Selbstqual, Ziele und Fragen

10. Juli 2014

Wo endet Selbstliebe, und wo fängt Selbstqual an? Muss ich mich quälen, um mich hinterher besser lieben zu können (als Künstler, Sportler…), oder will ich mich lieber nicht quälen, weil sich das einfach nicht gut anfühlt? Darüber sprachen wir gestern Abend in Bochum als erstes, und ich fand es hochspannend. Vor allem, weil wir beinahe komplett aneinander vorbeigeredet hätten: Was für den einen bereits Selbstaufgabe ist, mag für die andere noch Hingabe sein.

Das heißt aber nicht, dass über andere urteilen darf, wer sich am meisten quält! Es sind solche tief verinnerlichten Selbstverständlichkeiten („mein Leben ist hart, also bist du schlecht, wenn deines leicht ist“), die Selbstliebe unmöglich machen. Nein: Für Selbstqual wie Selbstliebe bin ich immer selbst verantwortlich. In welchen Handlungen meine Selbstliebe liegt, muss ich immer selbst herausfinden – und das gelingt am besten, wenn ich mich bedingungslos annehme, jenseits von Leistung und (Miss-)Erfolg, jenseits von „aber ich muss mich mindestens soundso viel Prozent quälen, um ein guter Mensch zu sein“.

Wenn ich nur darf, wenn ich soll,
aber nie kann, wenn ich will,
dann mag ich auch nicht, wenn ich muss.

Wenn ich aber darf, wenn ich will,
dann mag ich auch, wenn ich soll,
und dann kann ich auch, wenn ich muss.

Denn schließlich:
Die können sollen, müssen wollen dürfen.

– Unbekannt

Damit kamen wir zum zweiten großen Thema des Abends, den Zielen. Was habe ich davon, wenn ich ein Ziel erreiche, und was passiert, wenn ich es verfehle? Was ist, wenn ich herausfinde: Ein Ziel passt nicht zu mir, oder meiner Selbstliebe? Soll es mir zum Beispiel wichtiger sein, einen sicheren Job zu haben, oder im Leben glücklich zu sein – und kann ich vielleicht auch beides haben? Als Trainer für Berufungsorientierung würde ich darauf antworten: Wozu ein Leben leben, wenn es kein glückliches ist? Und der Stratege in mir würde fragen: Cui bono – wer in der Welt könnte einen Nutzen davon haben, dass ich mich täglich quäle und selbst aufgebe…?

Es sind solche Fragen, mit denen wir uns überhaupt erst das Recht geben, uns selbst zu lieben und glücklich zu sein. Fragen, die ein völlig neues Denken ermöglichen – und nur das, was ich denken kann, kann ich mir auch vorstellen, und es daraufhin überhaupt erst wollen. Ob Selbstliebe gelingt, ist also zunächst eine Frage der richtigen Frage. Deshalb will ich bei Move Meta viele Fragen stellen, um Selbstliebe viele Wege frei zu machen.

Manuel
m@movemeta.org

Ich bin Manuel und will Liebe finden, anstatt sie zu suchen. Ich bin der Gründer von Move Meta und liebe es, über Gefühle zu sprechen, in die Tiefe zu tauchen und Schätze zu heben.

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