M² Graz startet: „Ich will an die Liebe glauben und meinen Glauben leben“

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14. November 2016

Image: „2010-02Februar-14_15-14-35“ by Jakob Hürner on flickr is licensed under CC BY-NC-ND 2.0.

Ich will drei kurze Geschichten von mir erzählen, dir mir sehr nahe gegangen sind und für mich mit den Grundsätzen von Move Meta zusammenhängen. Diese Erfahrungen haben mir beigebracht, dass ich in der Beziehung zu mir selbst Humor brauche; dass es Sinn macht, mein Hirn hin und wieder zu benutzen, um über mich und mein Leben zu reflektieren; und dass ich meinem Herzen folgen muss.

Meine Schulzeit: Über mich selbst lachen können

In der ersten Geschichte geht es zurück in meine Schulzeit. In der 8. Klasse (4. Klasse Gymnasium) fühlte ich mich nicht so wohl, doch immerhin saß dieses Jahr ein Freund neben mir. Er zeichnete gerade einen Menschen, der an einem Galgen hängt, mit einem Heiligenschein. Zuerst war ich neugierig und beobachtete, was er malte.

Dann sah ich, wie er meinen Namen auf den Pullover des Gehängten schrieb. Das versetzte mir einen Stich, ich war aufgewühlt und verletzt und wusste überhaupt nicht, wie ich reagieren soll. Er traf mich mitten ins Herz, völlig unerwartet. Jesus war mein Vorbild und als erstes fiel mir der bekannte Spruch von ihm ein: „Wenn dir jemand auf die eine Wange schlägt, halte ihm auch die andere hin.“ Ich hatte allerdings keine Ahnung, was mir das in diesem Moment helfen sollte. So beschloss ich, das Gemalte zu ignorieren, auch wenn es unter meinen Klassenkameraden große Beachtung fand.

Mit der Zeit fanden die anderen Jungs heraus, dass ich ein leichtes Opfer war. Immer wieder bekam ich das zu spüren. Damit umgehen konnte ich aber nicht. Drei Jahre dauerte es, bis ich es schließlich nicht mehr aushielt, und die Schule wechselte. Als es dort allerdings genauso weiterging, war mir klar, dass es mit mir zu tun hatte und ich etwas ändern musste. Ich fing an, mich zu wehren, auch wenn ich mich lieber nicht „auf dieses Niveau herabgelassen“ hätte.

Glücklicherweise hatte ich an der neuen Schule einen Freund in der Parallelklasse. Er war immer gut drauf und erklärte mir, er wäre schon immer verarscht worden und nähme es eben mit Humor. Ihn nahm ich mir zum Vorbild, die Dinge nicht so ernst zu nehmen. Mit der Zeit lernte ich dann auch tatsächlich, die Dinge lockerer zu sehen und auch mal über mich selbst zu lachen.

Mein freiwilliges soziales Jahr: Ordnung in mein inneres Chaos bringen

Nach der Schule studierte ich zunächst Umwelt- und Bioingenieurwesen, entschied mich dann aber nach zwei Semestern, erst einmal ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ) bei den Jesuit European Volunteers zu machen. Was mir dort besonders gefiel, war die Schweigewoche. Ich konnte eine Woche lang aus dem Alltag fliehen und musste mich mit niemandem außer mir selbst auseinandersetzen. Niemand lenkte mich von den Themen ab, die mich am meisten beschäftigten.

Die Schweigewoche diente auch zur Auseinandersetzung mit und zur Vertiefung meines Glaubens. Dazu gehörte, mich an jedem Tag mit einem Seelsorger auszutauschen, um gut begleitet durch meine inneren Irrungen und Wirrungen zu kommen. In dieser Woche fand ich mehr zu mir als je zuvor. Es war, als würde ich innerlich aufräumen. Ich hatte das Gefühl, innerlich Großputz zu machen und fühlte mich hinterher sehr klar.

Bei dieser inneren Ordnung halfen mir auch die vier Leitlinien dieses FSJ: Einsatz für Gerechtigkeit, Leben in Gemeinschaft, gelebter Glaube und einfacher Lebensstil. Wir waren vier Freiwillige in einer Wohngemeinschaft und gingen verschiedenen sozialen Tätigkeiten nach; außerdem tauschten wir uns immer wieder über unseren Lebensstil und unseren Glauben aus, bzw. was die vier Leitlinien für uns bedeuteten.

Das alles entsprach mir und ich fühlte mich in der Gemeinschaft und in der Arbeit sehr wohl. Mir gefiel es, unser Verhalten zu hinterfragen und uns damit auseinanderzusetzen, an was wir glaubten und was dies in unserem Alltag bedeutete. Insgesamt merkte ich in diesem Jahr, dass die Beschäftigung mit mir selbst und die Reflektion meiner Sichtweisen mir sehr halfen, meinen Weg zu finden.

Nach diesem Jahr wurde es für mich zu einem Ritual, alle 1-2 Jahre eine Pause in Form einer Schweigewoche vom Alltag einzulegen. So schaue ich nach, ob die Richtung noch stimmt, in die ich im Alltag laufe. Es hilft mir vor allem, wieder mit mir ins Reine zu kommen, wenn in mir besonders viel Chaos geherrscht hat.

Mein Studium: Zurück zu meinem Herzen finden

Nach dem freiwilligen sozialen Jahr begann ich Sozialwirtschaft zu studieren. Gegen Ende dieses Studiums machte ich auch wieder eine Schweigewoche. Darin erinnerte ich mich an den Tod meines Großvaters, als ich noch ein Kind war. Dieses Ereignis hatte mich damals sehr berührt.

Damals war mein Großvater ins Krankenhaus gekommen und mein Vater besuchte ihn. Bei diesem Besuch wurde klar, dass mein Großvater nicht mehr lange leben würde. So fuhren wir am nächsten Tag mit der ganzen Familie gemeinsam ins Krankenhaus. Mein Großvater war an diesem Morgen gar nicht aufgewacht und schlief noch.

Da allen klar war, wie ernst es um meinen Großvater stand, gingen nur mein Vater und meine große Schwester ins Krankenzimmer. Beide waren dabei, als er seine letzten Atemzüge tat. Mein Vater erzählte uns tief berührt direkt danach, wie friedlich er eingeschlafen war. Wir hatten alle Tränen in den Augen. Für mich war klar, dass mein Großvater mit seinem endgültigen Abschied auf uns gewartet hatte.

Mein Vater und mein Großvater hatten eine enge Beziehung. Für mich war ihr Umgang miteinander eine Form von Liebe. Als ich mich an all das erinnerte, wurde mir klar, was das Wesentliche auch in meinem Leben ist: Es sind die Menschen um mich herum und die Beziehungen, die ich zu ihnen pflege. Und so erkannte ich zugleich, dass ich noch immer nicht studierte, was mir am Herzen liegt.

Ich wollte (und will) anderen Menschen helfen, sich auch ihrer Herzensanliegen bewusst zu werden. Ich erkannte, dass für mich die Liebe im Zentrum meines Glaubens steht. Da ich Christ bin, überlegte ich mir, dass ich gerne als Seelsorger die Menschen auf ihrem Weg zur Liebe begleiten würde. Deswegen entschied ich mich, zum dritten Mal ein Studium zu beginnen: Theologie. Auch, um der Sache mit der Liebe einmal ganz auf den Grund zu gehen.

Warum ich eine Gruppe von Move Meta eröffne

Ich möchte mich mit ganzem Herzen daran erfreuen, wie ich und andere Menschen sich entfalten. Das gelingt mir am besten, wenn ich mich selbst angenommen habe. Erst dann fange ich richtig zu leben an. Wenn ich offen und ehrlich bin, kann eine Verbindung entstehen, eine Beziehung mit mir selbst und mit anderen. Das ist für mich Liebe.

Ich will mich über unsere Erfahrungen mit der Liebe austauschen und mir dadurch bewusst werden, was ich schon lebe und an welchen Stellen ich noch mehr leben darf. Damit uns das gelingt, sind mir drei Dinge wichtig:

Deep Talk statt Small Talk, damit wir über das reden können, was zu Herzen geht.
Liebevolle Leichtigkeit, damit wir auch gemeinsam lachen können.
Und genug Verstand, damit wir wissen wann wir aufhören müssen.

Kurz: Hirn, Herz und Humor. Ich freue mich schon auf unsere Abende!

Besuche unsere Mitmachen-Seite, um Ort und Zeit unserer Treffen in Graz zu erfahren.

Andreas
andreas@movemeta.org

Mein Sternzeichen: Schildkröte. Langsam, dafür immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort – bei mir, jetzt und hier. Außer, ich bin mal nicht da... Mein Vorbild: Kassiopeia aus Momo.

3 Kommentare
  • Harald Pfohl
    Veröffentlicht am 01. Dezember 2016 um 14:58 Uhr Antworten

    Lieber Andreas, auch wenn ich Kreta bin, bin ich mit dir und euch … Viele tiefe Begegnungen … Herzlichst … Harald

    • Andreas
      Veröffentlicht am 06. Dezember 2016 um 20:16 Uhr Antworten

      Danke :-) Viele Grüße nach Kreta

  • Irene
    Veröffentlicht am 06. Dezember 2016 um 14:54 Uhr Antworten

    Lieber Andreas, ich freue mich über deine Geschichte, durch die ich mich mit dir verbunden fühle. Danke! :-)

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