Ich will keine Pflicht sein: Sag „Nein“!

Ich will keine Pflicht sein Liebe SelbstLiebe Move Meta

17. Januar 2017

Im Sommer 2015 besuchte ich Manuel zum ersten Mal. Seitdem kamen wir uns immer näher. Anfangs telefonierten wir nur ab und an und schrieben uns. Erst nach zwei Monaten sahen wir uns wieder. In der Zwischenzeit lebte jeder sein eigenes Leben. Ich schloss meine Promotion ab, er baute Move Meta weiter auf. Wir hatten eher selten Kontakt. Auch wenn ich gern mehr Zeit mit ihm verbracht hätte.

Seit April 2016 sahen wir uns dann immer häufiger. Statt aller zwei Monate war ich nun meist jeden Monat bei Manuel zu Besuch. Außerdem schrieben und telefonierten wir fast täglich. Ich war glücklich, mehr Zeit zu haben und öfter mit ihm zusammen sein zu können. Immer häufiger und über immer mehr Themen sprach ich mit ihm statt mit anderen Freunden. Ich wusste, dass er mir zuhören und mich verstehen würde.

Im August 2016 trennte ich mich dann von meinem Mann. Danach wurde mein Verhältnis zu Manuel nochmal enger. Ich brauchte ihn als mitfühlenden Gesprächspartner. Er war (fast) der einzige Mensch, mit dem ich über meine Ängste und Sorgen sprechen konnte. Während meine Familie mich mit ihren eigenen Ängsten überschüttete, gab er mir Halt. Er ermutigte mich, meinen eigenen Entscheidungen zu vertrauen, und ihnen die Chance zu geben, sich als positiv zu erweisen.

Im Oktober zog ich dann nach Leipzig. Dort kannte ich fast niemanden. Jeden Abend telefonierte ich mit Manuel und freute mich auf unser nächstes Wiedersehen. Ich fühlte mich einsam. Die Regelmäßigkeit unserer Telefonate gab mir Sicherheit; die Gespräche Nähe und Verbundenheit. Ich hätte ihn am liebsten noch häufiger bei mir gehabt.

Im letzten Dezember schließlich sollten wir uns gleich dreimal sehen. Anfang Dezember fand unser Gründertreffen statt. Zwei Wochen später war ich wieder zu Besuch, zum gemeinsamen Plätzchenbacken. Auch dass wir gemeinsam Silvester feiern würden, stand schon länger fest. Wir wussten genau, wann wir uns sehen würden und wie lange. Wir wussten, wann ich ankommen und wann ich abreisen würde. Alles war so fest geplant, dass kein Raum mehr für Spontanität blieb. Wir sahen uns, weil wir es so *geplant* hatten.

Am Abend bevor ich mit meinen Plätzchen nach Hause fahren sollte, fühlte ich mich erschöpft und müde. Es war, als hätten wir uns nichts mehr zu geben. Wir hatten uns die gesamte Zeit (so wie auch bei unseren anderen Treffen) sehr intensiv einander gewidmet, waren sehr achtsam, zärtlich und hingebungsvoll miteinander gewesen. Nun fühlten wir uns beide so voller Liebe, dass nichts mehr hineinpasste. Ich hatte den Eindruck, dass es Manuel ähnlich ging, aber wir sprachen nicht darüber.

Nach meiner Heimreise telefonierten wir abends. Nun offenbarte Manuel mir, dass er manchmal Druck verspüre, für mich da sein zu müssen. Er glaube, ich sei davon abhängig und ohne seine Zuwendung ginge es mir schlecht. Gleichzeitig habe er Angst davor, mich und meine Anwesenheit nicht mehr schätzen zu können, wenn wir zuviel Zeit miteinander verbrächten. Er wünsche sich, mich mit einigem zeitlichen Abstand immer wieder neu kennenlernen zu können. So hätte ich Zeit, neue Erfahrungen zu machen, über die wir uns austauschen können. Insbesondere fürchte er sich davor, dass wir uns nicht mehr bewusst füreinander entscheiden könnten, weil wir uns ja sowieso sähen, aus Gewohnheit oder gar Pflicht.

Ich hörte Manuel zu und merkte, dass es ihm schwer fiel, darüber zu sprechen. Seine Angst vor einer Liebesroutine konnte ich verstehen. In meiner Ehe hatte ich schon erlebt, wie beengt und unwohl ich mich fühlte, wenn Nähe und Intimität zu selbstverständlich geworden waren. Ohne mir selbst zu erlauben, „Nein“ zu sagen, konnte ich nicht aus vollem Herzen „Ja“ sagen. Ich begriff, wie wichtig auch mir das war. Nun wollte ich erst recht auch ihm diese Freiheit schenken. Also bat ich ihn, mir „Nein“ zu sagen.

Ich sagte Manuel, dass er nicht aus Routine oder Pflichtgefühl mit mir zusammen sein soll. Wenn ich anrufe und er gerade nicht mit mir sprechen will, soll er bitte „Nein“ sagen. Wenn ich zu Besuch kommen möchte und er mich gerade nicht sehen will, soll er bitte „Nein“ sagen. Wenn ich kuscheln möchte und er nicht, soll er bitte – ja genau – „Nein“ sagen. Er soll mit mir ganz er selbst sein können.

Damit schenke ich nicht nur ihm etwas, sondern auch mir selbst. Nämlich die Gewissheit, dass er mit mir zusammen sein *will*, wenn er es *ist*. Keine Zweifel an seiner Freiwilligkeit haben zu müssen, sondern tatsächlich gewollt zu sein, ist das Geschenk, was ich mir damit mache. Lieber bin ich mal traurig, weil er gerade nicht mit mir zusammen sein möchte, als in ständigem Zweifel zu leben. Ich will mir sicher sein können, dass ein „Ja“ auch ein „Ja“ ist. Andernfalls ist mir ein „Nein“ lieber. Denn: Ich will keine Pflicht sein!

Schließlich sagte ich zu ihm, dass auch ich frei sein möchte, meine Wünsche zu äußern. Ich möchte ihn anrufen können, wenn mir danach ist, anstatt überlegen zu müssen, ob er das wohl auch will. Ich will nicht herumraten müssen: „Hmm. Es ist jetzt einen Tag her, dass wir gesprochen haben. Könnte ich heute wieder anrufen oder sollte ich besser bis morgen warten?“ Zu viel Spekulation führt in meiner Erfahrung nur zu Missverständnissen. Er hat das Recht und die Pflicht, „Nein“ zu sagen, wenn er etwas nicht möchte. Nur so bleibt die Freiwilligkeit in unserer Beziehung erhalten.

Als ich ihm all das gesagt hatte, schien Manuel überrascht. Anscheinend hatte er nicht damit gerechnet, dass ich auch bereit wäre, ein „Nein“ von ihm zu hören. Ja, es sogar *wollte*. Er wirkte erleichtert. Auch ich fühlte mich glücklich. Eigentlich hätte ich damit gerechnet, todunglücklich zu sein, wenn er weniger Zeit mit mir verbringen wollte. Ich dachte, ich würde bei einer solchen Offenbarung in Tränen ausbrechen vor lauter Angst, ihn zu verlieren.

Stattdessen fühlte ich mich am Ende dieses Gespräches stark und kraftvoll. Ich konnte etwas *geben*. Etwas, dass *gebraucht* wurde. Manuel schenkt mir immer so viel Liebe und Annahme. Dafür bin ich ihm so dankbar, dass ich glücklich bin, ihm jetzt auch etwas zurückgeben zu können: die Chance, zu wachsen. Zu lernen, offen seinen Wunsch zu äußern. Ihm das schenken zu können, erfüllt mich mit Freude.

In Zukunft möchte ich noch mehr darauf achten, dass wir uns immer bewusst füreinander entscheiden. Ich möchte nicht nur aus Gewohnheit mit Manuel zusammen sein und will auch nicht, dass er das tut. Es ist mir wichtig, dass wir uns immer wieder neu entschließen, Zeit miteinander zu verbringen. Ich weiß, dass ich traurig sein werde, wenn er irgendwann einmal nicht mehr so viel Zeit für mich haben sollte, aber ich möchte lernen, damit umzugehen. Ich will nicht abhängig von ihm sein.

Ich freue mich darauf, mich mit Manuel weiterzuentwickeln, uns immer wieder gegenseitig zum Wachstum anzuregen und uns dabei zu unterstützen. Ich will selbst noch so viel wachsen und hoffe, dass ihm das mit mir auch gelingt. Spirituelles Wachstums Teamwork, yeah!

Caro
caro@movemeta.org

Ich bin Caro und möchte mich für eine liebevollere und schönere Welt einsetzen. Ich moderiere die Leipziger M² Gruppe und liebe echte Begegnungen, in denen ich mich verbunden fühle. Ich mag lebendige Beziehungen, in denen ich wachse - und schreibe gern darüber.

1 Kommentar
  • Johannes
    Veröffentlicht am 17. Januar 2017 um 20:05 Uhr Antworten

    <3

    Mehr habe ich nicht zu sagen. :-)

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