Ein Wochenende voller Liebe: Unser Gruppengründer-Treffen in Hof

Move Meta Dezember 2016 Hof

19. Dezember 2016

Vom 02. bis 05. Dezember fand unser diesjähriges Gruppengründer-Wochenende in Hof statt, einer gemütlichen kleinen Stadt am nordöstlichen Rand von Bayern. Ich war zum ersten Mal dabei und freute mich, die Gründer aus den anderen Städten persönlich kennen zu lernen. Wie wunderbar und tiefgreifend diese Begegnungen werden würden, habe ich nicht erwartet.

Schon die Hinreise war ein Abenteuer: etwa zehn Stunden Bahnreise, mit einem kleinen Zwischenstopp bei meinem Vater in Wetzlar. Normalerweise bin ich sehr aktiv und habe ständig etwas zu tun. Während der Fahrt nahm ich mir zwangsläufig die Ruhe, die ich mir sonst selten gönnte. Ich meditierte und hielt einige Power-Naps, so dass ich bereits entschleunigt in Hof ankam.

Auf dem Fußweg vom Bahnhof zur Unterkunft traf ich Andreas, der gerade aus Graz angereist war. Gemeinsam stapften wir einen dunklen Waldweg entlang und erreichten bald unser Ziel.

Die Begrüßung war warm und freundlich. Auch wenn ich außer Manuel und Caro bisher noch niemanden live getroffen hatte, fühlte ich mich direkt aufgehoben. Es gab Umarmungen und warmen Eintopf, der fabelhaft schmeckte nach der kalten Winterluft. Nach einigen Gesprächen und der Vorbereitung für den nächsten Tag ging es ins Bett.

Ich habe nicht lange geschlafen und doch wachte ich erfrischt auf, denn ich freute mich auf die gemeinsamen Erfahrungen. Im Wohnzimmer angekommen lernte ich Momo kennen, die Tochter von Laura und Martin. Die Kleine war 2 1/4 Jahre alt und zeigte mir auf ihre eigene Art und Weise, wonach ich im Grunde strebte. Sie aß, wenn sie hungrig war. Sie schlief, wenn sie müde war. Und sie war neugierig, entdeckte die Welt ganz ohne Bewertung, ohne ein größeres Ziel dahinter.

Nach und nach tauchten die anderen auf, so dass wir nach dem Frühstück mit unserem ersten Workshop starten konnten. Laura, Caro und ich brachten den anderen das Thema „Gewaltfreie Kommunikation“ näher. Anschließend folgte das Mittagessen.

Nachdem wir satt waren (und dank Manuels Essens-Planungen hatten wir gar keine Chance, besonders hungrig zu werden), leitete Jenny mit uns eine kleine Move-Meta-Runde á la Berlin. Die Methoden waren eine Bereicherung für mich und ich freue mich, sie demnächst in Essen anzuwenden.

Später leitete uns Andreas zu einem „Herzgespräch“ an. Nach einer kleinen Meditation schrieben wir einen Dialog auf zwischen uns und unserem Inneren. Allmählich kam ich in Kontakt zu mir selbst. Am Abend war Zeit für Spaziergänge und Gespräche. Ich spürte, wie sich das ganze Haus mit einer Wärme füllte, die nicht allein der Heizungsanlage zu verdanken war.

An diesem Abend bekam ich von Ariane meine erste Ganzkörpermassage – eine wunderbare Erfahrung. Wie es dazu kam, erzähle ich vielleicht mal an anderer Stelle. Jedenfalls erlebte ich das Gefühl „Ich bin gut, so wie ich bin“ allein durch Arianes Berührung. Mein Denken, das sonst im Dauerbetrieb arbeitet, trat einen Schritt zurück, um dem Fühlen Platz zu machen.

Nach dieser Erfahrung war ich tiefenentspannt. Meine Bewegungen fühlten sich langsamer an – aber auch achtsamer, kraftvoller. Ich nahm meinen ganzen Körper wahr, den Raum um mich herum und die Menschen darin. Und alles war bedingungslos gut.

Der nächste Tag startete mit Manuels Workshop zum Thema „Schreiben“. Als alter Schreiberling freute ich mich auf diesen Teil und fand bald mein Herzensthema, das ich schon lange vor mir herschob und nun endlich zu Papier gebracht habe. Diese Geschichte holte Erinnerungen hervor, alte Wunden, die wieder aufgingen. Ich fühlte mich in der Zeit zurückversetzt, damals, als ich die Liebe zu meiner besten Freundin erkannte (dazu an anderer Stelle mehr).

Im weiteren Tagesverlauf hörte ich Musik im Haus und fand Christoph, der Gitarre spielte und sang. Ich gesellte mich zu ihm und wir spielten ein wenig, bis es Mittagessen gab.

Jenny musste uns leider kurz darauf verlassen, aber nicht vor einer kleinen Impro-Theater-Einlage im Freien. Unser Gruppenbild ist bei dieser Gelegenheit entstanden und ich finde, man sieht uns den Spaß deutlich an.

Zum Abend hin wurde es dann richtig gemütlich. Ariane hatte uns einen Massage-Workshop versprochen und so heizte Manuel den Kamin an, der das Wohnzimmer bald in eine Sauna verwandelte. Eine Massagefläche wurde auf dem großen Tisch bereitet, zwei weitere am Boden. Gedimmtes Licht und entspannende Musik brachten eine zauberhafte Atmosphäre in den Raum. Dazu kam, dass wir kaum sprachen, wenn dann nur flüsternd.

Nach anfänglicher Scheu lagen bald die ersten Freiwilligen auf den Massageliegen und nachdem uns Ariane gezeigt hatte, worauf wir zu achten hätten, machten wir uns an die Arbeit. Dabei hatte ich erstmals die Gelegenheit, einen Mann zu massieren. Zwar kenne ich menschliche Körper aus meinem Beruf als Krankenpfleger, aber das war eine völlig neue Erfahrung. Zum ersten Mal nahm ich meine Berührungen als Geschenk wahr und noch mehr: Ich dachte nicht darüber nach. Alles, was ich tat, geschah rein intuitiv und war von Liebe geprägt. Ich dachte nicht an die Zeit oder daran, ob mich diese Arbeit erschöpfen würde. Ich war vollkommen im Moment und freute mich, Christoph etwas Gutes zu tun.

Irgendwann kam Irene dazu, Christophs Freundin. Ab da massierten wir mit vier Händen und ich genoss die Verbindung, die sich zwischen uns aufbaute. Erst massierten wir noch jeder für sich, bald schon spielten wir uns auf einander ein und stimmten unsere Bewegungen intuitiv aufeinander ab.

Als wir fertig waren, setzte ich mich auf das Sofa und ließ die Eindrücke auf mich wirken. Drei nackte Menschen lagen im Raum, nur mit einem Handtuch bedeckt. Liebevoll strichen die Hände über Rücken, Arme und Beine. Dieses Bild fühlte sich so natürlich an, als wäre es schon immer so gewesen.

Ich wollte mich auf das Sofa legen, als Irene sich neben mich setzte. Sie meinte, ich könne ja auch meinen Kopf in ihren Schoß legen. Mein Herz klopfte plötzlich laut. Im Umgang mit Frauen bin ich immer noch schüchtern und dieses Angebot hätte früher in mir gewisse Erwartungen geweckt. Doch nicht diesmal.

War die Situation nicht schon surreal genug, tauchte ich nun in eine ganz andere Welt ein, eine Welt, in der es nur Irene und mich gab. Sie legte einen Arm über meine Brust und meinen Kopf in die Hand des anderen. Als sie mich zu streicheln begann, wurde mein Herzklopfen noch größer. Ich blickte ihr in die Augen und sie in meine. Ihr Lächeln sehe ich noch vor mir und ich weiß, dass ich in dem Moment ebenfalls so ein Lächeln im Gesicht hatte.

Es war Liebe. Die reine, bedingungslose Liebe, von der ich so oft bei Move Meta erzählt habe. Und doch spürte ich sie in diesem Moment zum ersten Mal in ihrer ganzen Klarheit. Der Raum war erfüllt von ihr und es gab nichts, was wichtiger gewesen wäre, als dort zu sein mit dieser Frau.

Neben uns war Christoph gerade dabei, jemand anders zu massieren. Ich war dankbar, dass er Irene und mir diesen Moment erlaubte. Ich hatte auch keinerlei Absichten, mit ihr weiter zu gehen. Ja, vielleicht zum ersten Mal habe ich alle Gedanken beiseite geschoben, was denn „danach“ werden würde. Ich spürte einfach Liebe – bedingungslos.

Seitdem – es ist jetzt eine Woche her – fühle ich mich verändert. Ich habe die Liebe in mir wiedergefunden. Wenn ich früher eine Frau angesehen habe, war ich meist sehr oberflächlich und habe sie „abgecheckt“. Die körperlichen Merkmale wurden nach der Reihe gescannt und für „gut“ oder „schlecht“ befunden.

Nun schaue ich den Frauen ins Gesicht und das einzige, woran ich denke ist: „Kann ich mit ihr eine liebevolle Verbindung aufbauen?“ Früher war mir nicht klar, dass Sex für mich nebensächlich sein könnte. Jetzt erfüllt mich der Gedanke, dass ich meine Liebe jedem Menschen schenken kann. In jedem Moment. Bedingungslos.

Das ist das Gefühl, das ich von unserem Gründer-Treffen mitgenommen habe. Ich danke Irene und Christoph für diese wundervolle Erfahrung, aber auch Manuel und all den anderen, dass sie dieses Wochenende möglich gemacht haben.

Mit diesem Gefühl im Herzen blicke ich zuversichtlich auf unser großes Event im Mai, „Move Meta liebt dich“. Und ich hoffe, dass ich den Menschen dort ein ähnliches Erlebnis bieten kann, wie ich es erfahren durfte.

Alles Liebe
Euer Florian

Florian Eichhorn
florian@movemeta.org

Ich liebe es, unseren Leitsatz "Du bist gut, so wie du bist" in die Welt zu tragen und Menschen zu inspirieren, das Beste aus ihrem Leben zu schöpfen. Als Gründer der Essener Gruppe erlebe ich immer wieder, wie wertvoll die Auseinandersetzung mit Gefühlen ist und wie heilsam es sein kann, offen und ehrlich damit umzugehen.

6 Kommentare
  • Jeronimo
    Veröffentlicht am 08. Januar 2017 um 23:09 Uhr Antworten

    Hallo Florian,
    das ist ein wirklich schöner Bericht, den Du da geschrieben hast. Vor allem, weil er weder theoretisch noch von den Bedürfnissen und Sehnsüchten eines Einzelnen eingenommen bleibt und so auch anderen Lust auf so ein Treffen machen kann.
    Ich habe Dich damals schon im Unperfekthaus getroffen und empfand den Abend von Dir als sehr authentisch und bodenständig.
    Ich würde Dich gern mal wieder treffen, wenn es Deine Zeit zulässt.
    Einen lieben Gruß von Jeronimo, der sich für Massage begeistert und sie auch gern verschenktanleitet und selbst genießt.

    • Florian Eichhorn
      Veröffentlicht am 08. Januar 2017 um 23:18 Uhr Antworten

      Danke dir, Jeronimo. Vielleicht hast du ja Lust, mal wieder ins Unperfekthaus zu kommen. Am 12.01. wäre die nächste Gelegenheit. Ansonsten schreib mir doch eine E-Mail unter florian@movemeta.org und wir finden einen Termin.

  • Ailine
    Veröffentlicht am 10. Januar 2017 um 11:45 Uhr Antworten

    Hallo Florian,

    Dein Bericht hat mich sehr berührt.
    Was du schreibst, kenne ich auch. Ich sehne mich nach echter bedingungsloser Liebe und erwische mich doch jedes Mal dabei, wie ich einen Mann sofort „abchecke“. Ich selbst mag zwar Komplimente, aber meist habe ich das Gefühl, dass die meisten Männer mich eh nur im Bett sehen wollen und nur aufs Äußerliche fixiert sind.
    Ich bin ja nicht anders, sie spiegeln es mir nur.
    Dieses Gefühl der bedingungslosen Liebe ohne jegliche Hintergedanken, das kenne ich gar nicht, glaube ich.

    Dank dir wurde ich wieder daran erinnert, dass es sich lohnt, damit auseinander zu setzen.

    Vielen Dank!

    • Florian Eichhorn
      Veröffentlicht am 10. Januar 2017 um 11:59 Uhr Antworten

      Liebe Ailine,

      ich finde es spannend, dass du Männer auch „abcheckst“. Da sind Männer und Frauen sich doch ähnlicher, als ich früher dachte.
      Ich freue mich, dass ich dir mit diesem Artikel die bedingungslose Liebe etwas näher bringen konnte. Erlebnisse wie das in Hof sind eher selten, aber seit ich mich damit beschäftige, bin ich eher bereit, das auch zuzulassen. Und das beschert mir viele „fast“ bedingungslose Begegnungen im Alltag ;)

      Alles Liebe
      Florian

  • Larana Palitza
    Veröffentlicht am 02. Februar 2017 um 16:38 Uhr Antworten

    Laßt uns Lieben.

    Gemeinsam. Love.Larana

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