Bewegung für SelbstLiebe » Foren » Praxis » Standardantwort zu meiner Lebenssituation?

Dieses Thema enthält 6 Antworten und 4 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Chris vor 1 Jahr.

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  • #14447

    Hallo zusammen,

    als ich mich vor ein paar Monaten dazu entschieden habe, meiner täglichen Intuition statt meinen Kopfzielen zu folgen, war für mich der logische Schluss: Das geht nur, wenn ich nicht arbeite.

    Das Problem: Nun ist es ja so, dass Dauer-Arbeitslosigkeit und freiwillig gewähltes Hartz 4 mit starker sozialer Ächtung bestraft wird. Und ich habe keine Lust mehr, mit jedem, dem ich das erzähle, eine Grundsatzdiskussion anzufangen + mich verteidigen zu müssen und am Ende doch nur mies zu fühlen. Das dauert immer ellenlang, zerrt mich aus und ich muss zwangsläufig dabei tief in meine Lebensgeschichte gehen, damit die Leute meine Position verstehen. Daher wollte ich euch fragen, ob ihr mir nicht helfen könnt, eine Standardantwort zurechtzulegen? Bzw. ein paar gute Argumente/Phrasen, die einfach ziehen und gar nicht erst eine Diskussion aufkommen lassen. Das wär super.

    —–

    Ich hoffe ich mute euch da nicht zu viel Text zu – aber um meine Situation nachvollziehen zu können, muss ich leider ins Detail gehen:

    Ich bin 30 und habe mein Leben lang mehr oder minder fokussiert auf Ziele zugearbeitet. Das hatte entweder zur Folge das ich a) die Ziele erreicht hab und danach kaputt und unzufrieden war oder b) die Ziele gar nicht erreicht hab. In jedem Fall wurde ich immer verbitterter, depressiver und gesundheitlich angeschlagener mit der Zeit. Authentische Lust zu arbeiten hatte ich noch nie – hab ich mich aber trotzdem dem System unterworfen. Nun: Nach 12 Jahren, in denen ich erfolglos Therapien gemacht habe, ein Studium, verschiedene kleinere miese Jobs, diverse Krankenhausaufhalte und Arztbesuche und 500 erfolglosen Bewerbungen, garniert mit fast täglichen Selbstmordgedanken erlaube ich mir zu sagen: „Es reicht!“.
    Ich will nun nicht mehr meinen Zielen folgen, sondern meiner Intuition. Das ist für mich Selbstliebe. Von Moment zu Moment, von Tag zu Tag neu. Und obwohl immer noch die Depression etc da sind, ist es spannend wie die Tage sich entwickeln und es ist deutlich weniger Druck da – sogar hier und da eine Prise Spiel und Freude. Was hoffentlich mehr wird.

    Das würde kaum gehen wenn ich einer geregelten Arbeit nachgehe. Zu mal mich zum jetzigen Standpunkt kein Aufgabenfeld wirklich reizt. Und ja: Dazu kommt auch noch das ich vom Naturell her ein eher bequemer Mensch bin.

    Die typische Meinung dazu ist ja: „Aha, der faule Kerl, der sich aufgegeben hat und jetzt schön auf Staatskosten lebt und uns das Geld aus den Taschen zieht“. Ich finde diesen Lebenstil auch nicht optimal, da man ja eben schon von den Arbeiteten das Geld nimmt. Allerdings gefällt mir diese Variante besser, als das ich mich arbeitstechnisch und gesundheitlich ausbeuten lasse. Und am Ende noch kaputter und arbeitsunfähiger bin. Die Liste meiner psychischen und physischen Symptome ist endlos. Damit ist also auch keinem geholfen, im Gegenteil.

    Gerade bei Leuten die ich grade erst kennenlerne, z.b. bei Gesprächen in der Kneipe etc., finde ich das immer sehr unangenehm. (Vorallem gegenüber Frauen kommt mir das echt unsexy vor, da ich keine sogenannte „sinnvolle Aufgabe“ habe.) Und wenn dann der Standardsatz kommt: „Arbeitslos zu sein ist ja ok, aber nicht Jahrlang!“ sag ich dann meist nur: „Hm, jo stimmt“ um mich nicht endlos verteidigen zu müssen. Die Leute geben mir dann meist Tipps, wo ich mich noch bewerben könnte etc. – ist ja auch nett gemeint, aber ich werd das eh nicht tun :) Ich weiß nicht, ob ich jemals wieder arbeite werde. Vielleicht arbeite ich irgendwann, vielleicht auch nicht. Vorallem hab ich keine Lust mehr darüber nachzugrübeln, wann es denn soweit ist und mir neuen Druck zu machen. Ich hab den Eindruck die wenigsten ertragen, wie ich bin und lebe und wollen mich ändern. Und das geht natürlich am besten damit, dass man mir Schuld und Angst einredet.

    Ich wünschte, ich könnte einfach dazu stehen und selbstbewusst sagen: „So und so und so. Und das ist gut so!“.
    Aber ich steh ja selbst w.g. nicht 100% dahinter, da ich indirekt die Arbeiter finanziell belaste und auf der anderen Seite einfach noch zu wenig Freude im Alltag hab, so das ich sagen könnte: „Es hat sich wirklich gelohnt so zu leben“. Weiterhin habe natürlich auch Angst vor der Zukunft – denn niemand kann mir garantieren, ob Hartz 4 stabil bleiben wird, ob mich mein Lebensstil auf Dauer nicht noch tiefer in die Depression und das soziale Abseits reisst und ich gerade dadurch dann irgendwann gar nicht arbeitsfähig bin. Dazu die immer größer werden Lücken im Lebenslauf. Vorallem drückt das Ganze massiv auf mein Schamgefühl und Selbstwert, dass ich „das Geld von den anderen nehme“, statt selber zu malochen und keine geregelte Tätigkeit habe. D.h. am Ende dieser Diskussionen fühl ich mich einfach minderwertig, klein und ängstlich. Selbst jetzt wo ich diesen Forenbeitrag schreib und mich „der Welt“ damit präsentiere. :-/

    W.g. soll dieser Thread nicht dazu dienen mir Tipps zur Verbesserung meiner Situation zu geben, sondern Standardantworten zu formulieren. Danke für jede Hilfe!

    LG Chris

  • #14491

    Manuel Fritsch
    Gruppengründer und Administrator

    Lieber Chris,

    ich freue mich total, dass du so offen und viel über deine Situation schreibst, dass du dir schon viele eigene Gedanken dazu gemacht hast und dass deine Form der SelbstLiebe Wirkung zu zeigen beginnt. Wie du weißt, bist du für mich einer der wenigen Menschen, die das mit ihrer SelbstLiebe ernsthaft und grundlegend angehen, anstatt mal kurz bei uns vorbeizuschauen, den Newsletter zu abonnieren und danach zurück in die Verdrängung zu gehen. Du bist bereits auf dem Weg, diese Kunst zu meistern. Und wirst dabei umso schneller vorankommen, je eher du herausfindest, welche Gedanken deine SelbstLiebe durch die Decke gehen lassen.

    Einen solchen gebe ich dir jetzt. Bitte lies aufmerksam, jedes Wort ist abgewogen.

    In deinem Post fragst du nach Standardantworten in Diskussionen – Diskussionen, denen eine Prämisse zugrundeliegt: „Ich bin schlecht, so wie ich bin. Du bist schlecht, so wie du bist. Wir alle sind schlecht, so wie wir sind.“ In diesen Diskussionen kannst du niemals gewinnen. Denn egal, wie du innerhalb dieser Diskussion argumentierst: Du wirst niemals ihre Prämisse angreifen können. In dem Moment, wo du dich auf eine solche Diskussion einlässt, hast du darum bereits verloren. Die Suche nach der perfekten Standardantwort gleicht folglich dem Versuch, eine Kiste mit dem Stemmeisen zu öffnen, das in ihr drin liegt. Der Erfolg ist von vornherein logisch ausgeschlossen.

    Der einzige Weg, diese Diskussionen zu gewinnen, ist sie fundamental auszuhebeln. Das ist es, was ich 2013 begonnen habe, und im Vorspiel in Teil 4 beschreibe (Liebe ist eine Entscheidung). Deine einzige Chance: Du musst dich endlich entscheiden, dein „Ich bin gut, so wie ich bin“ durchzusetzen. Gerade dann, wenn es am schwersten ist, wenn alle gegen dich sind. Vorher ist alles nur SchönwetterselbstLiebe.

    Worum es hier nämlich in Wirklichkeit geht, ist keine Diskussion, sondern ein Glaube. Nur, wenn du deinen Glauben („Ich bin gut, so wie ich bin“) gegen andere durchsetzt, lernst du selbst daran zu glauben! Und gerade dafür sind diese anderen Leute Gold wert. An ihrem ignoranten Selbsthass bin ich erst Recht gewachsen, indem ich mir gesagt habe: „Dein Glaube ist eine Lüge. Ich bin gut, so wie ich bin.“

    Ich zitiere mich selbst aus dem Vorspiel: „Das ist die Grundlage für alles, was du heute bei Move Meta siehst und erleben kannst: Mein Glaube, dass ich zutiefst gut bin – und diesen Glauben durchzuhalten, EGAL – WAS – KOMMT. Das ist es, worauf es ankam: Keinen Zweifel mehr zuzulassen. Ein „Ich bin nicht okay“ ist radikal ausgeschlossen. Lieber streiche ich Leute komplett aus meinem Leben, als mir das einreden zu lassen. Ansonsten wäre mein Glaube kein Glaube, sondern ein wertloses Lippenbekenntnis.“

    Das nennt man auch Framing. Wenn mir jemand eine Diskussion anträgt, in der ich mein „Ich bin gut, so wie ich bin“ zu verteidigen habe – dann mache ich überhaupt nicht. Leute versuchen immer wieder, mich in ihren Frame zu zwingen (das Jobcenter, mein Onkel, irgendwelche Leute) – doch anstatt ihren Frame anzunehmen, und mich darin zu fügen, sage ich: Fickt euch. Mein Frame. Nicht eurer. Ich bin gut, so wie ich bin. Fertig aus.

    Niemand kann dir abnehmen, hinter dir selbst zu stehen (zu deinem letzten Absatz). Niemand kann dir abnehmen, dich gut und richtig zu finden, so wie du bist – jederzeit, überall. Keiner außer dir kann dir deine Liebe machen! Die Frage ist, wann du dich endlich und ein für allemal dafür entscheidest, und das heißt auch: Jeden Morgen und in jeder Diskussion neu. Ich habs gemacht – du kannst es auch.

    Wenn du das tust, wirst du schließlich erleben, wie Leute deinen Frame annehmen… und dich feiern, weil du zu dir stehst. Die Leute spiegeln immer, was ich ihnen vorlege. Seit ich wirklich zu mir stehe und an mich glaube (aus Entscheidung!!), brauche ich mich nirgends mehr zu rechtfertigen. Und kann erzählen, wie klasse mein Leben ist, weil ich meiner Freude folge und anderen das gebe, was ich am besten kann. Und das Mindeste, was ich mit dem Satz „Ich bin gut, so wie ich bin“ anderen geben kann, ist ein liebevolles Vorbild – also bereits das Wertvollste und Wunderbarste, was man anderen überhaupt geben kann. Case closed.

    Alles Liebe
    Manuel

  • #14561

    Hi,

    danke für die ausführliche Antwort. Ich habs aufmerksam gelesen und weiß was du meinst. Ich kann nur dazu sagen, dass ich damit nicht weiter komm.

    Ich hab in den letzten Jahren und vor allem den letzten Monaten so ziemlich jede Psycho-Technik erfolglos versucht, um meine Mindsets, Glaubenssätze, Wahrnehmung und meinen Glauben (z.b. ich schlecht so wie ich bin) zu ändern. Und es hat nichts gebracht. Im Gegenteil: Es ging mir dabei schlechter als je zu vor und verwirrt mich immer mehr. Ich sag nicht, dass das alles Blödsinn ist – aber bei mir funktioniert es halt so nicht. Ich bin einfach müde von Selbsthilfe und Arbeit an mir über die Psychologie-Schiene, da es ist nichts als neues Leid bei mir erzeugt.

    Und wenn du mich fragst: „Glaubst du nun (etwas mehr), dass du gut bist wie du bist?“ kann ich nur sagen: „Nein, sicher nicht – im Gegenteil“. Denn, das merke ich daran, das ich zwar tue, was ich will – aber oft starke Schuldgefühle und Scham dabei verspüre. Eigentlich mehr denn je und es wird schlimmer. Weil es oft eben nicht gesellschaftlichen Standards entspricht.

    Kurz: Ich sehe leider keinen Weg das „Ich bin gut so wie ich bin“ in meine Gehirnwindungen zu meiseln.

    Ich möchte einfach nur noch Leben. d.h. heißt:
    1. Depression etc so wie möglich annehmen/fühlen
    2. Intuition folgen

    >> Leute versuchen immer wieder, mich in ihren Frame zu zwingen (das Jobcenter, mein Onkel, irgendwelche Leute) – doch anstatt ihren Frame anzunehmen, und mich darin zu fügen, sage ich: Fickt euch. Mein Frame. Nicht eurer. Ich bin gut, so wie ich bin. Fertig aus.

    Ich glaube nicht, dass du „fickt euch“ und „ich bin gut so wie ich bin“ sagst ;)
    Daher meine Frage an dich: Was sagst du wortwörtlich in so einem Fall?

    >>Und kann erzählen, wie klasse mein Leben ist

    Tja, nur ich kann das nicht. KÖNNTE ich das, hätte ich eine Handhabe. Mein Leben ist nach wie vor weit entfernt davon klasse zu sein. Ich kenn deine Philosophie und du wirst wahrscheinlich sagen: „Chris, du musst geben lernen“ ;) Ja. Aber das ist trotzdem Zukunftsmusik. Es geht ums Jetzt.

    Also möchte ich dich/euch nochmal fragen, ganz konkret:
    Was kann ich sagen, wenn ein Gespräch in Richtung „Und, was machst du so mittlerweile?“ geht. Irgendwas muss ich sagen. Ich möchte nicht mit einem „Fick dich, ich bin gut so wie ich bin“ antworten :P Es wäre Quatsch ein lockeres freundliches Gespräch einfach abzubrechen.

    LG Chris

  • #14566

    Lieber Chris,

    es tut mir leid zu lesen, dass du dich im Moment so frustriert und hoffnungslos fühlst. Ich wünsche dir sehr, dass du einen Weg für dich findest.

    Ich möchte gern ein paar Erlebnisse aus meiner aktuellen Lebenssituation mit dir teilen. Ich habe gerade meine Promotion abgeschlossen, sodass dieser Lebensabschnitt für mich endet. Daher werde ich in letzter Zeit von so gut wie jedem gefragt, was ich denn danach machen möchte. Meine Antwort sieht dann in etwa so aus:

    1. Ich schildere kurz, was mir während meiner Promotionszeit nicht gefallen hat und wie sehr ich mich oft überwinden musste, weiterzuarbeiten. (Oft kommt dann ein verständnisvolles/zustimmendes Nicken von meinem Gesprächspartner. Ich denke, fast jeder kennt dieses Gefühl.)

    2. Dann erzähle ich, dass ich jetzt endlich die Chance nutzen möchte, um herauszufinden, was mir wirklich Freude macht und mich begeistert. (Auch das verstehen die meisten, da jeder eine Tätigkeit möchte, die er gern macht. Oft kommt dann die Frage, ob ich denn schon wisse, was das ist.)

    3. Dann sage ich, dass ich gern zu einem wertschätzenderen (liebevolleren, achtsameren) Umgang der Menschen untereinander beitragen möchte. Konkreter erzähle ich, dass ich mich für Gewaltfreie Kommunikation (nach Marshall Rosenberg) interessiere und mich bei Move Meta (Bewegung für SelbstLiebe) engagieren möchte.

    4. Wenn mein Gesprächspartner immer noch Interesse hat, erzähle ich genauer, wie ich dazu gekommen bin, was ich im Moment mache und was ich vorhabe (Move Meta: Gruppe in München gründen, Artikel schreiben; GFK: Kenntnisse vertiefen, Anwendung (im Alltag) üben, vielleicht eine GFK-Trainer-Ausbildung).

    Manche Menschen sind dann total begeistert davon, sodass ich dann noch mehr von den Inhalten erzählen kann und wir ein tolles Gespräch haben.

    Andere fragen mich, ob ich damit denn Geld verdienen kann. Dann antworte ich, dass mir das zweitrangig ist und dass ich erst das finden möchte, was mich begeistert und motiviert, auch unabhängig von der Bezahlung. Bisher konnten das alle nachvollziehen.

    Ich wünsche dir alles Liebe und Gute.
    Deine Caro

  • #14588

    Manuel Fritsch
    Gruppengründer und Administrator

    Lieber Chris,

    ich will in meinen Gesprächen immer wieder auf das Wesentliche zurückkommen – auf mich selbst und meine Gefühle. Das empfehle ich auch dir, denn hier geht es ja ganz besonders um Gefühle, und mit Sachdiskussionen ist da nichts zu gewinnen. Darum schlage ich als kurze und vielfach vorteilhafte Antwort vor:

    „Ich versuche im Moment, zu lernen, wie ich spüre: Ich bin gut, so wie ich bin.“

    Das wird dir viel Anteilnahme und Bestätigung einbringen. Auf sowas man kann nur auf der persönlichen Ebene antworten – und deshalb ist das ein super Gesprächsthema, über das du dich vortrefflich mit anderen verbinden, also Liebe spüren und Beziehungen knüpfen kannst. Eben darum, weil du mit so einer tollen Selbstoffenbarung mutig vorangeschritten bist. Da kann man als Gegenüber nur noch nachziehen, oder aussteigen, aber keine fruchtlose, abstrakte Diskussion beginnen („Hat der Mensch im Allgemeinen ein Recht auf Glück“, „Ist der Mensch im Innersten böse“ etc.).

    Und wer dazu trotzdem nichts Besseres zu sagen hätte als „öh“, „wie willst du denn damit Geld verdienen“ oder „aber wir wissen doch beide, dass du scheiße bist“, den kannst du dann tatsächlich allein und sich selbst überlassen, wenn du mich fragst. :)

    Alles Liebe
    Manuel

  • #14616

    Hallo Chris,
    ich glaube, dass es sinnvoll ist, sich für schwierige Situationen eine Strategie zu überlegen. Das zeigt bereits Selbstfürsorge und Selbstliebe. Es zeigt, dass du ernst nimmst, dass du dich in bestimmten Situationen elend fühlst, und dass du das nicht einfach nur etragen willst. Dieses Gefühl ist mir sehr vertraut. Vieleicht kann ich dir ein paar Anregungen mitgeben…

    (1) Ich finde es ok, dass du aussteigen willst aus dem, was dir nicht oder nicht mehr gut tut und weiter hilft: Jobs, die du nicht magst; Therapien und Psycho-Techniken, die dir nicht helfen, womit du dich noch elender fühlst, weil sie nicht klappen, wie sie klappen sollten. (Als wärst du „falsch“, weil die „richtigen“ Methoden nicht funktionieren.) Ich finde das mutig und ehrlich, und es zeigt deinen Glauben daran, dass es auch noch anders gehen kann. Und ja: Mehr Frieden, Zufriedenheit und Heilung ist möglich.

    (2) Wenn ich auf der Gefühlsebene nicht weiter komme, dann finde ich es hilfreich, mir einen rationalen Zugang zu erarbeiten. In Bezug auf Hartz IV könnte es heißen, die perfide Logik hinter dem System zu verstehen. Als Einstieg: https://youtu.be/dtCBjTXmZpI
    Der Glaube, dass Armut eine Sünde ist, die auf Faulheit zurückzuführen ist, geht u.a. Martin Luther zurück, und ist tief verwurzelt in der protestantischen Ethik.

    (3) Vielleicht kannst du damit etwas anfangen: Diese Diskussion und Vorwürfe kommen nicht nur von außen. Sie sind Teil eines inneren Dialogs. Sie treffen dich auch deshalb, weil ein Teil von dir selber daran glaubt. Vielleicht kannst du mit diesem Teil in Kontakt kommen, möglichst in einen freundlichen Kontakt. Der innere Kritiker hat nämlich auch eine gute Absicht. Er will Schaden von dir abwenden.
    Literatur: „Rote Karte für den inneren Kritiker: Wie aus dem ewigen Miesmacher ein Verbündeter wird“ von Jochen Peichl

    (4) Du kannst versuchen, dass Gespräch darauf zu lenken, WAS du machst, anstatt dessen, was du nicht machst, so wie es Caro vorgeschlagen hat. „Ich versuche zur Zeit heraus zu finden, was wirklich wichtig ist, was mir gut tut, was ich eigentlich will. (Das funktioniert nicht, wenn ich Vollzeit mit einer Tätigkeit eingespannt bin, die ich nicht mag und mir alle Kraft raubt.)“ Glaubst du dir selbst das? Was sagt der innere Kritiker? Du kannst sagen: „Ich bin gerade auf Arbeitssuche“, und es wäre nicht gelogen, denn das tust du: du suchst eine Aufgabe.

    (5) Bleib bei dir, wenn es die Situation hergibt. „Bisher habe ich dieses und jenes gemacht. Damit war ich unglücklich. Jetzt finde ich etwas, was besser zu mir passt. Vielleicht mache ich mich selbstständig. Ich möchte gerne Menschen dabei unterstützen, dass…“

    Ich hoffe, es ist etwas dabei, womit du etwas anfangen kannst.

    Ich habe lange in einen Job gearbeitet, mit dem ich unglücklich war. Es hat mich einige Überwindung und Mut gekostet, da auszusteigen, ohne zu wissen, wie es weiter geht. Es hat eine ganze Weile gebraucht und einige Probierbewegungen erfordert, bis ich nach und nach besser herausfand, was zu mir passt, wo es lang gehen könnte. Bei mir waren es viele kleine Schritte – und nicht so sehr „ab heute liebe ich mich selbst“ -, die dazu geführt haben, dass ich mich heute mehr mag und insgesamt zufriedener bin.

    Alles Gute!
    Steven

  • #14619

    Hi,

    sorry für die späte Antwort!

    @caro:

    Lieb von dir. Danke für die Anteilnahme :)

    Aber deine 4 Punkte Antwort klingt ganz gut. Ich glaub so in der Art werd ich mir auch was zurecht legen.

    @manuel:

    >>„Ich versuche im Moment, zu lernen, wie ich spüre: Ich bin gut, so wie ich bin.“

    Das klingt auch gut.
    Kann man eben auch gut als Filter benutzen für Leute, die das nicht verstehen (wollen) ;)

    @Steven

    >> Sie sind Teil eines inneren Dialogs. Sie treffen dich auch deshalb, weil ein Teil von dir selber daran glaubt

    Absolut!

    Danke für die Antworten. Manches muss ich mir nochmal in Stille durch den Kopf gehen lassen.

    Lg Chris

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