Nein, Mann! Keine Frau ist dir was schuldig.

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06. Juli 2016

Letzte Woche traf ich beim Schwimmen einen Bekannten. Im Tanzkurs neulich habe er eine Frau kennengelernt. Als sie gegangen war, fragte er nach ihrer Nummer herum, erhielt jedoch nur ihre E-Mail-Adresse. So meldete er sein Interesse eben schriftlich an. Da keine Antwort kam, fragte er in einer zweiten Mail, ob denn die erste angekommen sei. Worauf wieder nichts zurück kam.

Auch, als man sich irgendwann im Tanzkurs wiedersah, ging sie nicht darauf ein. So sah er sich genötigt, nachzuhaken. Da meinte sie, ihm sei ja sicher klar, dass das echt nix gewesen sei, sich sowas einfach ergeben müsse und per Mail schon mal sowieso nicht. Mit Tanzen war dann wohl auch nicht mehr viel. Dabei war sie die einzige, der er dort gerne näher gekommen wäre.

So bereue mein Bekannter einmal mehr, sich überhaupt offenbart zu haben. Nicht einmal so viel Anstand habe sie besessen, ihm von sich aus abzusagen. Er selbst bemühe sich immer, nett zu sein, aber wer ihm das so vergelte, verdiene seinen Respekt gewiss nicht. Dafür sei ihm sowas einfach schon zu oft passiert. Er schloss mit der Feststellung, Frauen seien im Grunde genommen alles Fotzen.

Und dafür willst du geliebt werden?

Wie sich mein Bekannter fühlt, kann ich gut verstehen. Er ist einsam und wünscht sich jemanden, der ihn liebt, so wie er ist. Er fühlt sich ausgeschlossen vom Spiel um Liebe, als Verlierer und Versager. Warum sollte er da gütig und liebevoll sein; das hat der Rest der Welt ja überhaupt nicht verdient. Seine Reaktion ist, da schreibe ich aus eigener Erfahrung, absolut nachvollziehbar – und absolut verheerend.

Die Frau hat womöglich genau gespürt, woran sie mit ihm war. Ich glaube, Menschen erkennen sofort, ob in mir das Herz regiert. Wenn meine Liebe so schnell verfliegt, um obendrein regelrechtem Hass zu weichen – dann brauche ich mich nicht zu wundern, wenn andere mir aus dem Weg gehen. Wer würde sich näher auf mich einlassen, zu diesem Preis? Und wie erfüllend könnte eine intime Beziehung dann sein?

Ich habe gelernt: Wer Liebe will, muss Liebe geben. Die Liebe anderer verdiene ich mir nur, indem ich selbst bedingungslos liebe. Ansonsten habe ich darauf keine Chance. Niemals. Es reicht dafür auch nicht, „mehr“ zu lieben als andere – etwa „gerade so viel, dass ich noch als netter Typ durchgehe“, oder „gerade so viel, dass ich moralisch überlegen bin“. Mein Lieben muss aufrichtig bedingungslos sein, zu jedermann. Das zu lernen, ist der harte, ehrliche Weg zur Liebe. Es ist der einzige, der zum Ziel führt (im Unterschied zu Träumen, Hoffen, Wünschen und Abwarten). In unseren Gruppen gehen wir ihn gemeinsam.

Wie sag ich das jetzt richtig?

Ich will weitergeben, was mich selber glücklich macht. So wollte ich auch meinem Bekannten zeigen, was da schief gelaufen war. Allerdings weiß jeder, der sowas schonmal versucht hat: Ein falsches Wort, und der andere macht dicht. Dann gibt es nur noch Schmerz und Schuldgefühle, Wachstum ausgeschlossen.

Am liebsten hätte ich zu ihm gesagt: Nein, Mann. Frauen sind keine Fotzen. Du hast bloß leider keine Ahnung, wie du mit Menschen umgehst, sodass sie dir nah sein wollen. Und anstatt es zu lernen, gibst du ihr die Schuld. Sie hätte vorgezogen, dass du dich persönlich offenbarst. Auch hätte sie sich gewünscht, behutsam Gefühle entwickeln zu dürfen, anstatt mit Begierde überschüttet zu werden. Okay, sie hat dich unbeholfen abgewiesen. Als großer Kavalier hast du dich aber auch nicht herausgestellt.

Allerdings mochte ich es ihm gerne ein wenig schonender beibringen. Also suchte ich ihm klarzumachen, dass Frauen es in unserer lieblosen (Un-)Kultur praktisch nur falsch machen können. Sind sie zu offen, machen sie anderen was vor. Sind sie zu abweisend, sind sie arrogant. Sind sie zu leicht bekleidet, sind sie Schlampen und wir Männer hilflose Opfer weiblicher Reize. Da kann ich verstehen, wenn frau gar nichts macht und hofft, dass man die Botschaft auch so empfängt.

In ganz aufdringlichen Fällen muss sie dann eben Krisenmanagement betreiben. Das kommt davon, wenn sich beide um ihre Verantwortung drücken, bis es anders nicht mehr geht. Sicher wäre es schön, *sie* würde lernen, rechtzeitig und liebevoll nein zu sagen. Wäre aber auch schön, *er* müsste es nicht immer mit der Brechstange beigebracht bekommen.

Ein Leben ohne Liebe ist ein Leben ohne Sinn

Leider schienen meine Worte nicht bei ihm anzukommen. Zu sehr genoss mein Bekannter sein Bad im Selbstmitleid. Obendrein erzählte er mir, es gehe ihm derzeit so schlecht, dass er täglich an Selbstmord denke. Bereits drei Therapeuten hätten ihm zur Psychoanalyse geraten. Das sei wohl nun seine letzte Aussicht auf Erfolg; alles andere habe er schon vergeblich versucht. Da dachte ich mir: Nein Mann, hast du nicht. Du willst bloß geliebt werden, ohne Liebe zu geben. Da gibt es nicht viel zu analysieren.

Wie es sich anfühlt, wenn das Leben keinen Sinn (mehr) hat, weiß ich selber. In meinem Auslandsjahr in Schweden stand mein Studium über allem. Ich hatte keine Freunde; dafür hatte ich gute Noten und dicke Bücher zum Auswendiglernen. Doch dann stolperte ich über die Frage, welchen Sinn das (mein) Leben hätte. Diese Frage riss mir den Boden unter den Füßen weg. Ich wusste darauf keine Antwort!

In den nächsten drei Wochen war ich so tief erschüttert wie nie zuvor in meinem Leben. Mein einziger Ausweg war schließlich, mir selbst zu verbieten, jemals länger als fünf Minuten über den Sinn des Lebens nachzudenken. Bewusste Verdrängung also. Ich hatte zu viel Angst, sonst vielleicht vor Schmerz von einer Brücke zu springen. Erst 2013 erkannte ich, dass mein Leben inzwischen einen Sinn hat: Liebe zu erleben und weiterzugeben. Da konnte ich mein Denkverbot gefahrlos aufheben. Der SelbstLiebe sei Dank.

Geliebt wird, wer selber liebt

Was ich meinem Bekannten darum so gerne zeigen will, ist im Kern ganz einfach: Liebe ist bedingungslos (Erstes Prinzip von Move Meta). Das heißt: Ich muss sogar dann noch lieben (wollen), wenn ich nicht zurückgeliebt werde. Ob ich das tue, ist kein Zufall: Liebe ist eine Tätigkeit (Zweites Prinzip). Nur, wenn ich aktiv liebe, spüre ich auch, wie andere mich lieben – und kann erwarten, geliebt zu werden. Liebe ist immer zu 100% fair verteilt! Sie schließlich zu geben, ist allein meine Verantwortung (Drittes Prinzip). Also:

Wenn ich Liebe will, muss ich 3. selbst 2. lieben, und zwar 1. bedingungslos. 3, 2, 1, meins.

Ja, das zu lernen kostet Kraft. Gerade, wenn ich bisher alle verachte, die mich Sonnenkönig nicht lieben. Ich selber habe Menschen früher jedenfalls reichlich Bedingungen gestellt. Schlank, weiblich, unter 23 und ein Lächeln für mich: Zu diesen Konditionen war ich bis 2011 bereit, jemanden „bedingungslos“ (ha) anzunehmen. Zugleich hatte mein Leben keinen Sinn. Um mich selbst zu schützen, durfte ich daran jedoch niemals länger als fünf Minuten denken. Ich hatte Angst, mir sonst etwas anzutun.

Die Bedingungen meiner Liebe gelten zuerst für mich!

Zum Glück begann ich eines Tages zu erforschen, wie ich mit anderen so umgehe, dass sie meine Nähe genießen. Ich fing an, das Liebevollsein zu trainieren. Heute kann ich genau sagen, was für ein Mensch ich sein will, und welche Aspekte von Liebe dahinter stehen, die kaum einer kennt – jeder neue Abonnent erfährt es von mir. Vor allem habe ich gelernt, meine Bedingungen zu erkennen und loszulassen.

Denn was heißt es schließlich, meiner Liebe Bedingungen zu stellen? Es heißt: Ich selber (!) darf mich nur dann so richtig toll fühlen, so richtig vor Liebe leuchten, wenn eine Vielzahl äußerer Bedingungen erfüllt ist. Also nie. Das ist der wahre Preis, nicht bedingungslos zu lieben: Ein Leben ohne Liebe. Denn wie gesagt, Liebe ist bedingungslos. So ist sie definiert. Es gibt sie ganz – oder gar nicht.

Mir persönlich hilft der Anspruch, bedingungslos zu lieben. Mein Leben ist viel glücklicher, seit ich mich daran messe und das Lieben trainiere. Mit den Frauen klappt es auch besser. Sie wissen, was sie von mir erwarten können: dasselbe, was ich von mir selbst erwarte. Und eines Tages werde ich auch meinen Bekannten für diese Liebe gewinnen. Solange ich sie selber übe, bin ich sicher: SelbstLiebe steckt an.

Manuel
m@movemeta.org

Ich bin Manuel und will Liebe finden, anstatt sie zu suchen. Ich bin der Gründer von Move Meta und liebe es, über Gefühle zu sprechen, in die Tiefe zu tauchen und Schätze zu heben.

6 Kommentare
  • Nina
    Veröffentlicht am 08. September 2016 um 15:20 Uhr Antworten

    Genial! Geht mir auch so! Das Weitergeben ist aber schwer, das EGO behindert so stark. Dann muss man auch wieder „loslassen“ lernen. Ich kann Selbstliebe dem anderen nicht aufzwingen. Aufgaben über Aufgaben, aber wunderschön und befreiend.

    • Manuel Fritsch
      Veröffentlicht am 08. September 2016 um 15:49 Uhr Antworten

      Danke, Nina! Der erste Kommentar ist immer etwas Besonderes. Ich dachte schon, keiner kann mit diesem Artikel was anfangen :)

  • Catherine
    Veröffentlicht am 18. September 2016 um 23:53 Uhr Antworten

    Lieber Manuel, danke für diesen Blogpost. Ich glaube, da vermischen sich mehrere Punkte. Ich versuche mal eine Aufdröselung und habe noch Fragen und Anmerkungen:

    1. Heute scheint es wirklich auch zu meinem Leidwesen sich eingebürgert zu haben: Keine Antwort ist auch eine Antwort (und heißt: NEIN.) Ich mag das auch nicht, versuche es meinerseits auch nicht so zu handhaben, aber wenn mir umgekehrt so etwas begegnet, hake ich maximal EINMAL nach. Bei zwei- oder dreimal muss man ja nahezu schon selbstquälerisch sein. Die Mehrheit lässt sich da anscheinend auch nicht erziehen oder überzeugen. Leider.

    2. „Da meinte sie, ihm sei ja sicher klar, dass das echt nix gewesen sei, sich sowas einfach ergeben müsse und per Mail schon mal sowieso nicht.“ Da frage ich mich dann auch tatsächlich, wieso hat sie ihm dann überhaupt ihre Mailadresse gegeben? Da wünsche ich mir doch ihrerseits auch mehr Mut zu einem klaren: „Du, ich möchte keinen näheren Kontakt zu dir.“

    3. Dass dein Bekannter das nun bereut oder zumindest bedauert ist einerseits nachvollziehbar, andererseits, wenn man drei/viermal nachfragt doch auch nicht so arg überraschend. Schön wäre es, wenn es nicht immer nur an den Männern hängenbliebe. Das schimmert ein wenig hier bei deiner Geschichte durch, kann aber auch nur Zufall sein.

    4. „Er schloss mit der Feststellung, Frauen seien im Grunde genommen alles Fotzen.“ Dass ein Mann mit einem schlichten Korb nicht umgehen kann – den er vielleicht sogar mit ein wenig mehr Fingerspitzengefühl sich nicht erst hätte abholen müssen – habe ich so oft erlebt, noch gerade kürzlich mehrfach. Das ging von einem ‚Ich habe aber doch eh schon jemand anders kennengelernt‘ – keine halbe Stunde nach meiner ‚Absagemail‘ ihn näher kennenlernen zu wollen, wo wir noch 2 h vorher in ganz normalem Kontakt standen – im Rahmen einer Kontaktanzeige, wir sind nicht mal über mailen hinausgekommen – über – ein anderer – wüste Beschimpfungen, ich sei gestört und man wünsche mir ewiges Singledasein – und noch mal jemand anderes – weitere Beschimpfungen, ich sei arrogant, krank und „nicht genug gefickt worden“ und man wünsche mir „einen guten Psychater“! (sic!)

    5. Dann nimmt dein Blogartikel eine für mich sehr seltsame Wendung – ich mag das, was du sonst schreibst, aber hier liest es sich für mich so, dass du im Grunde dasselbe tust, was du an deinem Bekannten feststellst/kritisierst: Er gab die Schuld der Frau (aber wofür genau?) und du schreibst, wenn auch etwas verdeckt: Das Verhalten deines Bekannten ist Schuld daran, dass es nicht klappt. Dass er ’nur‘ sich selbst lieben und Liebe schenken müsste, bedingungslos und dann … Ist das dann keine Bedingung?
    Und vor allem:
    Selbst wenn ich immer mehr mich liebe und auch andere, darf ich dann nicht mehr Nein sagen? Einfach so?
    Ja, ich darf! Beide Seiten. Jederzeit.

    Ich habe eine zeitlang mich in polyamoren Kreisen bewegt und nie außer dort ist mir so oft durch die Hintertür vorgeworfen worden, ich könne nicht richtig lieben, weil ich ja mich nicht auf den oder denjenigen einlassen wolle. Ich sei doch schliesslich poly – oder etwa nicht? Das empfand ich als äußerst übergriffig. Jeder soll und darf lieben, wen er mag. Und auch, wen nicht. Bedingungslosigkeit bedingt ein Ja und ein Nein.

    6. Das mit dem Selbstmitleid ist nochmal was anderes. Selbstmitgefühl zu lernen, scheint mir da der empathischere Weg.

    Mit den folgenden Worten, dass Selbstliebe die Basis ist, damit kann ich wiederum wieder sehr viel anfangen.
    Danke!

    • Manuel Fritsch
      Veröffentlicht am 19. September 2016 um 00:32 Uhr Antworten

      Liebe Catherine,

      hab Dank für deinen Kommentar! Die Nummerierung macht es mir viel leichter, darauf einzugehen, eine gute Idee.

      ad 2., er erhielt ihre Adresse erst, nachdem sie gegangen war, also von anderen Anwesenden.

      ad 5., du scheinst etwas in meinen Text hineinzulesen, was dort eindeutig nicht steht. Ich weise keine Schuld zu, sondern stelle fest, was ich selbst gelernt habe. Unsere Kultur trainiert uns darin, Schuldzuweisungen vorzunehmen und sogar im geschriebenen Wort zu hören; ich kenne das. Ich vermute, das ist dir passiert. (Was, pro forma, wiederum keine Schuldzuweisung, sondern eine schlichte Feststellung ist.)
      Davon abgesehen: Wenn ich feststelle, dass Liebe immer und ausnahmslos bedingungslos ist – dann ist eben das wiederum eine Bedingung. Das ist paradox, weil Liebe einer paradoxen Logik folgt (vgl. Erich Fromm, Die Kunst des Liebens, wo die klassische und die paradoxe Logik schön erklärt werden). Und ja, diese Bedingung habe ich zu erfüllen, wenn ich Liebe erleben will: Ich muss lieben, bedingungslos. Wobei dies keine weiteren Aussagen über Beziehungen, Ja, Nein etc. impliziert – das sind alles Fragen der physischen Umsetzung, nicht der inneren Haltung der Liebe, um die es hier geht.

      Schön, dass du bei uns dabei bist!
      Herzliche Grüße
      Manuel

  • Catherine
    Veröffentlicht am 20. September 2016 um 19:03 Uhr Antworten

    Danke, Erich Fromm will ich demnächst nochmal nachlesen. Schon sehr lange her meine Lektüre.

    Ich ‚muss‘ eben nicht lieben. Und schon gar nicht jeden. Ich darf auch NICHT lieben. Liebe ist frei. So seh ich und halte ich das.
    Und ja, stimmt – was ich dann daraus mache – wie eng, welche Form von Beziehung ist tatsächlich nochmal Fragen der physischen Umsetzung. Wenngleich das für viele ja einander bedingt.

    • Manuel Fritsch
      Veröffentlicht am 20. September 2016 um 21:22 Uhr Antworten

      Liebe Catherine,
      wenn du ein Eis willst, musst du ein Eis essen. Wenn du aufs Klo willst, musst du aufs Klo gehen. Wenn du Liebe erleben willst, musst du lieben. Klar musst du gar nichts, aber wenn du dann gar nichts tust, bekommst du halt auch gar nichts. Fair ist fair :) Darum schrieb ich oben: „diese Bedingung habe ich zu erfüllen, –> wenn <-- ich Liebe erleben will". Alles Liebe!

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