanken, mir zu begegnen.

Hier hätte alles enden können – wenn ich nicht nochmal verwundert nachgehakt, und sie ein kurzes Telefonat vorgeschlagen hätte. Daraus wurden zwei Stunden, in denen wir uns einander öffneten und zum ersten Mal wirklich nahe waren. Danach war ich umso faszinierter von ihr. Und wir verabredeten uns für den nächsten Tag bei mir.

Sie sein zu lassen, wie sie ist. Völlig mit ihr da zu sein, absolut präsent, und sie in bedingungsloser Annahme regelrecht zu baden. So will ich sein, wenn ich mit einer Frau zusammen bin. Ich will einen Raum um sie öffnen, in dem keinerlei Druck auf ihr lastet; in dem meine alte Bedürftigkeit keinen Platz hat, die mir früher immer in die Quere kam und mich im schlechtesten Licht dastehen hat lassen. Totale Freiheit des Seins, absolutes Okay-Sein mit allen Gefühlen und Bedürfnissen: So will ich mich heute anfühlen.

Mit Luisa gelang mir das exzellent. Zuerst am Telefon, und nun auch in echt. So durfte ich erleben, wie dieses empfindliche, anmutige Wesen in völliger Freiheit aufblühte. Luisa betrat meine Wohnung im Abendkleid, und legte sich erstmal unter den Küchentisch. (Bei mir ist es immer sehr sauber.) Später tanzte sie ohne Musik durch meine Wohnung, und ich war einfach da und genoss ihr Sein. Dazwischen unterhielten wir uns über die tiefsten Themen, über ihr Leben und meines, über Gefühle und Bedürfnisse, Männer und Frauen und die Liebe – und kreisten in weitem Abstand umeinander.

Das ist noch so etwas, worauf ich inzwischen achte: Finger weg, bis alles wirklich stimmig ist. Körperliche Annäherung ist in meinem Leben einfach zu oft schief gegangen, sodass hinterher alle Stimmung dahin war. Und so musste dieses Thema erstmal besprochen und geklärt werden, bevor wir ein wenig in meiner Hängematte kuschelten. Später, nach einem Spaziergang, brachte ich sie dann zur Bahn. Das war unser erster intensiver Tag zusammen, und für den Moment war es auch wirklich genug.

Einen Monat später sahen wir uns wieder, für einen Abend bei mir. Wieder feierte ich mit ihr das Gefühl völliger Freiheit und ultralangsamer Eskalation. Ich machte Schiller an, und wir genossen einfach die Musik, uns auf dem Teppich reckend, jeder für sich. Draußen war es schon dunkel, und ich hatte eine Kerze und meine Heizung angemacht, weil ich wusste, dass sie es warm mag. Irgendwann berührten sich unsere Füße, oder waren es die Fingerspitzen… Es fühlte sich an wie bei Contact Improvisation, wo man sich nur an einer Stelle berührt – wenn überhaupt – und gemeinsam frei und spontan durch den Saal tanzt, oder besser: durch den Saal improvisiert.

Als wir uns erst einmal berührt hatten, steigerten wir uns langsam weiter. Ich genoss es wie ein Kind an seinem Geburtstag, ihr sanft über das Haar zu streichen, über ihre Arme und Beine; immer wieder Abstand zu nehmen und uns dann wieder näher zu kommen. Wenn eine Frau und ich uns einmal berührt haben, und es sich gut anfühlt, fällt mir danach alles viel leichter. Es ist wie ein sicherer Boden unter den Füßen, wie ein verlässliches Vertrauensfundament.

Langsam, ganz langsam näherten sich unsere Köpfe an. Wir saßen auf dem Boden, lehnten uns aneinander an, strichen mit den Fingern über den Körper des anderen… Ich spürte in mich hinein, kam bis beinahe an ihre Lippen heran, drehte schließlich doch noch ab und traute mich immerhin, ihren Hals zu küssen. Dann entfernten wir uns wieder, ohne aber ganz voneinander zu lassen. Noch heute sehe ich Luisa vor mir, wie sie mit ihren Lippen spielt, sinnlich und selbstvergessen mit ihrer Zunge darüber fährt, die Augen geschlossen und das Kinn erhoben. So echt und natürlich wie ein Kind, völlig ungehemmt und gelegentlich aufseufzend. Ein außergewöhnlicher Anblick; voller Erotik, und dabei komplett bekleidet.

Ich wusste, dass sie noch nie jemanden mit Zunge geküsst hatte. Sie hatte es mir erzählt. Es hatte noch nie jemanden gegeben, der ihr so nahe kommen durfte; mit dem es sich richtig angefühlt hätte. Ständig, praktisch jede Woche, bekomme sie Angebote von Männern – mal subtiler, mal weniger. Doch dahinter spüre sie immer die Bedürftigkeit; dieses Saugen an ihr, dieses Gieren nach „Mach-mir-mein-Glück“. Diese emotionalen Abhängigkeiten, die sich unweigerlich Bahn brechen, und am Ende immer zum Vorschein kommen. Sie fand das abstoßend, suchte dann sofort das Weite.

Deshalb war ich überrascht, als sich alles danach anfühlte – und wir uns schließlich tatsächlich küssten, mit spielenden Zungen. Mir war völlig klar, welche Bedeutung dieser Moment für sie hatte. Sie hatte zum ersten Mal zugelassen und einfach geschehen lassen, was sie sich früher bis zur Ehe hatte aufsparen wollen. Ich fühlte mich tief geehrt, dieses Geschenk von ihr zu bekommen, und schwebte geradezu durch den Rest des Abends. Ihre Dankbarkeit danach per SMS, so sorgsam mit ihr umzugehen, war mir ein außerordentliches Kompliment.

Was dann einige Wochen später passiert ist, habe ich so niemals zuvor und danach erlebt. Wir telefonierten, und ich beschrieb ihr, dass meine Zuneigung und mein Raum um sie wirklich absolut bedingungslos seien; dass es das sei, worauf ich mit einer Frau allergrößten Wert lege. Wir unterhielten uns noch ein paar Sätze – und mit einemmal versagte ihre Stimme! Sie verfiel in ein Stottern und brachte minutenlang nur noch einzelne Laute und Lachen hervor.

Ich hatte Luisa so tief berührt, dass etwas in ihr frei geworden war, das den Verstand überrollte. Sie war zu sehr im Herzen, als dass sie noch klare Worte hervorbringen konnte. Da fühlte ich mich ihr so nah! Sie schien völlig mit sich selbst verbunden; und das hatte sie mit mir erlebt und zeigte es mir ganz offen… Es fühlte sich an wie Sex. Nur eben ohne alles, was „normalerweise“ dazugehört – einfach bloß durch geistige Nähe, Verbundenheit und Eins-Sein. Nur beim Sex hatte ich bis dahin erlebt, dass der Körper einer Frau ein Eigenleben beginnt, dass sie zu zittern und zu zucken beginnt, unkontrolliert.

Für Luisa selbst, so sagte sie mir später, war das gar nichts Außergewöhnliches. Sie erlebe das, wenn sie sich Gott besonders nahe fühle. Das verstand ich gut, denn „Gott“ ist ja nichts anderes als das allumfassende Eins-Sein. Und um Eins-Sein geht es mir ja auch, wenn ich mit einer Frau zusammen bin. Auf allen Ebenen, geistig und körperlich. Es sind nur andere Worte, aber am Ende meinen wir alle dasselbe, in allen Religionen und Lebensphilosophien. Liebe ist Eins-Sein, ist Gott, ist … alles.

Noch ein weiteres Mal sollten wir einen Abend miteinander verbringen, bevor ihre SMS kam, die ich nie wirklich verstanden habe. Wir starteten wieder mit unserem ungehemmten, regellosen Tanz umeinander, mit Gespräch und Berührung, und trafen uns diesmal schon bald in meiner Hängematte. Ihr feurig-rotes Haar machte mich total an, und ich begann, sie auszuziehen. Ihre Brüste waren wundervoll. Ich konnte gar nicht genug davon bekommen, und sie auch nicht. Sie habe gerade einen Brüste-Tick, sagte sie.

Nachdem sich meine Hände ausgiebigst mit ihrem Busen beschäftigt hatten, wanderten meine Finger unter ihr Kleid, ihre Beine entlang, und dann dazwischen. Sie war nass, durch den Slip hindurch. Sie gestattete mir, sie zwischen den Beinen zu massieren, und ich hatte meine helle Freude. Wir waren wie ein Kunstwerk, ein lebendiges, der Lust und des Spiels, der Erkundung und des Abenteuers. Ich weiß noch, wie sie sich später auf meiner Küchenholzplatte aufstützte, meine Finger in ihr; wieder ihr genussvolles, selbstvergessenes Spiel mit Zunge und Lippen… wie sie ihren Slip auf meiner Heizung trocknete, weil er klatschnass war, ich ihn dort liegen sah und laut lachen musste. Und wie sie mich später in den Mund nahm, um zu erkunden, wie das alles so ist und aussieht bei mir. Dann brachte ich sie zur Bahn.

Vielleicht hätte ich an dem Tag nicht sagen sollen, der Richtige zu sein. Womit ich meinte, dass ich gerne ihr erster wäre. Vielleicht war ihr auch alles zu schnell, oder ich ihr zu intensiv. Oder es war etwas in ihr selbst, von dem ich nie erfahren habe. Jedenfalls war dies das letzte Mal, dass sie bei mir war. Ich hätte sie zwar gerne wiedergesehen, aber auf meine gelegentlichen Nachrichten reagierte sie immer verhaltener. Und ich laufe Leuten nicht hinterher, wenn sie sich damit unwohl zu fühlen scheinen.

Schließlich schrieb sie mir nach drei Monaten eine SMS: Von Anfang an habe etwas in ihr nein gesagt, und sie halte nicht länger aus, wozu sie sich selbst getrieben habe. Weshalb sie mich nicht mehr sehen könne. Mitbekommen hatte ich von all dem nichts, als wir uns im Winter zuletzt gesehen hatten. Und ich wollte wirklich aufmerksam sein, und wäre ihr auch gerne weiter nahe gewesen, wenigstens geistig. Unsere Telefonate hatte ich immer als sehr bereichernd empfunden.

Nun war das eben ihre Wahrheit, und ich nahm sie mit dieser Wahrheit an. Ich schrieb ihr, wie dankbar ich für unsere Zeit sei, und wünschte ihr von Herzen alles Gute. Danach habe ich nie wieder von ihr gehört… Vielleicht werden wir uns zufällig begegnen. Dann hoffe ich, dass gewesen sein darf, was gewesen ist. Ich erwarte nichts von ihr. Ich wünsche ihr einfach, dass sie glücklich ist.

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Manuel
m@movemeta.org

Ich bin Manuel, der Gründer von Move Meta und M² Bochum. Seit 2013 schenke ich mir selbst: Ich bin gut, so wie ich bin. Heute liebe ich mein Leben. Bei M² erzähle ich davon.

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