2 Jahre M² Bo­chum – Die bes­ten Fra­gen, um Herzen zu öffnen

"Talk" by Karsten Bitter

30. April 2016

Wie sich Move Meta anfühlen sollte, wusste ich von Anfang an. Für unseren Gründungsabend in Bochum, am 2. April 2014, standen einige meiner wertvollsten Erinnerungen Pate – aufrichtige, berührende, gefühlvolle Gespräche aus der Zeit, als ich zu erforschen begann: „Wie mache ich, dass andere sich mit mir gut fühlen, und ich mich mit ihnen?“ Dieselbe Nähe und Tiefe möchte ich auch mit meiner Gruppe erleben. Wie und mit welchen Fragen wir das schaffen, will ich hier mit euch teilen. Doch von vorne…

Worauf ich Move Meta gegründet habe

Als ich 2011 meine persönliche Gefühlsforschung begann, standen mir einige neue Freundinnen bei. Diese hatte ich (im Hochschulsport, bei Hochbegabtentreffen, auf einem Geburtstag…) eben dadurch für mich gewonnen, dass ich mich für mein Herzensthema genauso begeisterte wie für sie selbst. Ich kannte nichts Spannenderes als ihre Beziehungen und Gefühle. Ich war jemand, der sich wirklich für sie interessierte. Und sie teilten ihr Innerstes mit mir; ihre Sorgen und Probleme mit sich, anderen und der Welt.

Der Austausch mit diesen Frauen gab mir etwas Langersehntes. Zum ersten Mal waren mir Menschen nahe, die nicht sowieso mit mir verwandt waren. Und auch ich genoss es, freimütig von mir zu erzählen. So fühlte ich mich endlich angenommen – bedingungslos gut. Ich hatte im Leben nie viele Freunde gehabt; nun öffneten sich mir neue Horizonte. Nun lernte ich, was ich allzu lange vernachlässigt hatte: Wie Menschen ticken und Gefühle funktionieren. Und zugleich übte ich, so mit anderen umzugehen, dass sie sich mit mir gut fühlen und innige Beziehungen entstehen: Sanft, zugewandt, achtsam – liebevoll.

Wie ich weitergebe, was mir geschenkt wurde

Was ich damals erfahren durfte, war die Blaupause für Move Meta. Meine Gruppe zu besuchen, soll sich genauso innig und verbunden anfühlen wie diese tollen Gespräche. Damit möchte ich gerade die einladen, denen es schwer fällt, dafür die richtigen Leute zu finden. In meiner Gruppe soll es allen gelingen, sich gut zu fühlen – ohne Geld ausgeben, Materie bewegen, Leistung bringen und Ziele erreichen zu müssen. Einfach so. Dafür nehmen wir einander bedingungslos an, ganz ohne (Vor-)Urteile.

Allerdings ist gerade das keineswegs selbstverständlich. Es ist weder normal, seine Maske fallen zu lassen, noch, von Urteilen abzusehen. Eben deshalb ja Move Meta: Weil unserer Welt die Liebe fehlt. Um dennoch einen liebevollen Raum zu öffnen, obwohl das so ungewöhnlich ist, muss ich 1) als Moderator Vorbild sein, 2) von meinen Teilnehmern das richtige Bild haben und 3) die richtigen Fragen stellen.

Der wundervollen Caro, die uns im Sommer nach München bringen möchte, habe ich das so erklärt: Meine Teilnehmer betrachte ich als Menschen, die vor Liebe strahlen. (Das ist für mich Erleuchtung.) Als Moderator helfe ich ihnen, sich von dem zu befreien, was sie davon abhält, und zu bekommen, was sie dafür brauchen. Allem voran natürlich den seltenen und kostbaren Glauben: „Ich bin gut, so wie ich bin.“

Womit ich anderen helfe, zu strahlen

Ein wenig abenteuerlicher erklärt, bin ich als Moderator wie ein Führer durch den Dschungel. Das große Ziel der SelbstLiebe ist gar nicht weit! Ziel aller Ziele ist das Loslassen aller Ziele, das in dem Gefühl gipfelt: „Ich bin gut, so wie ich bin.“ Der Weg dahin ist allerdings oft verborgen, im Dickicht von Hemmungen und Hindernissen, Zwängen und Sorgen, dem Wunsch nach Normalsein und der Sehnsucht nach Glück.

Meine Aufgabe ist nun nicht, irgendwem seine Gefühle zu machen. Ich bin weder Wunderheiler noch Sektenführer. Keiner wird zum Ziel getragen, jeder läuft selbst. Dabei gehen alle *einen* Weg – nämlich *ihren eigenen*. Denn wir wollen alle glücklich sein, doch das heißt für jeden was anderes.

Meine Aufgabe als Dschungelführer kann darum nur sein, durch das Dickicht einige Sichtachsen zu schlagen. Zu diesem Zweck habe ich mir ein paar scharfe Macheten angeschafft – eine Auswahl unverschämter Fragen, die freilegen, worauf viel zu selten ein Licht fällt. (Das klappt natürlich nur, wenn meine Teilnehmer mitziehen. Deshalb stelle ich zu Beginn meiner Moderation sicher, dass alle für einen intensiven, persönlichen Austausch bereit sind.)

Diese Fragen zeigen zum einen, wie jeder von uns schon heute liebt. So können wir direkt voneinander abschauen. Zum anderen offenbaren sie, was uns vom Lieben abhält, wie etwa…
…ein Irrglaube (z. B. man könne nur einen Menschen lieben)
…mangelndes Bewusstsein (z. B. seine Vorurteile pflegen, anstatt sie abzubauen)
…Arroganz (z. B. sich für was besseres halten, um inneren Mangel zu (über-)kompensieren)
…Unbildung (z. B. Eifersucht sei ein Zeichen von Liebe)
…Konditionierung (z. B. „Mama sagt, alle Menschen sind schlecht und verdienen Misstrauen“)
…falsche Priorisierung (z. B. sich „noch ein letztes Mal“ quälen, um dann endlich glücklich zu sein)
…Habsucht (z. B. Ziele, Karriere, Besitz, Geldgier, Konsumgeilheit).
Indem wir einander all das zeigen, verbinden wir uns in jedem Fall miteinander – und erschaffen so Liebe.

Die besten meiner Fragen möchte ich hier mit euch teilen. Die Liste werde ich zukünftig noch ausbauen. Sie soll eine inspirierende Ressource sein, für unsere Gruppen genauso wie z. B. für tiefe, verbundene, gelungene erste Dates. Habt ihr Vorschläge zur Ergänzung? Dann schreibt mir gerne einen Kommentar!

Fragen zum Ersten Prinzip (Bedingungslosigkeit)

– Was liebt ihr an anderen? Was liebt ihr an euch selbst?
– Was hassen andere an euch? Was hasst ihr an euch selbst?
– Was verachtet ihr an anderen? Was verachtet ihr an euch selbst?

Wann habt ihr zum letzten Mal…
– gespürt: „Ich bin gut, so wie ich bin“? Oder es anderen geschenkt?
– etwas an euch selbst/anderen bedingungslos angenommen, obwohl euch das schwer gefallen ist?
– ein „Ich bin gut, so wie ich bin“ durchgesetzt? Wogegen? Wie habt ihr euch hinterher gefühlt?

Bitte vervollständigt diesen Satz: „Ich habe ja nichts gegen andere, aber…“

Fragen zum Zweiten Prinzip (Tätigkeit)

– Was heißt es für euch, zu lieben?
– Wie könnt ihr machen, dass andere vor Freude strahlen?
– Kennt ihr den Unterschied zwischen Liebe und Verliebtheit? (Geben vs. Habenwollen)
– Streichelt ihr euch selbst, so wie man ein kleines Kind streichelt? (Total wichtig. Machen Männer nie.)
– Produziert ihr euch selber? Was erschafft ihr gerne mit eurem Körper, euren Händen, eurer Stimme, eurem Geist? (Erich Fromm bezeichnet Liebe als „Ausdruck eines produktiven Charakters“. Nach fünf Jahren hatte dann auch ich verstanden, was er meint: Liebe ist eine Tätigkeit, und sie gehört geübt.)

Wann habt ihr zum letzten Mal…
– gestrahlt, und was habt ihr dafür getan?
– (keine) Liebe in die Welt gebracht?

Bitte vervollständigt diesen Satz: „Ich würde ja gerne mehr lieben, aber…“

Fragen zum Dritten Prinzip (Selbstverantwortung)

– Wonach fühlt ihr euch schlecht?
– Wenn ihr euch schlecht fühlt: Was macht ihr, damit es euch besser geht?
– Sind andere Schuld, wenn es euch schlecht geht?
– Seid ihr eifersüchtig?
– Könnt ihr eure Eltern herzlich behandeln?

Wann habt ihr zum letzten Mal…
– eine Situation beendet, die euch nicht gut getan hat?
– etwas von anderen erwartet oder verlangt, um euch selber gut zu fühlen?

Bitte vervollständigt diesen Satz: „Ich wäre ja für mich und meine Gefühle verantwortlich, aber…“


Image: „Talk“ by Karsten Bitter is licensed under CC BY-ND 2.0.

Manuel
m@movemeta.org

Ich bin Manuel und will Liebe finden, anstatt sie zu suchen. Ich bin der Gründer von Move Meta und liebe es, über Gefühle zu sprechen, in die Tiefe zu tauchen und Schätze zu heben.

4 Kommentare
  • Anne
    Veröffentlicht am 25. Juni 2016 um 18:06 Uhr Antworten

    Wie unterscheidet sich die Frage „Was hasst du an dir selbst/an anderen?“ von „Was verachtest du an dir selbst/an anderen“? Dachte immer das wären Synonyme.

    • Manuel Fritsch
      Veröffentlicht am 26. Juni 2016 um 11:44 Uhr Antworten

      Liebe Anne,

      das ist eine wichtige Frage. Nein, Verachtung und Hass sind keine Synonyme. Verachtung ist die völlige Abwesenheit von Anerkennung, Achtung und Liebe, während Hass das Bezugsobjekt sehr wohl anerkennt, es aber zu zerstören trachtet (in meinem Wortverständnis). Beide sind also auf ihre Weise ein Gegenteil von Liebe, aber mit ganz unterschiedlichem Effekt. Hass und Liebe sind beides anziehende Kräfte, Verachtung nicht.

      (Wenn z. B. Neonazis irgendwo aufmarschieren, zieht das sofort die Antifas an. Während die Nazis in alle Richtungen hassen, sodass alle ungefähr gleich „sicher“ vor ihnen sind, hasst die Antifa einfach nur die Neonazis – ihr Hass ist existenziell *und* sie haben nur dieses eine Hassobjekt. Ihre Anziehung zu den Neoazis – welche diesen Hass natürlich ihrerseits gerne beantworten würden – ist darum so groß, dass diese durch die Polizei geschützt werden müssen.)

      Wenn ich etwas hasse, werde ich mich also fortwährend damit beschäftigen – so wie Dicke, die ihren Körper hassen und sich darum fortwährend mit Diäten quälen, nur um daraufhin noch dicker zu werden. Wenn ich etwas verachte, würde ich hingegen seine Existenz gar nicht anerkennen. Meine Frage dazu ist vermutlich etwas kniffliger… wer weiß schon bewusst, was nicht zu wissen er sich entschieden hat. Aber wenn es eine leichte Frage wäre, bräuchte ich sie ja auch nicht zu stellen. :)

  • Anne
    Veröffentlicht am 26. Juni 2016 um 23:26 Uhr Antworten

    Danke für deine Antwort! Der allgemeine Unterschied ist mit nun klarer geworden. Allerdings ist es für mich immer noch schwierig zu verstehen, wenn ich das auf mich selbst beziehe. Denn ich weiß doch, dass alles an mir irgendwie existiert…? Sich zu verletzten z.B. wäre doch auch Selbsthass, oder? Was wäre ein Beispiel für Selbstverachtung? So viele Fragen.

    • Manuel Fritsch
      Veröffentlicht am 07. Juli 2016 um 17:14 Uhr Antworten

      Liebe Anne,

      Selbstverachtung (verstanden als Tätigkeit), die sich auf andere bezieht, wäre z. B. wenn jemand wie selbstverständlich erzählt, dass bestimmte Leute eigentlich ja gar keine Menschen wären – Neger, Juden, Ausländer, Hartzer etc.

      Auf sich selbst bezogen fiel mir etwas ein, das mir eine Freundin (Krankenschwester) mal erzählt hat: Viele Frauen, die Brustkrebs haben, verdrängen das so lange, bis es unübersehbar und unheilbar ist und sie nur noch kurze Zeit zu leben haben.

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Liebe selbst. Und werde ge­liebt.