Bewegung für SelbstLiebe » Foren » Praxis » Meine Schwester verletzt sich selbst

Dieses Thema enthält 21 Antworten und 2 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  sandregenpfeifer vor 11 Monate, 2 Wochen.

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  • #13777

    Liebe Alle und lieber Manuel,

    ich will euch etwas fragen. Wie kann ich einem mittelschwer depressiven Menschen Selbstliebe nahebringen? Meine kleine Schwester (14 J.) hat ein komplett negatives Bild von sich selbst, redet ständig schlecht von sich und hat begonnen, sich zu verletzen, weil sie sich nicht leiden kann (es geht nicht nur um Äußerlichkeiten). Mir tut das unglaublich weh, weil sie ein ganz wundervoller Mensch ist (und das sage ich nicht nur, weil ich ihre Schwester bin) und ich will ihr gerne helfen. Aber nicht auf diese belehrende Art und Weise, ohne Druck und Vorwürfe, sondern als Anstoß, den sie selbst weiterdenkt. Ich habe mich gefragt, ob euch etwas einfällt, wie ich diesen Prozess bei ihr starten kann. Mit „Du bist gut so wie du bist“ renne ich nämlich noch gegen eine Wand.
    Wenn ihr Lust habt, eure Ideen mit mir zu teilen, würde mich das bestimmt weiterbringen. :)
    Habt vielen Dank!

    Alles Liebe,
    Anne

  • #13778

    Manuel Fritsch
    Gruppengründer und Administrator

    Liebe Anne,

    damit stellst du dich vor dieselbe Herausforderung wie ich in meiner Arbeit: Wie kann ich Menschen dafür gewinnen, selbst zu lieben. Nicht, meine Liebe anzunehmen („Du bist gut, so wie du bist“), sondern selbst das Geben zu beginnen („ich bin gut, so wie ich bin“).

    Deine Schwester steht an einem Punkt, wo sie an bedingungslose Liebe nicht glauben kann. Was ihr dafür fehlt, ist die Erfahrung „Ich bin gut, so wie ich bin“. Die einfache Lösung bestünde nun gewiss darin, dass sie einfach anfängt, an „Ich bin gut, so wie ich bin“ zu glauben. Aber das kostet viel Energie. Unser Vorspiel handelt ja davon, wie ich es gemacht habe, und es war die schwerste Entscheidung meines Lebens. So eine Entscheidung trifft man nicht mal eben so, und vor allem zieht man sie nicht mal eben so durch. (Derzeit begleite ich jemanden, für den das eine noch größere Herausforderung ist, als sie es für mich war. Es bedeutet, das Leben noch einmal neu zu lernen – mit positivem statt negativem Vorzeichen. Er meint es wirklich ernst damit, und deshalb sehe ich auch, wie gut er sich entwickelt. Eben gerade, weil es ihm so lange so schlecht ging, will er es jetzt wirklich, und deshalb wird er es auch schaffen.)

    Ich schätze darum: Bevor deine Schwester bereit sein wird, ein „ich bin gut, so wie ich bin“ durchzusetzen und daran zu glauben, wird es mehr brauchen, als die vage (und unglaubwürdige) Verheißung von sowas komischem wie „Selbstliebe“. Dieses Ziel ist nicht glaubwürdig – wie auch, sie glaubt ja nicht an Liebe, also erst Recht nicht an SelbstLiebe.

    Der einzige Ansatzpunkt, den nicht-selbstliebende Menschen uns, die wir helfen wollen, stattdessen bieten, ist ihre Sehnsucht, geliebt zu werden. Auf Geliebtwerden projizieren sie, was sie eigentlich sich selbst geben müssten. Genauso war ich auch! Erst die Aussicht auf Geliebtwerden gab mir genug Energie, es mit Liebe zu probieren.

    Die Lösung, die ich für meine Arbeit gefunden habe, ist darum vorzumachen, wie ich dank SelbstLiebe geliebt werde. Darum steht auf unserer Website inzwischen überall Geliebtwerden, sinngemäß. Es ist das, was die Masse begreifen kann; es ist ein motivierendes Nutzenversprechen für die 98% spirituellen Einsteiger. Es ist eine Projektionsfläche für alles Glück der Welt. Es war nicht zufällig auch meine, von Anfang an.

    Zielgetriebenes Geliebtwerdenwollen ist tatsächlich der Punkt, an dem wir als Botschafter der SelbstLiebe die „normalen“ Menschen abholen müssen. Das ist etwas, das viele „Spirituelle“ nicht verstehen: Will ich jemandem helfen, muss ich seine Sprache sprechen, nicht meine. Ich muss(te) das auch erst komplett neu lernen.

    Wenn du persönlich deine Schwester für SelbstLiebe begeistern willst, hast du darum nur eine Möglichkeit: Du müsstest selbst vormachen, wie toll dein Leben ist, weil du selbst liebst – weil du aus „Ich bin gut, so wie ich bin“ heraus lebst. Insbesondere, wie du für deine Liebe geliebt wirst.

    Falls sie das von dir nicht annehmen will, und überhaupt sowieso – ist Move Meta ein guter Ort, trotzdem deine Geschichte zu erzählen. So brauchen wir alle nicht mehr als Propheten im eigenen Land herumzulaufen, sondern können anderer Leute Prophet sein. Deine Geschichte, sofern du eine solche erzählen kannst, würde vielen anderen kleinen Schwestern womöglich sehr viel mehr helfen, als ihre eigenen großen Schwestern es könnten. Und umgekehrt. (Liebe möchte, dass wir alle einander helfen – nicht bloß uns selbst und den eigenen.)

    Alles Liebe und alles Gute für deine Schwester! Vielleicht findet sie ja irgendwann, irgendwie zu uns. Es würde mich freuen.
    Manuel

  • #13780

    Lieber Manuel,

    hab vielen Dank für deine ausführliche, aufrichtige und sehr konstruktive Beantwortung meiner Frage. Ich glaube, das ist bis jetzt die hilfreichste Antwort, die ich zu diesem Problem erhalten habe.
    Noch stelle ich es mir schwierig vor, ihr „vorzuleben, wie toll mein Leben ist“, weil ich selbst momentan vor einigen großen Hindernissen in meinem Leben stehe. Und weil ich nicht den Eindruck habe, dass ich wegen meiner (noch nicht ganz vorhandenen, aber sich in Arbeit befindenden) SelbstLiebe geliebt werde, sondern wegen der guten Dinge, die ich tue bzw. weil es einfach Menschen gibt, die mich um meiner selbst Willen lieben (Familie, Freunde).
    Aber wenn du es geschafft hast, Menschen das vorzuleben, dann ist es nicht unmöglich und das macht mir Mut.
    Dass sie es trotz aller Bemühungen weder von mir noch von jemand anderem annehmen bzw. es nicht von sich aus wollen könnte – daran möchte ich erstmal nicht denken, sondern erst alles versuchen. Ich könnte es nicht ertragen, wenn sich das nie bessert.
    Es ist beeindruckend zu lesen, dass der Mensch, von dem du erzähltest, sich auf einem guten Weg befindet. Ich wünsche euch viel Kraft für die weitere Zeit. (Mich würde interessieren, wie es dazu kam, dass ihr euch gefunden habt, aber ich kann nachvollziehen, dass mich das wahrscheinlich nichts angeht, also kannst du das auch ignorieren.)
    Es ist wirklich toll, dass es Menschen gibt, die sich mit dieser mysteriösen SelbstLiebe beschäftigen. DANKE!
    Hab noch einen schönen Abend!

    Alles Liebe,
    Anne

  • #13786

    Manuel Fritsch
    Gruppengründer und Administrator

    Liebe Anne,

    sehr gerne. Ich kann gut nachvollziehen, dass dir das im Moment schwierig erscheint. Es ist tatsächlich so, wie es immer heißt: Wir können anderen nicht helfen, solange wir uns selbst nicht geholfen haben. Darum waren meine ersten Jahre als „Autor und Berater“ auch zu Recht erfolglos, weil ich gerade erst begonnen hatte, mir selbst zu helfen. Damals habe ich noch in Du-Botschaften und Ratschlägen geschrieben, weil ich keine eigene Erfolgsgeschichte vorweisen konnte. Das ist heute anders.

    Wir können andere nicht lieben, wenn wir uns selbst nicht lieben können; und genauso können wir nur so viel SelbstLiebe weitergeben, wie wir selber schon leben. Das hatten wir im anderen Thread bereits besprochen. Der schnellste Weg, deiner Schwester zu helfen, ist also, dich selber bedingungslos zu lieben. Du schriebst ja, dass es dir leichter falle, andere zu lieben, als dich selbst. Vielleicht hilft dir dieser Gedanke, dir selbst nun umso mehr Liebe zu geben, umso radikaler ins „Ich bin gut, so wie ich bin“ zu gehen? Weil es ein größeres Ziel gibt, als nur dein eigenes Wohl? Aber bitte nur, wenn dir das hilft! Es gibt Menschen, die setzt so ein Gedanke zu sehr unter Druck.

    Jedenfalls – ja, wenn man einmal bereit ist, radikale Selbstannahme zu leben, steckt das andere an. Der Mensch, von dem ich oben schrieb, hat bereits zwei anderen davon erzählt. Und sie sind sehr angetan… Er hatte mich übrigens über das Internet gefunden. Die ganze Arbeit der letzten Jahre hat sich schon gelohnt, alleine dafür, ihm helfen zu können. Er ist einer der ersten, die ich von der Stunde Null an begleiten darf, und einer der wenigen, die es mit ihrer SelbstLiebe so richtig ernst meinen. Da wird nicht nur ein Newsletter abonniert, da wird selbst gedacht und gezweifelt und gelitten und immer wieder aufgestanden. Vielleicht darf ich eines Tages seine Geschichte erzählen.

    Danke DIR, liebe Anne, dass es dich gibt und du dich um deine Schwester bemühst!
    Alles Liebe
    Manuel

  • #13794

    Lieber Manuel,

    ja, in der Tat fällt es mir viel leichter, andere zu lieben als mich selbst, das war schon mein ganzes Leben lang so. Deswegen ist es eine ziemliche Herausforderung. Ich glaube, was mich hier unter Druck setzt ist nicht mal, dass ich mich selbst bedingungslos lieben soll, sondern, dass ich nicht weiß, wie lange ich dafür brauche und ich will meiner Schwester ja möglichst schnell möglichst viel helfen. Blöd nur, dass es momentan so viel Chaos auch in meinem eigenen Leben gibt, wofür ich mich echt schlecht selbst lieben kann. Das macht alles sehr schwierig. Aber man darf niemals aufgeben, also werde ich das auch nicht tun und es versuchen bis ich es schaffe.

    Und wenn ich mich nicht um meine Schwester bemühen würde, wäre ich wohl eine ziemlich blöde große Schwester. Das will ich nicht sein. Ich will eine gute große Schwester sein. :)

    Hab Dank für deine Antwort!
    Anne

  • #13818

    Manuel Fritsch
    Gruppengründer und Administrator

    Liebe Anne,

    SelbstLiebe sieht ja von außen für viele aus wie Zauberei. Dabei ist es, genau wie Zauberei, bloß geschickter Einsatz von geeignetem Werkzeug. Und eines der Asse in meinem Ärmel ist, mich für das anzunehmen, was ich (laut Gesellschaft) an mir zu hassen hätte. Ich nehme eine schlichte Umwertung vor: Ich bewerte ganz bewusst positiv, was ich unbewusst eben noch als negativ bewertet und empfunden habe. Ich bin klein? Super! Ich kann kein Mathe? Prima! Ich komme morgens schwer aus dem Bett? Ausgezeichnet!

    Ich kann mich *für* alles lieben – bedingungslose Selbstliebe ist, unter dem Mikroskop betrachtet, bedingte Selbstliebe in tausendfacher Rekursion. Einer meiner nächsten Artikel soll davon handeln. Das ist es auch, was am Sichselberlieben so lange dauert – bis man eben alles einzeln neu bewertet hat, was man in langen Jahren an sich zu hassen gelernt hat. Je eher man damit anfängt, und je mehr Zeit und Energie man investiert, desto schneller kommt man ans Ziel. Liebe ist eine Kunst, und braucht zur Meisterschaft ihre 10.000 Stunden wie jede andere.

    Übrigens kannst du jederzeit gerne eine Gruppe mit uns gründen, und dir damit selbst den Raum zum Wachsen schenken :) Ich finde das wichtiger als alles andere im Leben, elementare körperliche Bedürfnisse ausgenommen. Und es kostet nur ein paar Stunden im Monat…

    Alles Liebe
    Manuel

  • #13824

    Lieber Manuel,

    was die Gesellschaft von mir will ist gar nicht mal mein Problem. Ich mache tausend Dinge, die nicht gesellschaftskompatibel sind und wofür ich von anderen schief angeguckt werde. Das ist mir herzlich egal, denn mir gefällt das und den Menschen, mit denen ich gerne Zeit verbringe auch. Mein Hauptproblem ist was ich selbst von mir erwarte bzw. wie ich eigentlich sein möchte (geduldiger, nicht so aufbrausend, sanfter, besser in Mathe etc. etc. etc.).

    Um mich mal an dem Mathebeispiel aufzuhängen. Na klar, ich würde super gerne sagen, ist ja nicht schlimm, dass ich kein Mathe kann. Aber ich brauche leider (!!!) Mathe für mein Studium und MUSS das irgendwie packen, sonst kann ich mein Studium vergessen. Deswegen kann ich nicht bei allen Negativitäten so einfach sagen „Ist halt so und gut“. Und ich würde mich dann auch nicht gut fühlen, wenn ich alles schlechte an mir einfach wegschiebe, denn dann hätte ich ja keinen Anreiz mehr, mich zu verändern, verstehst du? Anders ist es bei der Körpergröße, darauf habe ich keinen Einfluss und außer, dass es unpraktisch ist, so klein zu sein, ist es mir egal, gibt ja Stühle, Leitern etc. Ich kann also bei einigen Eigenschaften sofort sagen wunderbar, aber bei vielen eben auch (noch) nicht. Und ich erlaube mir jetzt mal die Vermutung, dass das bei dir auch nicht von jetzt auf gleich ging?

    Das heißt ich muss mich bei jedem Hindernis wieder neu darauf hinweisen, dass ich doch gut so bin wie ich bin. Dann bin ich ja Jahre damit beschäftigt und es wird nie ein Ende haben. Hier frage ich mich, ob es überhaupt das „Ziel“ von dem du sprichst, gibt, oder ob es nicht einfach ein ewiges Wandeln auf dem Weg dorthin ist, weil ich immer wieder etwas finden werde, was ich nicht auf Anhieb an mir akzeptieren kann. Oder? Dann ist es wahrscheinlich wirklich das beste, bald anzufagen. ;)

    Ich glaube nicht, dass es eine gute Idee wäre, mich eine Gruppe gründen zu lassen. Ich habe gerade erst begonnen, mich mit der Materie zu beschäftigen und wäre euch sicherlich noch keine Hilfe. Aber danke für die Idee. :)

    Alles Liebe,
    Anne

  • #13906

    Manuel Fritsch
    Gruppengründer und Administrator

    Liebe Anne,

    einen Versuch war es mir wert :)

    Etwas an mir positiv zu bewerten, heißt mitnichten, meine Entwicklung einzustellen. Das ist ein häufiges Missverständnis unter Menschen, die ihr Leben nur aus Selbstverachtung zu führen gelernt haben. Klar, dass „kein Zwang/Selbstqual/Selbsthass“ dann automatisch „Stillstand“ bedeutet. Dabei ist es vielmehr so, dass ich erst dann wirklich meine Talente entwickeln kann, wenn ich aufhöre, mich (in derselben Zeit) an meinen Schwächen abzuquälen. Das ist unser Erbe des Protestantismus – „je mehr ich mich quäle, umso heiliger bin ich“. Was für ein menschenverachtender, gotteslästerlicher Irrsinn, Calvin und Luther! Das Gegenteil ist der Fall: Je besser ich mich fühle, weil ich aus meinen Stärken lebe, umso kräftiger, kreativer bin ich, und umso wertvoller für die Gesellschaft.

    Wenn ich mich für etwas gut fühlen darf, kann ich mich im Guten entwickeln – dahin, wo ich tatsächlich aufgrund meiner Anlagen hingehöre. Wenn Mathe etwas ist, wozu wir beide nicht begabt sind – wie dumm ist es dann, ein Ziel erreichen zu wollen, dessen integraler Bestandteil die Mathematik ist? Das ist, in meinen Augen, reine Lebenszeitverschwendung. Hab ich auch gemacht, 15 Semester Chemie und BWL-Studium. Ich hab in Mathe und Physikalischer Chemie alles bestanden. Nichts davon brauche ich heute, wo ich meine Berufung lebe.

    Nichts, kein Ziel ist es wert, dass wir uns dafür quälen. Wenn du dich dafür liebst, dass du in Mathe schlecht bist – vielleicht willst du es dann immer noch ändern. Okay. Aber wenn nicht einmal dann: Warum auch nur einen weiteren Schritt in diese Richtung gehen? Im Schlechten, auf etwas Schlechtes hinzu?

    Und komm mir bitte nicht mit dem Argument „Aber das System“. Fick das System, mit Verlaub. Das System sollte so gebaut sein, mir Mathe schmackhaft und verständlich zu machen. Wenn das System darin versagt, ist die Lösung jedenfalls nicht, ihm nachzugeben und mich noch mehr zu quälen. Dann muss ich Revolutionär werden und das System verändern, anstatt feige einen auf Streber zu machen. Ansonsten hat es die nächste Generation nur noch schwerer. Was meinst du, warum heute schon Grundschüler Burnout haben – weil ihre Eltern zu feige sind, sich gegen dieselbe Leistungsscheiße zu wehren.

    Summa summarum: Wenn ich mich mit mir selber spitze fühle, bin ich auf dem richtigen Weg, auf *meinem* Weg. Wenn ich mich so lala fühle, sollte ich mir ernsthaft Gedanken machen, ob ich die richtige Abzweigung genommen habe. Und wenn ich mich mit etwas quäle, laufe ich auf direktem Weg in die Hölle.

    Alles Liebe
    Manuel

    P.S.: Zu deiner letzten Frage: Ja.

  • #13917

    Lieber Manuel,

    ich wollte doch nicht sagen, dass Veränderung aufhört, sobald ich irgendwas an mir toll finde. Na klar schätze ich auch einige meiner Eigenschaften. Ich habe nur leider die Erfahrung gemacht, dass Menschen, die sich selbst ziemlich gut finden, es dann voll ignorieren, dass andere sich eine Veränderung in einer Verhaltensweise von ihnen wünschen. Wenn das Verhalten nur trotzdem scheiße ist und andere Menschen dabei verletzt werden, ist das blöd. Und so möchte ich nicht werden. Das sind die Bedenken, die ich habe. Sonst nichts.
    Dass diese Protestantismus-Geschichte dumm ist, kann ich nachvollziehen. Ich habe auch nicht vor, mich daran zu orientieren. ;)

    Und das mit Mathe ist nicht ganz so einfach, lass es mich erklären. Mein Studium ist nicht Mathe oder BWL oder was, wo Mathe einer der Hauptbestandteile ist, so etwas würde ich NIEMALS anfangen, das wäre ja Selbstmord. Ich studiere Landschaftsökologie und Naturschutz und Mathe ist nur ein sehr kleiner Teil in einem ansonsten wunderbaren, spannenden Studium. Leider kommt man in den Naturwissenschaften nie ganz ohne Mathe aus, aber ich würde im Moment trotzdem nichts anderes studieren wollen. Nur wegen dieser einen Klausur will ich einfach nicht das komplette Studium wegschmeißen. Denn der Rest (okay, wenn man Ökonomie auch noch rausnimmt) macht mir Spaß und ich bin total stolz auf das, was ich dort bisher gelernt habe. Es ist eben nicht perfekt, aber das ist kein Studium. Kannst du das verstehen?

    Und nein, ich komme dir nicht mit dem Argument „Aber das System“. Und ich bitte dich, mich nicht feige zu nennen. Ich fände es feige, wenn ich Mathe gar nicht erst versuchen würde, der ganzen Sache keine Chance geben würde, nur weil es unangenehm ist. Denn wenn ich es irgendwann schaffe, werde ich mich da ziemlich drüber freuen. Es ist wie mit meiner Schwester. Klar ist das im Moment alles sch****, aber ich will nichts unversucht lassen, aus Angst es könnte nicht klappen. Ich bin irgendwie so.

    Lange Rede, kurzer Sinn. Es ist wunderbar, sich spitze zu fühlen und ich finde es voll einleuchtend, dass man so viel mehr schafft. Ich schaffe es gerade einfach nur nicht, mich spitze zu fühlen, wegen vielen Dingen (nicht nur wegen Mathe und nicht nur wegen meiner Schwester). Und auch wenn ich Erwartungen an mich habe, ich finde die Erwartung, mich jetzt sofort spitze fühlen zu müssen, noch krasser.

    Ich habe das Gefühl, ich kann mich gerade nicht so ausdrücken, dass ich genau auf den Punkt bringe, was ich sagen möchte bzw. habe ich das Gefühl, dass ich mich dir nicht ganz verständlich mache. Aber ich danke dir für deine ganzen Antworten bisher. :)

    Alles Liebe
    Anne

  • #13962

    Manuel Fritsch
    Gruppengründer und Administrator

    Liebe Anne,

    ich verstehe dich schon! Du willst halt was, und die Frage ist, welchen Preis du dafür zahlen wirst. Es kann eben theoretisch sein, dass es etwas gäbe, was dich noch mehr erfüllt als dieses Studium, ohne dafür eine Matheklausur bestehen zu müssen. Was willst du wirklich? Willst du wirklich Studentin sein, Bücher auswendig lernen usw., oder willst du mit Kindern im Wald spielen, beispielsweise? Nahezu immer ist der Weg durchs System a) ein riesiger Umweg und b) endet an einem völlig anderen Ziel, als man sich ausgemalt hat.

    Ich habe nirgends geschrieben, dass a) du b) feige bist und c) jetzt sofort strahlen können musst. Du musst gar nichts. Ich kenne bloß viel zu viele Leute, die immer noch eine „letzte“ Qual absolvieren „müssen“, und dann noch eine, und dann nochmal eine richtig große, und dann sind wieder zwei Jahre rum und sie lieben ihr Leben kein bisschen mehr. Das nenne ich Feigheit, Feigheit vor Konsequenz um präzise zu sein, und letztlich Feigheit vor dem Glück. Ob du auch so bist – keine Ahnung.

    Wenn ich jedenfalls strahlen können will, muss ich rechtzeitig und mit Konsequenz die gebotenen Entscheidungen treffen. (Zu erkennen im Allgemeinen daran, dass kein „normaler“ Mensch sie trifft und einem viele versuchen, das auszureden.) Und dann klappt das am Ende auch. Ansonsten – den Weg zur Hölle pflastern gute Vorsätze.

    Alles Liebe
    Manuel

  • #13963

    Lieber Manuel,

    ja, es kann theoretisch sein, dass mich andere Dinge mehr erfüllen als mein Studium. Aber ich sehe mein Studium zurzeit als Weg, zu einigen solcher Dinge hinzukommen. Was mich in meinem Leben bisher am meisten erfüllt hat, war mein FÖJ bei der Schutzstation Wattenmeer an der Nordsee, wo ich mit ganz wundervollen Menschen für eine tolle Sache gearbeitet habe. Und durch mein Studium kann ich Wege finden, wieder so etwas in der Art zu machen. Mit Menschen rauszugehen in einen wundervollen Naturraum und sie dafür begeistern. Klar, könnte ich auch statt Studium da nochmal Praktikum machen, aber durch das Studium kann ich ja dann noch viel mehr. Und ich kann mich auch an größere Sachen im Naturschutz heranwagen als nur „mit Kindern im Wald spielen“. Denn in dem Außmaß, in dem heute alles kaputtgeht, reicht es mir einfach nicht, immer nur zu sagen „Ach guck mal der schöne Schmetterling. Dem tun wir nicht weh.“ Aber nur, weil der Weg ab und an steil ist, will ich das noch nicht abbrechen.

    Ich habe „[…] anstatt feige einen auf Streber zu machen.“ persönlich genommen. Wenn das nicht persönlich gemeint war, alles gut. Und ja, ich kenne solche Leute auch und finde es nicht schön. Würde mich aber in meiner jetzigen Situation nicht zu ihnen zählen.

    Ist dieses „Strahlen“ ein Dauerzustand bei dir? Und wie schaffst du es, dass es nicht irgendwann wieder weg ist? Ich glaube, ich hatte das während meines Nordseejahrs auch. Aber ich habe gemerkt, dass das danach im Studium relativ schwach geworden ist, weil mein Leben sich einfach krass geändert hat, mir die Gemeinschaft sehr fehlt (meine Ökos sind zwar auch cool, aber es ist einfach nicht dasselbe) und ich an der Nordsee tausendmal glücklicher war. Aber so ein FÖJ geht ja nicht ewig und ich will ja auch anderen Dingen die Chance geben, auch so toll zu werden. Aber ich habe bisher einfach nichts gefunden, was wirklich da rankommt.

    Alles Liebe
    Anne

  • #13964

    Manuel Fritsch
    Gruppengründer und Administrator

    Liebe Anne,

    in Deutschland ist der Glaube sehr stark, dass man erst drei Diplome und einen Doktor haben muss, bevor man das Recht hat, die Welt zu verändern. Wenn ich an diesem Glauben festgehalten hätte, wäre ich inzwischen im siebten Semester eines Psychologiestudiums, und hätte noch sieben Jahre Ausbildung vor mir, bis ich mir ein Schild vor die Türe hängen dürfte. Das wäre der vom System vorgesehene Weg, anderen Menschen Selbstwert beizubringen.

    Stattdessen, weil ich nicht nochmal zehn Jahre meines Lebens wegwerfen wollte, habe ich Move Meta gegründet. Wir haben mittlerweile sechs Gruppen und immer mehr Menschen finden uns, die auf eine simple Botschaft ihr Leben lang gewartet haben: „Ich bin gut, so wie ich bin“. Dazu habe ich die Chance, einzelnen Menschen tiefere und aufrichtigere Begleitung anzubieten, als ich es als Psychotherapeut überhaupt machen dürfte. Ich bin wirklich da, ich zeige mich, von gleich zu gleich.

    Was lernen wir daraus? Nun, ich lerne daraus, dass es immer einen schweren Weg gibt – über die Hürden hüpfen, die mir vom System hingehalten werden. Und einen leichten – einfach zu machen, was man machen will, weil man so nicht nur den gesamten Hürdenlauf spart, und eine viel steilere Lernkurve erfährt, sondern auch noch Menschen anzieht, die einem dabei helfen wollen.

    Bestes Beispiel: Boyan Slat, und das Ocean Cleanup Project. Der Typ ist so alt wie du (21?), und hat mit seinem Elan u. a. bereits ein 100-köpfiges Forscherteam zusammengebracht, um den Ozean vom Plastikmüll zu befreien.

    Auch du hast jederzeit das Recht, etwa eine massive Bewegung für Naturschutz in die Welt zu rufen. Und zwar eine, die unser beider Generationen wirklich mitreißt. Ich behaupte: Du wirst sogar dringend gebraucht. Wir brauchen keinen Klon von Naju und BUNDjugend, wir brauchen jemanden, der egoistische Ziele (Stichwort Geliebtwerden – darum geht es ja am Ende bloß) mit Naturschutz verbindet. Konkreter: Wie bekommt man die Masse dahin, freiwillig aufs Fliegen zu verzichten? Was zu haben könnte noch geiler sein? Das sind die Fragen, vor denen sich der BUND drückt, ich lese ja deren Magazin. Wusstest du, dass BUND-Mitglieder einen dickeren ökologischen Fußabdruck haben als der Rest der Bevölkerung?

    Was uns hier im Lande wirklich fehlt, das sind begeisterte Macher mit Herz und Verstand, die wirklich etwas vom Menschen verstehen (wollen). Und wovon wir zu viel haben, das sind Studierte, die andere belehren und hübsche Faltblätter entwerfen, wie man ökologischer leben kann. Als ob das außerhalb des grünen Bildungsbürgertums irgendwen interessieren würde. Es ist zum Haareraufen.

    Also warte nicht, dass jemand dir die Erlaubnis erteilt, die Welt zu verändern! Fang einfach an. Lerne, Menschen mitzureißen. Das wirst du im Studium niemals lernen. Und wenn du wirklich mal jemanden brauchst, der fachliche Ahnung hat – dann holst du dir einen. Oder hundert. An denen mangelt es nicht, an den Machern und Vorbildern schon. Die einzigen, die ich in der Hinsicht kenne, sind Pia und Tobi von Living Utopia. Da geht noch viel mehr!

    Alles Liebe
    Manuel

  • #13965

    Lieber Manuel,

    „in Deutschland ist der Glaube sehr stark, dass man erst drei Diplome und einen Doktor haben muss, bevor man das Recht hat, die Welt zu verändern.“ Ja, mag sein, aber ich finde es gibt immer noch einen Unterschied zu dieser Ansicht und zu mir. Ich kann nun einmal bestimmte Arbeiten ohne Uni-Abschluss nicht machen. Und ich habe auch gar nicht vor, ewig lang an der Uni zu bleiben, genauer gesagt nur noch ein Jahr und dann ist Ende, weil mir dieser wissenschaftliche Kram zu trocken ist. Außerdem weiß ich, dass ich auch so etwas verändern kann. Aber wenn ich z.B. gegen ein Unternehmen klagen will, dass im Nationalpark Öl fördern will und sich einen Scheißdreck um alles Leben dort kümmert, muss ich mich mit den Gesetzen etc. auskennen. Ich habe eine Frau kennengelernt, die sich genau damit beschäftigt und die schon einiges erreicht und den ganzen Idioten auf die Finger gehauen hat. Da kam was gutes raus für den Nationalpark. Nur ein Beispiel.

    Das Ocean Cleanup Projekt kenne ich, es ist in der Tat eine super Sache und ein tolles Beispiel für positive Veränderung.
    Zu der Sache mit NaJu und BUND. Es gibt dort viele Menschen, die sich genau solche Fragen stellen, wie man menschlichen Egoismus mit Naturschutz verbinden kann. Die sind nicht blöd. Ich war mal dabei, wie jemand seine Kampagne vorgestellt hat zum Thema Konsum und sich genau sowas gefragt hat. Aber hey, das ist verdammt schwierig so eine Lösung zu finden. Und ich erlaube mir die Behauptung (auch wenn du das anders sehen magst), dass NaJu und BUND, auch wenn sie nicht perfekt sind, trotzdem einiges erreichen. Klar lösen sie nicht alle Probleme der Welt, aber ich höre und lese sehr oft von vielen positiven Ergebnissen, ohne die es wahrlich noch viel schlimmer aussehen würde. Und nein, das mit dem Fußabdruck wusste ich nicht. Ich glaube aber auch nicht, dass du das so verallgemeinern kannst, denn es gibt sone und solche. Es gibt unter ihnen durchaus auch die, die einen ziemlich geringen ökologischen Fußabdruck haben durch Ernährung etc.

    Wie auch immer. Ich habe bereits selbst festgestellt, dass Belehrungen in Sachen Naturschutz nicht viel weiterhelfen. Und der Sinn meiner späteren Arbeit soll auch nicht sein, nur blöde Flyer mit irgendwelchen Ökotipps zu verteilen. Ich bin nicht ganz blöd und weiß, dass das nicht kraftvoll genug ist. Ich habe im FÖJ gelernt, dass Begeisterung wecken und Vorleben viel sinnvoller ist. Aber da kann man ansetzen und mehr machen als gegen Wände rennen bei den Menschen, die nix kapieren.

    Und ich warte nicht auf eine Erlaubnis, ich weiß aber, dass ich auch nicht ganz ohne Plan mich einfach irgendwo reinstürzen kann. Ich weiß nicht, ob du dir das vorstellen kannst, aber mein Studium ist nicht die pure Theorie. Wir lernen gerade in diesem Semester, ganz viel allein auf die Beine zu stellen und uns eigene Gedanken zu machen.

    Ich nehme deine Worte gerade wieder sehr persönlich, aber ich kann gewisse Dinge auch nicht einfach so stehen lassen, tut mir leid.

    Alles Liebe,
    Anne

    P.S. Bekomme ich noch eine Antwort auf meine letzte Frage? :)

  • #13966

    Manuel Fritsch
    Gruppengründer und Administrator

    Liebe Anne,

    was mir im Leben enorm hilft, die richtigen Dinge zu tun, und was (leider) die wenigsten Menschen machen, ist: Ich denke Dinge a) in ihre letzte Konsequenz fort und b) in ihre Wurzel zurück.

    Deswegen mache ich Move Meta – weil es am Ende immer darum geht, sich gut zu fühlen, einschließlich aller Ökosünden. Und weil die Wurzel all unserer Probleme ist, dass wir nicht lernen, uns „einfach so“, „ohne Grund“ gut zu fühlen.

    Aus diesem Grunde finde ich persönlich es völlig sinnfrei, mich unmittelbar ökologisch zu engagieren. Das löst weder das wahre Problem, noch bietet es eine Lösung für die Sehnsucht nach den guten Gefühlen. Würde ich damit meine Zeit verbringen, würden die Probleme insgesamt nur zunehmen. Derselbe Konzern, den ich hier bekämpfen könnte, wird zur selben Zeit alles vorbereiten, zehn neue Orte der Erde zu vergiften: Nicht zum Selbstzweck oder aus Bösheit, sondern damit noch mehr Leute noch mehr kaufen können, um endlich ihre schlechten Gefühle zu vergessen. *Nicht* an der Wurzel des Problems anzusetzen, ist geradezu aktive Förderung ebenjenes Problems. Zumindest, sobald ich einmal erkannt habe, was die Wurzel ist.

    Und weißt du, was das Traurigste daran ist? Wenn ich sowas zu Ökos sage, dann kapieren sie es nicht. Denn es ist 1) nah dran an einer Du-Botschaft, und 2) fühlen sie sich in Frage gestellt, und gehen in die Reaktanz, um ihr Sicherheitsgefühl zu bewahren. Sie sind vollständig emotional, und beweisen damit, wie Recht ich habe, wenn ich sage: Es geht dem Menschen von Anfang bis Ende nur um Gefühle.

    Ich persönlich habe Ökos keine gute Geschichte zu erzählen – okay, hab ich kapiert. Ich war bei Transition Town auf der Konferenz, und keiner außer einem hat kapiert, was ich ihnen sagen wollte. Würdest nun aber z. B. du als jemand aus der Szene in einschlägigen Kreisen und Publikationen eine Geschichte erzählen, warum du dich gerade *nicht* an Braunkohlebagger kettest, sondern lernst, dich selbst bedingungslos anzunehmen… verstehst du, worauf ich hinaus will? *Das* wäre, aus dem Stand, dein maximal effektiver Beitrag zu einer nachhaltigen Welt, ohne Studium oder Ratschläge – denn nichts wirkt so stark wie eine gute Geschichte eines authentischen Vorbildes (idealerweise aus der In-Group). Being the Change, and telling people a great story about it – not just preparing to some day probably helping others to become a part of it.

    Alles Liebe
    Manuel

    P.S.: Deine letzten Fragen – Strahlen ist auch bei mir noch kein 100%iger Dauerzustand, dafür sitze ich zu viel vor dem PC, und mit dem ist schlecht Verbundenheit aufbauen. Aber viele tausend Prozent mehr als früher, und je weiter Move Meta gedeiht, und umso mehr die Sache zu fliegen beginnt, umso mehr Gründe habe ich zu strahlen. Und so schaffe ich es auch, dass es nicht wieder weg geht – indem ich die Liebe in jeder Hinsicht ins Zentrum meines Lebens stelle. Als Ideal, als Thema, als Berufung, als Lebenskonzept, als Eines für alles.

  • #13967

    Lieber Manuel,

    das ist deine Sicht der Dinge. Ich finde es ungeheuer sinnvoll, mich ökologisch zu engagieren, auf vielfältige Art und Weise. Ich meine klar hast du recht damit, dass „das wahre Problem“ noch nicht gelöst wird. Aber jetzt frage ich dich: Dauert es nicht viel zu lange, bis diese Selbstliebe die Menschen so weit erfasst hat, dass sie von selbst aufhören? Bis dahin ist der Planet längst den Bach runtergegangen. Und so lange will ich persönlich nicht warten.
    Und okay, das mit den Konzernen ist vielleicht in der Tat nicht das beste Beispiel. Aber nehmen wir an ich habe einen Garten, in dem ich ganz viele tolle Pflanzen anbaue, die wunderbar sind für Bienen und andere wichtige Bestäuber und in dem z.B. Igel ein Zuhause finden und in dem ich eigenes Gemüse anbaue etc. Das fällt für mich auch unter ökologisches Engagement und das ist völlig ohne Hass bei anderen zu schüren. Und das ist doch voll sinnvoll oder nicht? :)

    Und zu den Ökos. Da hast du schon recht, aber wenn ich dir jetzt sagen würde, dass es auch keine Lösung ist, mit Selbstliebe in absehbarer Zeit die komplette Welt retten zu wollen, weil es immer Menschen geben wird, die sich dagegen wehren, würdest du auch nicht begeistert sein. Und trotzdem weitermachen, weil du es als sinnvoll ansiehst. Und das ist doch auch gut, für das einzustehen, wovon man überzeugt ist. Du kannst mir meine Überzeugung nicht nehmen. Und ich will dir auch nicht deine nehmen.

    Alles Liebe
    Anne

  • #13968

    Und für mich bietet ökologisches Engagement durchaus einen Weg zu guten Gefühlen. Jedes Mal wenn ich im Garten bin und jedes Mal wenn ich über Foodsharing Essen vor dem Müll gerettet habe, bei jeder Wattwanderung, die ich mit Menschen gemacht habe und die mir gesagt haben, dass sie das toll finden, was ich mache. Und auch jedes Mal wenn mir bewusst wird, dass für meine Ernährung keine Futtermittel aus sonstwoher importiert werden müssen. Das gibt mir alles mehr gute Gefühle als du dir vorstellen kannst.

  • #13969

    Manuel Fritsch
    Gruppengründer und Administrator

    Liebe Anne,

    ich schreibe in Argumenten, und du antwortest in Meinungen – in Worte gefasste Gefühle. Das ist extrem frustrierend. Gerade, weil es genau bestätigt, was ich oben über Ökos schreibe (und ich meine den Begriff nicht abwertend, er ist halt knackig). Also:

    Nein, wenn ich durch mein ökologisches Engagement das wahre Problem nicht löse: Dann geht die Erde effektiv noch schneller den Bach runter, *weil* ich mich ökologisch engagiere – anstatt mich selbst anzunehmen, und anderen vorzumachen, wie es geht.

    Nein, wenn ich in beschaulicher Ruhe meinen Garten pflege, anstatt einem möglichst großen Publikum zu zeigen, wie sie bekommen, was sie wirklich wollen, ohne meinen Garten zu zertrampeln: Dann ist das, im Vergleich, keineswegs sinnvoll.

    Und ja, wenn du einfach nur behauptest, dass mein Weg ineffektiv sei, ohne mir logisch sauber darzulegen, was denn effektiver wäre: Dann werde ich ganz sicher weitermachen, was ich tue. Es geht mir nicht Meinungsstreit, sondern um sauberes, klares Denken und konsequentes Handeln.

    Ich kann mir denken, dass ich gerade an deinem Weltbild rüttele. Dass eine Geschichte mehr bewirken soll als ein Studium und nachhaltiges Engagement, das ist ja auch unerhört. Trotzdem hoffe ich, dass du bereit bist, dich auf neue Inspirationen einzulassen. Mit Argumenten komme ich nicht weit, das habe ich ja schon lange gelernt, und werde es auch hier nicht weiter versuchen. Aber mit Geschichten komme ich weiter – und zumindest diese Idee hoffe ich an dich weitergeben zu können.

    Alles Liebe
    Manuel

  • #13970

    Lieber Manuel,

    ich glaube eher, du willst nicht verstehen, dass man sich durchaus als ökologisch engagierter Mensch sehr gut fühlen kann (verzeih mir die Du-Botschaft). Du kennst deinen Standpunkt und deine Erfahrungen, aber ich kenne auch meine und ich weiß, dass ich seit ich mich ökologisch engagiere, ein besseres Leben habe als vorher. UND: das Garten-Beispiel ist das einzige Beispiel, wo der direkte Kontakt zur Außenwelt nicht gegeben ist, das sehe ich ein. Aber meine anderen Beispiele übergehst du total und das finde ich nicht fair. Denn ich habe schon einige Menschen damit beeinflusst. Außerdem ging es mir bei dem Gartenbeispiel um den Nutzen für die Natur und nicht für irgendwelche Honks da draußen. Denn Nutzen muss doch nicht immer nur auf Menschen projiziert werden, es sei denn ich bin ein Speziesist und Egoist.
    Und nein. Ich kann mich doch annehmen und mich gleichzeitig ökologisch engagieren. Warum sollte sich das ausschließen? Erkläre mir das bitte.

    Du rüttelst nicht an meinem Weltbild. Es hat sich über Jahre gefestigt und so schnell bekommt mich niemand von meiner Überzeugung weg. Ich finde es nur einfach nicht richtig von dir zu sagen, dass Egoismus (was sowieso schon SO verdammt viel kaputtmacht) eine bessere Lösung sein soll als auch mal selbstlos zu sein und sich für etwas Höheres einzusetzen. Wenn man sich dabei gut fühlt und sich genau deswegen gut findet und das anderen vorlebt – WAS SOLL DAS PROBLEM SEIN?! Und daraus kann man viele wunderbare Geschichten machen. Es sind vielleicht nicht die Geschichten, die dich besonders interessieren, aber hey, es gibt genug Menschen, die interessieren sie. :)
    Und ja, ich bin bereit, mich auf gegensätzliche Meinungen einzulassen, aber ich fühle mich in meinen Ansichten nicht wirklich von dir toleriert. Ich soll offen sein wenn du nicht offen bist? Tut mir leid, aber für mich kommt das so rüber, als wäre für dich deine Position die einzig richtige. Wenn ich das von meinem Öko-Dasein behaupten würde, würde ich sofort an die Wand genagelt werden… Ich versuche niemandem sein Weltbild zu zerstören, weil das keine guten Gefühle bringt. Du versuchst das – und sagst gleichzeitig, dir geht es um gute Gefühle. Bin ich völlig vor den Schrubber gesaust oder warum verstehe ich das nicht?

    Immer noch alles Liebe
    Anne

  • #13973

    Manuel Fritsch
    Gruppengründer und Administrator

    Liebe Anne,

    ich werde hier aussteigen, weil wir schon meilenweit vom eigentlichen Thema entfernt sind und du auch weiterhin nicht versuchst, logisch zu argumentieren. Das ist etwas ganz anderes, als Meinungen und Ansichten auszutauschen. Ja, man kann sich als Öko super fühlen, aber das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass Menschen das Leben hassen und zerstören, und wenn wir sie davon abbringen wollen, müssen wir uns in *ihre* Welt hineinversetzen, und *ihnen* etwas zeigen, das für *sie* noch attraktiver ist. Geh ruhig in dein Gärtlein, und betrachte die Menschen als Honks, aber das ist keine Liebe.

    Es ging dir in diesem Thread darum, wie du deiner Schwester durch all ihren Schmerz hindurch eine klare, hoffnungsvolle Botschaft senden kannst. Ich habe es dir beschrieben: Sei selbst ein leuchtendes Beispiel für „Ich bin gut, so wie ich bin“. Zeige deinen Nutzen, denn das ist alles, was Menschen in ihrem wahnsinnigen Schmerz interessiert, ob es dir gefällt oder nicht. (Siehe auch nochmal diesen Artikel.) Damit werde ich es bewenden lassen.

    Alles Liebe und Gute
    Manuel

  • #13974

    Lieber Manuel,

    ja, wir sind sehr weit vom eigentlichen Thema entfernt.
    Es tut mir leid, dass das hier so ausgeartet ist und es ist okay, dass du keinen Bock mehr drauf hast.
    Ich habe nur einfach keine Ahnung, wofür ich gerade ein leuchtendes Beispiel sein soll. Aber gut.

    Dir auch alles Liebe und Gute
    Anne

  • #14376

    Manuel Fritsch
    Gruppengründer und Administrator

    Liebe Anne,

    mittlerweile haben wir ja schon einige Male telefoniert, und ich wollte hier mal aufschreiben, welche Antwort ich auf deine letzte Frage gefunden habe!

    Deine Schwester leidet, und hat offensichtlich keinen anderen Weg gefunden, als sich selbst zu verletzen, um sich davon abzulenken. Sie hat keinen Weg gefunden, zu spüren: Ich bin gut, so wie ich bin. Sie fühlt sich höchstwahrscheinlich auch einsam und getrennt von der Welt. Denn das ist genau das Gegenteil des Gefühls der Liebe.

    Was ich damals (so ab 2011) entdeckt habe, um „Ich bin gut, so wie ich bin“/SelbstAnnahme/SelbstLiebe zu spüren, waren Gespräche und Telefonate. Ich habe damals wirklich alles geteilt, was in mir vorging – und wurde damit gesehen. Die Frauen, mit denen ich das gemacht habe, haben das auch gemacht. Und so konnte ich mich zum ersten Mal so richtig verbinden (Verbundenheit = Eins-Sein = Liebe). Das war der Weg aus dem Getrenntsein (meinem Leid) in die Verbundenheit (die Liebe).

    Um anderen dasselbe Gefühl zu schenken, habe ich Move Meta gegründet. In unseren Gruppen machen wir genau dasselbe – wir zeigen uns einfach, aufrichtig. Und schon findet Liebe statt. Wobei ich als Moderator oft den ersten Schritt mache, damit andere spüren: Auch ich kann mich zeigen – auch ich bin gut, so wie ich bin.

    Um deiner Schwester dasselbe zu schenken, kannst du also vorangehen und ihr zeigen, wie du dich in deinem Leben fühlst (und möglichst bei dir bleiben – anstatt auszubreiten, wie du über sie fühlst, denn das kann schnell als „du bist schuld, dass ich mich schlecht fühle“ ankommen).

    Allein, dass du dich traust, dich zu zeigen wie du bist, wird ihr schon ein Vorbild sein. Sie wird dich mit dir verbunden fühlen, und kann von dir lernen, wie man sich gut fühlt – indem man sich zeigt. Und irgendwann wird sie es dann auch selbst nachmachen! Vielleicht nicht mir dir, aber mit jemand anderem. Und dann kennt sie einen besseren Weg aus ihrem Leid, als sich selbst zu verletzen: Sich zeigen und verbinden.

    Alles Liebe
    Manuel

  • #14639

    Lieber Manuel,

    danke für deine Gedanken. Ich bin dabei, es zu versuchen. :-)

    Alles Liebe zurück
    Anne

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